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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-04-01 · Heft 13 (1.4.1843) · p. Seite 204

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 13 (1.4.1843)
Date
1843-04-01
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
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204 nau erwägen zu lassen, auf welcher Seite der beiden -Religionen der meiste - Fanatismus herrscht." Der Niederrhein. Kourier (Ourrier äu La8-Rbin, er erscheint in franz. und deutscher Sprache,) nimmt ernstlich die Waffen gegen diesen Vorschlag auf, und ' bekämpft ihn in seiner gestrigen Nummer. Ihr könnt ganz ruhig sein: die Juden werden ffch für dieses Schiedsrichteramt bedanken, da sie wissen, zuletzt würden sich die Streiter vertragen, um gemeinschaftlich über den Richter herzufallen. Rußland und Polen. SL. Petersburg, 9. März. (Berl. Z.) Vor wenigen'Wochen erst hat ein, für die allgemeine europäische Statistik sehr wichtiges Werk hier die Presse verlassen: statistische Uebersicht des Königreichs.Polen, im höchsten Aufträge vom Kollegienrath Saweleiskji verfaßt. Es ist das erste voll- Jandige Werk dieser Art, das wir über die neuesten -Verhältnisse Polen bis jetzt besitzen. Nachstehende allgemein interessante Data entlehne ich demselben für mein heutiges Schreiben : „Das heutige Königreich Polen hat eine Ausdehnung von 2320 lüMeilen, und zählte im I. 1840 eine Bevölkerung von 4 Mill. 428,546 Individuen beider Geschlechter; unter ihnen befanden sich 469,930 Juden. (Also ist ca. der zehnte Mensch ein Bekenner unsres Glaubens.) Leipzig, im Mär'z., Schon in No. 6 haben 'wir, allerdings allgemein, mehre Artikel der Augsburger A. Z. über die Konskriplionspflichtigkeit der Juden in Polen zurückgewiesen, die nicht unmoralischer sein konnten. Die Leipz. Allg. Zeit, bringt jetzt eine, auf Fakta sich stützende Widerlegung, die wir daher hier zum größern Theil abdrucken lassen. Sie ist aus Warschau datirt, und lautet: „Die Augsburger Allg. Zeit, sucht in No. 21 u. 22 d. I. die vom 12. und 14. Dez. v. I. Ihnen von hier aus übersendeten ausführlichen Mittheilungen (No. 365) über die neuen Vorgänge in Betreff der Juden Polens in einem angeblich von der polnischen Grenze datirten Raisonnement dadurch zu entkräften, daß sie die polnischen Juden lächerlich macht und sie als so miserabel darstellt, daß es höchst ungereimt von der russischen Regierung wäre, wenn sie diese entartete Menschencaye dem Ackerbau zuführen oder militairpflichtig' machen wollte. Ich will es gern dergalanten Augsburgerin.überlassen, an dem Judenbartaus Kurzweil zu zuchfen und ihre Leser mit Karikaturen von polnischen'Juden zu ergötzen; es scheint ihr trauriges Amt seit langer Zeit, die Juden bei jeder Gelegenheit zu hudeln, was freilich sehr leicht ist,- da sie dabei keine Gefahr läuft, in einem christlichen Staate verboten zu werden. Es kommt mir nicht in den Sinn, die Kinder Israels vertheidigen zu wollen, aber ich halte es für sehr unklug, sich über Judenbärte lustig zu machen, während die Regierung, ungeachtet der .Bärte, die zwei Millionen russischer Unterthanen jüdischen Glaubens mit großen Opfern aus ihrer politischen und daher auch moralischen Niedrigkeit zu erheben sucht. Ohne in den Ton jener-Zeitung einzustimmen, halte ich es doch für Pflicht, die Widerlegung von der polnischen Grenze hier kurz zurückzuweisen und auf die bloßen Witzeleien zurückzuführen. Dem eigentlichen Inhalte meines oben angeführ-' ten Berichts, nämlich über den Ukas, die Militairpflichtigkeit der Juden betreffend, die spätere Suspendirung desselben und über die Aufmunterung der Juden zum Betreiben des Ackerbaus, wagt der Korrespondent nicht zu widersprechen, aber wohl meinen dort angegebenen Motiven, indem er vorgiebt, daß die russische Regierung die Militairpflichtigkeit der Juden nicht deshalb anbefohlen, um die Juden den Russen näher zu bringen und mit dem russischen Nationalcharakter zu versöhnen, - wie ich. angegeben, sondern aus falscher Politik und Unerfahrenheit, da die Regierung doch wissen mußte, daß tue. polnischen oder russischen Juden durch ihre Feigheit, Kleidung, durch ihre Bärte und durch ihren Schachergeist zum Militairstande gar nicht passen. Diese Unklugheit, meint der Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung, hätte die Regierung dann wirklich später eingesehen, worauf sie durch eine Karikatur in einer Industrieausstellung geführt wurde, und habe daher das Gesetz suspendirt. Gegen diese inhumane Ansicht, sowol von der Regierung als von den Betheiligten, muß "ich,, insoweit der Korrespondent etwas Thatsächliches ausgesprochen zu haben meint, erwidern, daß erstens die Suspension des Ukases vor der Ausstellung bekannt wurde, und zweitens ist die ganze Geschichte von der Ausstellung mit einer dort gewesenen Karikatur eine müßige Erfindung. Was

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