Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1843)
- Date
- 1843-04-08
- Page
- Seite 211 (sequence 3)
- Language
- German
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211 das größte Unglück sehen würde, was Sachsen jemals'betreffen könnte. ■: Nicht blos unsere Fabriken würde» vernichtet, der arme Arbeiter sein ohnehin schon großenteils zum Erbarmen Herabgesuukenes Lohn noch mehr verringert, sehen, sondern auch der Wohlstand der höchst ehrenwerthen Landwirthe würde gefährdet werden." *) — Der Abg. Sachße (er hat sich in den Debatten über die Oeffentlichkeit der Justiz einen Namen (!!) gemacht,) behauptet, die Juden hätten von den 1838 eingeräumten Rechten keinen guten Gebrauch gemacht, und keine Resultate gezeigt**); die von ihm angeführten Thatsachen werden vom Ref. v. Gablenz widerlegt, und vom Abg. Scholz die Kürze der Zeit seit 1838 in Anschlag gebracht. Außerdem bemerkt der Abg. Häntzschel: „Ich habe btos eine Aeußerung des Abg. Sachße zu widerlegen. Er hat die Besorgniß ausgesprochen, daß Juden, wenn man ihnen die bürgerlichen Ehrenrechte zu Theil werden lasse, wohl gar Mitglieder der Stadträthe werden könnten. Run, meine Herren, eine solche Besorgniß wird, wenn sie einträte, gewiß keinen Nachtheil herbeiführen. Ich glaube vielmehr, daß wir von Rathmännern israelitischen Gtanbeiis sebr oft lobenswerthe Einschränkungen und Sparsamkeit beim städtischen Haushalt lernen, von-ihnen mindestens das Gehcimniß einer zweckmäßigen Armenversorgung erfahren könnten. Während man sich täglich von christlichen Bettlern umringt sieht, ist mir wenigstens während meines mehrjährigen -Aufenthalts in Dresden auch nicht ein einziger jüdischer Bettler vorgekommen. Es ist dies eine Erfahrung, die sich nicht widerlegen läßt." Der vr. v. Mayer suchte die bereits in's Kleinliche verfallende Debatte wieder zu erheben. Er bemerkte, „3ch. glaube, es ist nicht die Meinung, daß wir in Sach¬ *) Welche Schrecken erregende Schilderung! Man muß nicht vergessen, daß es sich nur darum handeln würde, daß die 800 fächs. Juden sich über die ganzen ca. 400 Luradratmeilen Sachsens verbreiten dürften, so daß also zwei Juden auf jede Oudratmeile kämen, und diese Satanaffe, was vermögen sie — alle Fabriken vernichten, alle Arbeiter um ihren Lohn bringen! Wie ist cs. nur möglich, daß Preußen mit. 200,000, Oesterreich mit einer halben Million Juden ff. bestehen!. -**) Um glänzende Resultate hervorzubrrngen, gehörten glanzende Prämissen, wo sind die aber im Gesetze 1838 zu finden? So lange das fächs. Gesetz den drükkenden Geist mikrologischer Beschränkungen nicht fahren läßt, kann es auf glänzende Resultate nicht rechnen: sen uns rühmen wollten, vorzugsweise einen christlichen Staat zu bilden. Wenn wir die. andern christlichen Staaten Europa's durchgehen, so werden wir zugeben müssen, daß dort ebenso gute. Christen sind, als in Sachsen. Gleichwot findet man durch ganz Europa nirgend einen Zustand der Juden in Bezug auf die bürgerlichen Ehrenrechte, welcher dem sächsischen entspricht." Er geht darauf mit großer Sachkenntniß die Verhältnisse in den anderen Staaten durch, und schließt: „Nun, meine Herren , das Prinzip will ich nicht länger verfechten; aber ich dächte, wir beschieden uns, daß wir in Sachsen, als in einem konstitutionellen Staate, doch wenigstens nicht zurückstehen dürfen hinter dem, was Preußen, Oesterreich und Rußland, gewähren." — Die darauf folgende Debatte drehte sich nur noch um einzelne Einwände, ..die schon besprochen worden, und der Ref. v. Gab lenz schloß dte Debatte, indem er sie höchst angemessen summirte; das Resultat der Abstimmung war: die Kammer nimmt mit 40 gegen 28 Stimmen die Bewilligung der Ehrenbürgerrechte an. Hatte sich somit die Kammer recht geneigt gezeigt im Punkte der Ehrenrechte, so war es ein ganz Andres um die materiellen Rechte. So. bald diese berührt wurden, war die Kammer nmgedreht, und die Majorität wich der Minorität. Daß sie sich damit charakterisirt hat, wird Niemand abweisen können. Der zweite Antrag lautete: „Es möge die 11. Kammer im Verein mit der hohen I. Kammer die hohe StaatSregierung ersuchen, das unbedingte Verbot des Klein - und Ausschnitthandels noch auf diesem Landtage auf gesetzmäßigem Wege aufzuheben, dagegen im Verhältniß der Zahl der jüdischen zur christlichen Bevölkerung und unter verhältnißmäßiger Verteilung auf die einzelnen Branchen des Klein - und Ausscknitthandels, den Juden die'selbstständige Betreibung dieses Handels unter den bei den christliche» Kaufleuten bestehenden Bedingungen gestatten." — Es war hiermit geradezu in ein Wespennest gestochen. Denn es galt eine Konzession im Handel, die man den Juden machen sollte. Zuerst trat der Vizepräsident Ei sen stuck auf, und zwar mit einem großartigen Bekeuntniß: er hatte nämlich bis jetzt die Juden immer zu vertheidigen geschienen, nunmehr sprach er sein pater xeceavl mit vieler Salbung — er habe sich getäuscht, n habe früher geglaubt, die- Juden würden Gewerke betreiben, , aber nein! sie wären beim Handel geblieben, und von deklen, die sich den Handwerken zugewendet, wären einige wieder