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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-04-15 · Heft 15 (15.4.1843) · p. Seite 226

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 15 (15.4.1843)
Date
1843-04-15
Page
Seite 226 (sequence 2)
Language
German
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226 derS aus dem Grundsätze der Gerechtigkeit. Ich begreift doch in der That nicht, wie man es bestreiten will und uziL Grimdrm ju unterstützen gedenkt, dm Jüden Mein Etwas abzusprechen, was man unter gleichen VerhälMs^' sen den Christen zugesteht. Es ist hier gar nicht die Rede davon, daß die Juden Etwas vor den Christen voraus. Haben sollten, wenn verlangt wird, daß sie mit nicht selbstgefertigten Maaren handeln dürfen bei dem Handwerke, welches. sie betreiben. . Aber in den Fällen, wo es den Christen erlaubt ist und soweit eS den Christen erlaubt ist, da begreife ich nicht, wie man eS mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit verträglich halten kann, zu sagen: Du nur, weil Du Jude.bist, darfst nicht handeln, wenn es auch die christlichen Meister dürfen, Du darfst zwar ein Handwerk treiben, Du darfst aber nicht mit andern, als felbstgefertigten Maaren handeln, obgleich es Deine christlichen Mitmeister dürfen. — Die Vorsorge für das Wohl der Juden scheint mir doch wirklich zuweit zw gehen und darauf hinaüszukommen, daß man sie von diesen Handwerken gänzlich verdrängen will. M das die Absicht, so würde ich es wenigstens für der Gesetzgebung würdiger halten, zu sagen, kein Jude darf ein Handwerk erlernen, wobei den christlichen Meistern gestattet ist, mit felbstgefertigten Maaren zu Handels Wenn man ihnen aber einmal gestattet, ein, Handwerk zu treiben, so glaube ich, muß es ihnen auch in demselben Umfange gestattet sein, als den christlichen Meistern, sonst ist es nichts Anderes, at* wenn man z. B. zu Einem, der Kaufmann werden will, sagen wollte, er dürft wohl Kaufmann werden, aber nur mit inländischen Maaren handeln; oder zu einem Schmied, er dürft nur mit Holz feuern. Dieses sind willkürliche Beschränkungen, welche ich mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und, ich will eS nur gerade heraus sagen, mit der Offenheit nicht im Einklang finden kann, die man in der Gesetzgebung unter allen Umständen beobachten muff —"# Später bemerkte er noch sehr treffend : „Will man übrigens den Juden Etwas nicht gewähren, so suche man nicht. nach. so. entfernt liegenden Gründen, es bedarf deren rricht; die Christen sind Ln der Majorität, sie dürfen nur erklären: wir wollen nicht. Das genügt. Die Einen sagensie thäten es im Interesse der Juden, dieses nicht zu gewähren, die.Juden sollten von dem Schacher, abgezogen werden; die Andern: mau darf ihnen diese Rechte noch nicht geben, sie sind noch nicht reif genug; noch! Anderees sind noch zu viele Beschränkungen bei de». Christen; bald soll vorher Entschädigung, bei Hasenschaden' eintreten, bald Schutzgeld, abgeschafft werden u. ft w» Meine. HZrren> solche Gründe brauc^n Siee iw der:: Thal nichö, beMhmr Sie sich .nicht. länUer. M fäh* afor nicht umhin, zu versichern, daß gerade diese fttzwkn Gründe und dieses Haschen nach Gründen überhaupt, wo man von der Ungerechtigkeit überzeugt sein muß, wenn man sich« unbefangen hält, mich nicht angenehm berührt haben; denn die Geschichte aller Zeiten lehrt, daß die Freiheit nur dev verdient und sich zu erhalten versteht, der auch Andern die Freiheit zu gewähren vermag." Der Abg. v. Thielau, Todt u. A. sprachen sich Ln gleicher Meise aus, allein der Vorschlag der Deputation wurde mit 38 gegen 21 Stimmen abgelehnt. Der dritte Punkt lautete: „Die zweite Kammer wolle im Vereine mit der hohen ersten Kammer die hohe Staatsregierung ersuchen, nach den gesetzlichen Bestimmungen die Zahl der jüdischen Meister im Verhältniß der jüdischen zur christlichen Bevölkerung im Allgemeinen zwar beizubehalten, eine Reparation der Meisterzahl auf die einzelnen Innungen aber fernerhin so schlechterdings! nicht obwalten zu lassen." Die Nothwendigkeit-, diese Beschränkung aufzuheben, leuchtete so ein, und was damit bewilligt, erschien ft unbedeutend, daß der Antrag wirklich mit 39 gegen 19; Stimmen angenommen wurde, trotzdem der Vizepräs. wiederum des Breitem sich dagegen vernehmen ließ. Doch können wir zwei Bemerkungen des Abg. Müller aus Chemnitz nicht mit Stillschweigen übergehen,, von denen die erste sich selbst charakterisirt, die zweite ein Zeugniß seiner gänzlichen Unkennt»Lff der Sachlage ist. Er sagte zuerst: „Da ich wünschen muß, daß sich die jüdische Gemeinde nicht'vermehre, sondern vermindere, so kann ich dem Deputationsgutachten nicht beitreten." — Sollte mau wohl glauben, daß - man im neunzehnten Jahrhunderte eine solche Aeußerung noch vernehmen könnte? Und dies in einer großen Versammlung gebildeter Männer? Man wünscht also über hundert Familien, daß sie aussterben, daß sie das theuerste Gut nicht haben, sollen — eine Nachkommenschaft? Genug, so Etwas ist für sich bezeichnend. Alsdann : „Wollen die jüdischen^ Knaben ein Handwerk lernen, so stehen ihnen andere Länder offen, wo sie Meister werden kömreu: Viele christliche Handwerker aus Sachsen etabliren sich'im. -Auslande, also können es auch die jüdischen." — Dev Mann weiß also nicht, daß'bis jetzt noch kein Bundesstaat einen Juden eines andern Bundesstaates aufnimmt!? Höchstens ev bringe einen großen Seckel Geldes mit, ei-

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