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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-04-01 · Heft 13 (1.4.1843) · p. Seite 205

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 13 (1.4.1843)
Date
1843-04-01
Page
Seite 205 (sequence 13)
Language
German
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<205 'aber , die ausgesprochene Gesinnung der Regierung anlangt, so ist sie freilich nicht eigne Erfindung, da schon die große Katharina gesagt , daß sie unmöglich zulassen könne, daß das heilige Blut der Russen auf dem Schlachtfelde von dem jüdischen verunreinigt werde; aber der Korrespondent, der Augsburger All-, gemeinen Zeitung von der polnischen Grenze sollte $o viel wenigstens von der russischen Geschichte wissen, daß seit 16 Jahren, nämlich feit 1826, die Juden in Lithauen, Podolien, Volhynien, Ukraine, Meurußland rc. thatsächlich militairpflichtig sind und ..^auch nicht im entferntesten geschont werden." „Daß die Juden seit so vielen Jahren trotz ihrer -Bärte, - ihres Schachers und ihrer Feigheit zum .Dienst in der russischen Armee gezwungen werden, kann der Augsburger-Allgemeinen Zeitung wol als' ^Beweis dienen , daß unser Kaiser sich durch Karikaturen nicht abschrecken läßt. Und mit Recht. Denn wer die Nationalruffen in ihrer Nationaltracht, in, -ihrem Schmutze, mit ihren Bärten und ihrer Bornirtheit in den kleinen. Städten Altrußlands gesehen, der wird es gewiß , nicht läugnen, daß die Juden gar nicht unwürdig erscheinen. Uebrigens hat sich die Augsburger Allgemeine Zeitung . mit den Judenbärten etwas aufbinden lassen; der Nationalrusse, der Jude, der Tatar und Kirgise verliert mit der Aushebung zum Soldaten nicht nur den Bart, sondern auch das Haupthaar ganz und gar, indem das erste Zeichen, daß ein russischer Unterthan dem Mars verfallen sei, darin besteht, daß ihm Bart und Haupthaar abrasirt.wird." „Es sind aber in Bezug auf jüdische Soldaten noch zwei Andere Lhatsachen bekannt, welche die Augsburger Allgemeine Zeitung bei jedem höhern russische^ Offizier erfahren könnte .und in Rücksicht ausipsAche die vornehme, judengehässige Aeußerung ihres Korrespondenten in nackter Lieblosigkeit erscheint. Diese Thatsachen sind: daß über Soldaten jüdischen Glaubens in Rußland — und es giebt deren, wie erwähnt, seit'W^Zäh^n^/- die Militairchefs sich nie beklagten noch jetzt beklagen, im Gegentheile wird oft genug ihre Gelehrigkeit, Nüchternheit und Ausdauer gerühmt; und endlich, daß faktisch ein jüdischer Soldat, wenn er eingekleidet und vereidet ist/ nur höchst selten desertirt, wenigstens weiß man/sich nur höchst'selten eines solchen Beispiels zu erinnern. Man -hat hier Gelegenheit gehabt, hohe Militairs' von der kaukasischen Armee über die Juden zu-befragen, von welchen einige Hundert in dem blutigen Kampfe gegen die Bergvölker dienen, und sie sagten es offen, daß es nur höchst selten sei, daß ein jüdischer Soldat wegen Unarten bestraft wird. Aber auch von der Desertion beim Herannahen der Aushebung, die freilich wahr ist und auch diesmal in Warschau oder vielmehr an der polnischen Grenze stattgefunden, ist nicht der Schluß zu ziehen, den der erwähnte menschenfreundliche Korrespondent daraus zieht. Die Militairpflicht der Juden in Rußland lastet, abweichend von den Einrichtungen in andern Staaten, aus den Individuen und den Gemeinden, und nach einem frühern Ukas, der mit ungemeiner Strenge gehandhabt wird, hat die betreffende Gemeinde für ihre Deserteurs einzustehen und,' wenn sie darum gewußt, außer andern Strafen'noch für je einen Deserteur zwei Soldaten zu stellen. Daher hat auch jede der 1007 konstituirten Judengemeinden oder Kahels Rußlands ein jüdisches Komitö, das im Einverständnisse mit der Regierung für die gesetzliche Zahl der jüdischen Soldaten sorgt. Was schadet es dem Kaiser.und was nützt es der Gesammtheit der Juden, wenn Individuen vor der Konskription desertiren?" L-\ „Derselbe Korrespondent von her polniHen Grenze zieht meine Mittheilung, daß bereits gegen 10,000 Juden im russischen Militairdienste stehen, in Zweifel, ohne etwas zur Begründung des Zweifels beibringenzu können; ich will ihn also zur Bewahrheitung meiner Behauptung auf die in jedem Buche über Rußland angegebene Statistik verweisen, und er wird sich überzeugen, daß nicht einmal-die jüdischen Strafsoldaten, d. h. solche^ die wegen Defraudationen, leichter Verbrechen oder dergleichen unters Militair gesteckt wurden, mitgerechnet wurden. Gewiß wird, jener Korrespondent es überraschend finden, wenn ich ihm erzähle-, daß auf der russischen Ostseeflotte gegen ,4000 jüdische Matrosen sind, die ihre eignen jüdischen Geistlichen haben, die über ihre Religiosität und moralische Aufführung Aufsicht führen und wenn der Dienst es zuläßt, -nach einem Kommando jeden Sabbat Gottesdienst abhalten. Dasselbe ist auch-der Fall auf der Flotte des schwarzen Meeres, wo sie ebenfalls, wenn es angeht, ihren besondern Gottesdienst abhalten. Der Korrespondent wird es vielleicht ganz unglaublich finden,

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