Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1843)
- Date
- 1843-04-08
- Page
- Seite 220 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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220 und vorzügliche.Talwudisten, . welche letztere.ganz besonders Muße?- Mittel und Beruf haben, junge Leute in -diesen Fächern! auszübilden, wahrend unser ausgezeichnetes Gy mwasöum den künftigen Gelehrten die gediegenste Reife für die Universität geben würde. — . Die Lage der Stadt selbst, die als Provinzkalstadt gewiß zu diesem Behufe einer Residenz vorzuziehen ist, der religiöse Grundton unsrer' Gemeinde, so wie die freunoliche Aufnahme, die jedem gebildeten Fremden in den Familien so bereitwillig zu Theil wird; endlich, ihre baldige Verbindung durch die Eisenbahn'mit den wichtigsten Städten des Landes, machen sie zu einem wünschenswerthen Aufenthalt für Knaben und Jünglinge, die ihrer weitern Ausbildung wegen ihr väterliches Haus verlassen wollen. —" Wanderung durch das Krakau'sche, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung.) September, 1842. Die übrigen Städtchen urid Marktflecken bis Lemberg, als Reschow, Jarestow, Prczemislow, Jawerow ff. ff., deren es ziemlich viele giebt, boten uns nichts Eigenthümliches dar. Sie sind alle mehr oder weniger freundlich angelegt, mehr oder weniger belebt, und der darin herrschende Ton mehr oder weniger kleinstädtisch. Wir wollen, daher hier bloß im Allgemeinen die Charakterzüge des westgalizischen Juden und in wiefern er sich von seinem ostgalizischem Bruder unterscheidet, in den Grundrissen zeichnen. — Der westgalizische Jude ist meistens-(seltener ein Landespcodukten-Händler) ein sogenannter Wiener Kaufmann d. h. er hat eine Manufakturwaarenhandlung und fahrt der Einkäufe wegen zwei bis dreimal jährlich nach Wien. Manche, die besonders in Wien Kommissionsgeschäfte zu besorgen haben, bleiben da Monate' und, unter Umständen) auch Jahrelang. Durch diesen ununterbrochenen Verkehr mit Wien wird derselbe kn seinem ganzen Thun und Lassen bedeutend modifizier. 'Den Geist der Ordnung, Reinlichkeit und das Gefühl eines bessern Lebensgenusses' bringt er gar oft nach Hause zurück. Und wenn auch die Verhältnisse ihm nicht gestatten in Wien den Kaftan in einen deutschen Rock metamorphosiren zu lassen, so sucht er ihm doch wenigstens Spuren eines verlebten wiener Daseins einzupragen (freilich giebts auch Manche denen auch .Men spurlos vorüber gehet, die außer ihren vollgeladenen Waarenkasten so leer an Politur, Weltkenntniß und Geschmack heimkehren, als sie von da ausgegangen sind, allein deren giebt es doch nur wenige und diese gehören auch meistens nur einem, in seinem alten Schlendrian großgezogenen, für alle Eindrücke der Gegenwart abgestumpften, betagteren Alter an). Der Schnitt seines langen Rockes ist daher mehr deutsch, der Gürtel nur noch mikroskopisch sichtbar; die altväterischen Kniehosen in Halb -Pantalon -verwandelt, und an der Stelle des abenteuerlichen Szodik's (d. h. einer schwarzen, geraden, rauchfangartkg gestalteten Mütze) tritt ein, wenn auch noch mit etwas breiterm Rande versehener Kastorhut. Selbst die-Sprache erleidet eine Modifikation : er spricht so zu sagen „halbdeursch;" freilich ist dieses Halbdeutsch oft noch radebrecherisch genug (besonders ist die Umbiegung manches jüdischen, ursprünglich wohl gar hebräischen Wortes in ein vermeintliches Hochdeutsches ziemlich komisch,) allein jedes Wort trägt doch die Spuren eines Bestrebens sich zu germanisiren, was auch im Hauswesen, in Küche und sonstigerLebensart unverkennbar ist. Bei alle dem fehlt jedoch gewöhnlich dem westgalizischen Juden jener wahre Aufschwung, jene intellektuelle Tiefe, jener eigentliche wahrhafte Fortschritt der Geistes- und Herzensbildung, diese schöne Frucht unseres Jahrhunderts, die in Ostgalizien hie und da so erfreulich emporkeiytt. Auf dem Felde, ausländischer (deutscher, französischer) Literatur ist der Westgalizier meistens ein Fremdling (wenn man nicht das wiener Lexikon mit seinem Bachhändel, Jausen, Butterschnitt rc., das allerdings im Munde der „Wiener" geläufig zu sein pflegt, hieher rechnen woljte). Der allgemeine Standpunkt der Kultur ist ihm ziemü'ch, unbekannt, besonders die bereits zurückgelegten Fortschritte seiner. Westeuropäischen jüdischen Brüder; ja es gehört da mitunter zum guten Ton, über Juden überhaupt zu lachen, weil — man's so hie und da in Wien gehört hat. — Daher sind auch die Gemeinde-Zustande noch höchst traurig. Bon Krakau bis Lemberg findet man keine einzige israelitische Normal- oder Realschule (wie man deren so manche im räumlich kleinen Ostgalizien vorsindet); die Erziehung der Jugend höchst vernachlässiget (ausgenommen den wenigen, die ihre Kinder eines spätem Fakultätsstudiums willen, in die Gymnasien schicken; denen aber der jüdische Religionsunterricht eine förmliche terra incognita bleibt, ja die später als Jünglinge und Männer, oft