Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1843)
- Date
- 1843-04-08
- Page
- Seite 219 (sequence 11)
- Language
- German
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219 dem Namen Hascharath Zewy gegründet hat. Das Bildnkß wurde schön restaurkrt in dem Scbulzkmmer aufgestellt, und hatten die Lehrer damit erne Schulprüfung verbunden, deren Ergebnisse der Art waren, wie sie, jetziger Zeit in jüdischen Schulen selten Vorkommen. Sie erlauben mir daher, Herr Redakteur, diese in Ihrem geschätzten Blatte (in dessen erstem Jahrgänge No. 90 und 91 ein längerer Bericht über diese Schule enthalten ist) ausführlich anzugeben. Die Prüfung begann Sonnabend Vormittag; die erste Abtheilung der Knaben (von 10 bis 14 Jahren) wurde im Talmud examinirt, und hatte diese seit zwei Jahren vier Abschnitte der Messach. Betza gelernt, in denen sie zur Zufriedenheit der Herren Examinatoren, welche aus dem hiesigen Rabb.-Kollegio und andern Freunden dieses Lehrgegenftandes bestanden, selbst schwierige Stellen mit klarem Verständniß vortrugen, und ihr Vertrautsein mit den Lehrsätzen und Kontroversen dieser Abschnitte an den Tag legten. Am Nachmittag dieselbe Abtheilung im Pentateuch, von dem sie die ersten vier Bücher Mos. genau inne hatten, so daß sie jede verlangte Stelle übersetzten, Gebote und Verbote und z. B. die Opferarten genau angaben, hierauf in den ersten Propheten, wo sie bis zum zweiten Buche Samuel gekommen waren, und in den Prov., von welchen sie zwölf Kapitel ziemlich auswendig 'gelernt hatten und welche sie auch grammatisch anylisi'rten. Tages darauf wurden Knaben und Mädchen zugleich in den Elementarkenntnissen, als Lesen, Schreiben, deutscher Sprache, Geschichte und Geographie geprüft, welche letztere Gegenstände besonders bildend behandelt waren, und zeigten die Kinder in der Topographie des Elb- und Rhein-Gebietes gute Kenntnisse; die Knaben übersetzten mehrere Uebungsstücke aus Ehrenberg's Elementarbuch; Nachmittags wurde die Prüfung in biblischer Geschichte und Religion fortgesetzt. Probeschriften der Kinder, so wie eine Ausstellung weiblicher Arbeiten bewiesen, daß die Schule auch den Anforderungen an eine Volksschule nachkömmt. . Den Schluß des Examens machte die erwähnte Feierlichkeit. — Das Bildniß, (mit schönem Goldrahmen verziert, um welches ein Weihgedicht des sel. Geschenkgebers als goldne Randschrift sich befindet) bis jetzt verhängt, wurde enthüllt und von den Kindern mit einem dazu gedichteten Festgesang begrüßt. Darauf hielt-der Oberlehrer Lasch eine Redein welcher er das unverkennbare Verdienst der Schule, in Bezug einer festen Begründung religiöser Erziehung dem Vermächtniß des Stifters zuschrieb, das eben nur durch seine Unantastbarkeit sich vor Verflachung einer übelverstandnen Aufklärung schützen konnte, und stellte die Nothwendkgkeit jüdischer Volksschulen heraus; diese Rede unterbrachen und schlossen wieder schöne zweistimmige Gesänge der Kinder, von unserm jungen Vorsänger Herrn D. Jeretzky komponirt und geleitet. — Sodann nahm der ehrwürdige Syndikus und Stadtverordnete Herr I. Alexander, als Präses der Administratoren das Wort, da er zuerst als zweiter Lehrer in dem Institute vor 48 Jahren angestellt gewesen war, sprach zu der aus Gemeindemitgliedern und mehreren christlichen Lehrern bestehenden Versammlung, welche so zahlreich war, daß die Schulzimmer gedrängtvoll waren, von den Tugenden des sel. Stifters, den er persönlich gekannt hatte, dankte den Lehrern, forderte die Kinder zum Fleiße auf und schloß seine herzlichen Worte mit dem Segen der Priester. Den Kindern wurde ein kleines Fest bereitet, und Tags darauf den Bessern Prämien an Schulbüchern ausgetheilt, so wie den Lehrern Seitens der Herren Administratoren ein heitres Gastmahl gegeben. Referent beabsichtigt mit obiger Beschreibung weniger den würdigen Lehrern'das verdiente Lob öffentlich zu spenden; beide, sowol der Herr Oberlehrer Lasch als auch . der zweite Lehrer Herr Hirsch Joseph verzichten gern darauf. Vielmehr ist es meine Absicht, auf diese Anstalt diejenigen Israeliten aufmerksam zu machen, die es noch etwa wünschenswecth halten, ihren Kindern einen Unterricht angedeihen zu lassen, der sie mit gründlicher Kenntniß ihrer Religion ausrüstet, ohne daß dadurch der bürgerlichen Erziehung Eintrag geschieht. Gegen ein sehr billiges Schulgeld, da die Schule auf guten Fonds basi'rt, können hier.fremde Kinder ausgenommen werden, die Unterhaltungskosten sind gewiß billiger, als sonst wo, und können diese in doppelter Beziehung hier eine sehr gute und religiöse Ausbildung erhalten: a) als Geschäftsleute, indem sie spater in die Quarta der höher» Bürgerschulen oder in die Gewerbschule eintreten, und zugleich von den Lehrern der jüdischen Schule resp. im Lateinischen, .Französischen und Englischen und in allen Fächern des Kaufmännischen Wissens vorbereitet und ausgebildet werden.können, welche sich auch der. Beaufsichtigung der Kinder gewiß gern unterziehen würden; - b) als einstige Theologen, haben wir hier an den Mitgliedern unsres Nabbinats-Kollegiums tüchtige