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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-04-08 · Heft 14 (8.4.1843) · p. Seite 210

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 14 (8.4.1843)
Date
1843-04-08
Page
Seite 210 (sequence 2)
Language
German
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210 Der Herr Minifier Nostitz und Jänkendorf führtezur Bestätigung dessen die Verschiedenheit der Lage der Juden im „Früher" und „Jetzt" an, und es ermangelte'dasei weiter nichts, als daß er auch die früheren blutigen Verfolgungen und die jetzige Sicherheit der Person angeführt hätte"). — Diese Bemerkungen fanden auch in der Kammer-sattsamen Widerspruch, und wurden - von den Abg. Braun, Schumann,. Dr. v. Mayer, Dr. P latzmanu schlagend widerlegt. Die eigentliche Debatte begann der Vizepräsident Eisen stuck. Derselbe nahm einen größern Anlauf in seiner Rede, wollte das Wort „Emanzipation" nicht gelten lassen""), willigte aber doch in die Ertheilung der Ehrenbürgerrechte. Er sagte: „Es muß dies ein redliches, lebendiges Ehrgefühl in ihnen erwecken, es muß sie mit den Christen noch mehr gleichsiellen und es wird eine größere Eintracht dadurch festgesetzt. Die Erfahrung hat mich hier, belehrt, daß diejenigen aus der israelitischen Gemeinde, denen man übertragen..hat, Theil zu nehmen an Wohlthätigkeitsanstalten, bei der. Armenversorgungsbeh'örde, bei der Gesellschaft zu Rath und That, sich hierbei sehr erprobt haben." . Der Abg. Leuner hielt.nun, wie es der Abg, v. Thielau bezeichnete, ,-eine geschichtliche Vorlesung," die das Reich der Juden zertrümmern ließ, weil sie intolerant gewesen *"0), die. die Juden wegen ihres PartikulariSums deS gesunden Menschenverstandes der Privaten, der denn doch vom ungerechten Gesetz absirahirt, und die Persönlichkeit berücksichtigt; wenn aber der Staat eine ganze Bür-gerklasse, die alle Bedingungen>'.'-.die' atldMeittz'^wit Ausübung der Ehrenrechte verbunden sind, erfüllt, von diesen Ehrenrechten ausschließt, so hat er sie^dieser für u^nwürdig erklärt, und keine Sophisterei kann dieses verhüllen. Die gewählten Beispiele des Herrn.Komm, verderben seine Sache ganz, denn Frauenzimmer, Almoseoempfänger, Schuldner sind solche, welche die nothigen Bedingungen nicht erfüllen, bei.den Juden soll es also nun-lediglich die Religion sein, welche unfähig macht. ") . Gott sei Dank! kann der Jude jetzt nicht mehr zufrieden sein, wenn man zu ihm sagt: siehst du, ich schlage dich nicht mehr todt! Nicht bloß der Mensch, auch der Bürger ist in ihm erwacht, und läßt ihn nicht eher ruhen, . :als bis er Bürger ist im vollen Sinne des Wortes! **) Mit Recht verwies der Abg. v. Watz'dorf darauf, daß man auch in England die Ertheilung der bürgerlichen Rechte au die Katholiken „die Emanzipation der Katholiken" nannte. "*") Der Abg. Leuner verzeihe, wenn wir darin nicht eine Vorlesung, sondern nur einen geschichtlichen ausgeschlossen sein läßt"), und zuletzt die Trödler.von den Ehrenbürger-rechten ansschließen will. Herr Leuner machte auch "einen Witz, indem er meinte, die Petentenhätten auf's 21bhandeln gerechnet — was der stets bereite und beredte Referent v. Gablenz so zurückwies: „nun, meine Herren, so zeigen Sie, daß dieser so getadelte Handelsgeist bei Ihnen nicht herrscht, handeln Sie ihnen Nichts ab hier, wo es sich um Höheres als Geldeswerth handelt." Einen Einwand des Abg. v. d. Planitz, wiesen die Abg. v. Thielau und v. Watzdorf sehr gut ab: „Er sagt nämlich: „die Israeliten sind der Beschränkung unterworfen, daß sie blos in Dresden und Leipzig wohnen dürfen; da diese Beschränkung bestehll, muß man auch noch weiter gehen, und ihnen die bürgerlichen Ehrenrechte versagen." Wenn wir auf diesen Klimax weiter eingehe» wollen, so kommen wir dahin, den Israeliten gar keine Rechte mehr zukommen zu lassen." — Eine furchtbare Diversion machte der Abg. Müller ans Chemnitz. Er meinte-:. „Ich habe mit Bedauern ver- - ttommen, daß man von mehren Seiten wünscht, die'Juden für das ganze Land zu emanzipiren, und ich kann nicht umhin, offen und frei zu gestehen, daß ich darin Schnitzer finden; gesetzt, ein christliches Volk wolle die Bildsäulen eines heidnischen Kaisers nicht auf die Altäre seiner Kirchen zur Anbetung stellen, würde man.es intolerant nennen, oder als heldenmüthig bezeichnen? gesetzt, ein christliches Volk wollte seine letzte Kraft daran setzen, den Druck der gierigen römischen Prokonsuln abzuschütteln, und ginge in diesem Kampfe unter, würde' man es intolerant nennen, oder als ein Märtyrervolk der Freiheit bezeichnen? Nun, Herr Leuner lese die Geschichte noch einmal nach, und er'wird finden, die Juden gingen unter, weil sie mit den r'öm. Kaisern keine Abgötterei treiben, und weil sie das römische Joch,' das freilich^ eine „tolerantes Welt der Griechen, - Italiener,. Asiaten ff. ertrug, nicht mehr ertragen wollten. ") Wenn dieser PartLkularismils das Moment der Religion bezeichnet, so erklären wir, daß wir ihn beibehalten wollen bis an der 2Velt Ende; man sehe aber ja zu, ob es nicht mehr Partikularismus ist, "jede andere religiöse Meinung vom gemeinsamen Verbände ausschlkeßen, als seine religiöse Ueberzeugung. fest, bewahren wollen. Faßt man aber den Partikularismus vom. nationalen Punkte, so zeigen ja die Petenten durch sich selbst, daß sie in den nationalen Verband ausgenommen sein wollen. Wo steckt da Logik: Jemanden des Partikularismus wegen ansschließen, und ihn doch auf partikulärem Standpunkte festbannen!?

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