Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1843)
- Date
- 1843-04-08
- Page
- Seite 215 (sequence 7)
- Language
- German
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215 wärts, und nicht minder auch, für uns die kostbarsten und geschätzten Lebensgüter und als solche die Grundursachen, um welcher willen die wackersten Helden des'Menschengeschlechts die Lodesweihe empfangen, sie-sind die Zauberworte, die die Brust jedes Schweizermannes heben und die sich die durch das Gefühl ihres Nationalstolzes- - hochbeglückten Schweizerjünglinge von Gau zu Gau zujubeln; denn in der Schweizergeschichtsind Vaterland und Freiheit die mächtigen Impulse zu großartigen Werken und Lhaten." „Auch wir, nämlich die dem schönen Aargau rnkorporirten Israeliten, wir theilten die Begeisterung, als wir in den Iugendjahren die erhebende Geschichte ^unseres vermeintlichen Vaterlandes hörten, wir freuten uns in unserm kindlichen Wahne das Land der Kelle und Winkelriede unser Vaterland zu nennen und jene Biedermänner und 'große Seelen, welche als herrliche Sterne auf den Blättern der Schweizergrschichte glänzen, uns verwandt zu denken. In jenen, frühen Jugendjahren träumten wir den schönen Traum von Freiheit und Vaterland und unser unbefangener Sinn konnte nicht anders als das Land, wo wir zum erstenmal das Licht erblickt, den Boden, worauf unsere Wiege gestanden und an dem unsere Hoffnungen und Wünsche geknüpft sind, uns als Vaterland zu denken. Nun wir aus diesen kindlich frommen Träumen zu männlichem Ernste erwacht./ erfaßt uns die schmerzlichste Wehmuth bei der Frage: Wo ist unser Vaterland? und an den Matz der hohen Begeisterung tritt eine entgegengesetzte trübe, düstere Stimmung." „Das Land, das uns geboren, wir heißen es mit Stolz und Liebe unser Vaterland; wenn es nur mit offenen Armen und ohne Rückhalt uns als seine Söhne anerkennen wollte! Aber neben den vielen Kränkungen, die wir bei jeder Gelegenheit-erdulden (in den Reisepässen werden wir Bezirksangehörige, im Gesetze Angesiedelte, Geduldete genannt) wird uns noch die Zurücksetzung zu Theil^ daß man.uns nicht einmal für würdig halt,' die' Waffen zur Vertheidigung. des Vaterlandes zu tragen. In jüngster Zeit hatten wir dreimal Gelegenheit, Kriegsübungen schweizerischer Wehrmänner in unserer Nähe zu sehen. Aber der brüderliche Willkomm, den wir ihnen so gerne gereicht hätten, durfte sich nur auf eine herzliche Gastfreundschaft beschränken. So oft wir dann die kriegerischen Reihen dieser Männer überschauten, stieg die Frage in uns aus: warum dürfen wir. nicht auch in diese ehrwürdigen Reihen treten? Beseelt uns doch das gleiche Liebesgefühl zum Vaterland, warum sind wir in diesem ja in Unzähligem bei Seite gesetzt? Wir traten, mit unserer Frage vor das Tribunal der Gerechtigkeit und Billigkeit, vor den Strahlenthron der Humanität und vor die Hochaltäre Ihrer und unserer Religion; aber Tribunal, Thron und Altäre blieben uns die Antwort schuldig." „Wir theilen aber die innige und feste Ueberzeugung, daß auf dem Wege der Vollendung der Menschen jene Vorurtheile, die irgend eine Menschenklasse um ihrer Religion willen zurücksetzen, von dem lebendigen Geiste der Aufklärung niedergekämpft und aus der ^menschlichen Gesellschaft ausgeschieden werden müssen, daß eine Zeit kommen werde, wo die Staaten aufhören auf das Gewissen der Menschen dadurch eine- Gewalt auszuüben, daß sie an irgend ein Religionsbekenntniß irdische Vortheile — wie die Ertheilung des Bürgerrechts, knüpfen. Wir wissen' es gar wohl, daß ber allen gerechten Ansprüchen seine Pforten öffnende Geist der Freisinnigkeit, der Frankreichs Protestanten und Englands Katholiken zum Sieg verholfen, auch in unserm Großrathssaale heimisch ist, und daß dieser Geist, der auch Sie, hochgeachtete Herren, beseelt, endlich auch uns zum Ziele führen werde; darum lassen wir uns durch die einzelnen, noch so betrübendenden Ereignisse nicht entmuthigen, nein, unser gebeugtes Vertrauen richtet sich mit erneuter Kraft empor und naht sich Ihnen voll Ehrerbietung mit der Bitte, uns jene Menschenrechte zu verleihen^ welche uns die, christliche Welt zu ihremunö ^unserm Nachtheile schon seit Jahrhunderten vorenthalten hat. Als im Jahre 1830 durch die wohlwollende Aufmerksamkeit der Hohen Regierung auf ifraelit. Verhältnisse, unsere Schulen einer zweckmäßigen Einrichtung unterworfen, und im Jahre I83ö sogar in Gestalt end Rang den christlichen Schulen des Kantons gleichgestellt wurden, da freuten wir uns des sich natürlich ergebenden Gedankens: Nun hat der Staat unfern Kindern dasjenige gegeben, was sie zu Menschen macht, ' die obligatorischen Mittel der Geistesbildung, sofort wird er ihnen ihre Menschenrechte nicht länger mehr vorenthalten. Da nun-die