Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1843)
- Date
- 1843-04-15
- Page
- Seite 234 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenz. Wanderung durch das Krakau'sche, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung.) September, 1842. Der Gelehrten-Stand repräsentier durch Advokaten und Aerzte, macht dem galkzischen Judenthum Ehre. Beide Klassen genießen das größte Vertrauen bei dem jüdischen fowol, als bei dem christlichen Publikum« Diese Erscheinung wiederholt sich mehrfach auf dem ganzen. Lande und tritt hier, in der Hauptstadt, natürlich noch am klarsten hervor, wo einerseits der Kreis der jüdischen Gelehrten größer und kompakter, so wie andererseits das sie mit seinem Vertrauen würdigende Publikum augenfälliger und sichtbarer ist, — Was indeß die schöne Stellung der jüdischen Aerzte beim christlichen Publikum betrifft, so ist dieß keine hier in Galizien besondere Erscheinung. Ganz Deutschland weiß es ja, welche tüchtige Kultoren die Heilwissenschaft in ihrem ganzen großen Bereiche, unter den Juden gefunden, und welche schöne Hoffnungen hierin noch für die Zukunft aufbewahrt sind! Das ganze gelehrte Deutschland weiß es ja, daß die jährlichen medizinischen Preisfragen der berühmtesten deutschen Universitäten (wie die einer Berliner, Münchner, Leipziger rc.) meistens von jüdischen Studirenden gelöst, und deren glückliche Bewerber auch mit dem hohen Ehrenpreise gekrönt worden sind! — Wer in der neuesten medizinischen Literaturgeschichte nur einigermaßen bewandert ist, weiß es nicht wie viele klassische medizinische Monographen, die selbst später von akademischen Lehrern zur Grundlage ihrer Vorträge gemacht worden, und die auch höchsten Ortes ihre Anerkennung gefunden, jüdischen Aerzten ihr Dasein verdanken? Wie viele gediegene wissenschaftliche Vorträge werden nicht in deutschen Vereinen der Naturforscher und Aerzte von jüdischen Heilkünstlern gehalten? — Aber auch das deutsche Publikum weiß es ja, wie edel und uneigennützig, wie theklnehmend und ausdauernd, wie gewissenhaft und mitleidsvoll kurz wie seinem hohen Berufe ganz entsprechend, der jüdische Heilkünstler am Krankenbette dastehet; wie oft gerade seine- Heilbestrebungen mit dem glücklichsten Erfolge gekrönt sind; wie oft gerade er es war, der einen mit dem Tode ringenden Familienvater, seinen schon verzweifelnden Kindern wiedergab; wie er es war der, die-schon schwankende Lebensflamme eines zarten Sprößlings, der einzigen Hoffnung seines Stammes, wieder'von nettem unsachte, und den schon Halbbeweinten in das wonnige Leben und in die Arme der erstaunten Eltern zurückführte? Denn der jüdische Arzt weiß es, daß er neben seinem Stande, auch seine Glaubensgenossenschaft reprasentirt.; ec weiß es, daß seine Handlungen als Maßstab für seinen Glauben genommen werden; kurz daß seine Nation in und durch ihn beuriheilt werde; und welches erhabene Motiv zu großherzigen Handlungen muß dieß nicht sein, im Herzen eines Mannes, dessen Geist vom Lichte der Wissenschaft erleuchtet, und dessen Busen von einer warmen Liebe für die Seinigen erglühet ist! — Daher ehrte auch das christlich-deutsche Publikum den jüdischen Arzt mit seinem vollsten Vertrauen selbst da, wo Mißverstand und Vorurkheil den Juden von andern sozialen Rechten ausschloß, und ihm seine volle Menschengeltung nicht hat angedeihen lassen wollen. Dieses that'auch das christlich-galizische Publikum- und hat sich in seinem Vertrauen auch nicht getauscht. ~ Daher werden deutsche Regierungen, die das Wohl ihrer Unterthanen väterlich beherzigen (worunter gewiß Oesterreich unter den ersten gehört), das, vor Jahrhunderten den Juden eingeräumte Recht der freiesten medizinischen Praxis, ihnen nie und nimmermehr neh,men oder beschränken, trotz der engherzigen Insinuationen manches gelehrten Zünftlers, der wie jener musterhaft grausame Reiche in der biblischen Parabel, bei seinen, unzähligen wohlbeleibten Heerden dem Armen sein einziges'Schäflein rauben und damit sich und seine Stallknechte mästen möchte; der, Andern durch Gelehrsamkeit und Kunst die Augen zu öffnen wähnt, selbst aber offene Augen hat und nicht siehet die heiligsten Menschenrechte, deren Heller Glanz jedes von Vorurtheilen nicht umnebelte Auge tief durchdringt; nicht siehet die Leiden eines'Volkes und seine einzige Hoffnung für seine Wiedergeburt, geknüpft an seine hervorragenden Geister in Gegenwart und Zukunft, die der Menschheit nützen, der Menschheit dienen, dafür von der Menschheit geschätzt und hochgeachtet, und so wieder unter der Menschheit den verkannten Namen Jsrael's zu Ehren bringen! — Ja man wird vielmehr den Wirkungskreis der jüdischen Aerzte so wie aller ihrer Gelehrten erweitern, ihre, der Gesammtheit so nützlichen Dienste auch dem Staate nicht mehr vorenthalten, in Deutschland wie in Oestreich, an jenem großen Tage, wo die längst ersehnte Stunde der Judenemanzipa-