Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1843)
- Date
- 1843-04-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
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201 gern Herrn Bürgermeisters auf mündlichem Wege mitgetheilt werden, zu-welchem Behufe Ersterer vorbeschieden war. Allein der Herr Rabbiner ließ sich wegen seines hohen Alters — er zählt bereits über 88 Jahre — entschuldigen, nicht, persönlich erscheinen zu können, und so wurde die schriftliche Mittheilung, durch das Organ des Hochlöbl. Sanitätsamts, beliebt. Dieselbe lautet': „Wurde unter 9 anher registrirt Hochverehrlicher „Rathschluß vom 2. l. Mts., Vorstellung des „Rabbiners der hiesigen israelitischen Gemeinde „Salomon Abraham Trier, Beschneidung der „israelit. Knaben betreffend, und wurde be- „schloffen: Es ist in Gemäßheit Hochverehrlichen Rathschlusses vom 2. März l. I. dem Petenten, nunmehr mittelst Protokollauszug zu eröffnen, daß bei der sraglichen Verordnung keineswegs die Absicht gewesen sei, ein Religionsgesetz der Juden abzuschaffen. Zur Beglaubigung Gerlach, Akt. Preußen. "Bonn, 3. März. (Privatmitth.) Es ist eine Zeit, wo das sogenannte. „Vertuschen" nicht mehr angemessen ist. Es ist eine Zeit, wo wir Freund und Feind kennen müssen, , um ihm recht und würdig zu begegnen. Es ist darum, daß ich das Folgende Ihrem Blatte übergebe. Herr Prof. Dahlmann hat, wie es sich wohl erwarten ließ, in seinem Kollegium über Politik der unbedingten Glaubensfreiheit, sofern dieselbe nur nicht staatsgefahrlich ist"), das Wort gesprochen. Ja'selbst gegen Sekten, deren Religions-Grundsätze dem Prinzips .des Staates zuwider sind, z. B. Quäker, St. Simonisten, sprach er den Satz aus: „Duldung gegen sie, wird dem . Staate immer Lohn bringen," Um so schmerzlicher mußte es jeden menschlich Fühlenden ergreifen, als . er sich in-Betreff der Juden folgendermaßen ausließ: „Wie ist es mit den Ju- *) Hat er diese Klausel näher besinnt? denn wie kann sie hinwiederum als ein Hinterpförtchen aller Intoleranz geöffnet stehen!? Redakt. den im Staate zu halten? Wenn derStaaj die Aufgabe sich ersparen kann, so ist das am besten, wie in Spanien, wo man den Knoten zerhauen und alle wegjagte. In Norwegen dürfen nach der neuesten Gesetzgebung sich keine aufhalten, in Portugal erst jeHt wieder unter beschränkten Verhältnissen. Unter allem Drucke haben sich die Israeliten sehr zu vermehren gewüßt. Gegenwärtig will man ihre Zahl auf acht Millionen setzen; in Polen 4- Million, in Preußen 200,090. Die Vermehrung ist bei ihnen viel starker — I|- 4. Der Gegenstand beruht auf großen Schwierigkeiten, nicht durch ihren Glauben, sondern durch ihre Nationalität. Der erstere könnte als verwandt betrachtet werden, wir wollen ihn nicht stören, aber ihre Aufnahme in Staatsgeschäfte ist nicht leicht zu. gestatten, weil ihre Feiertage, die christlichen hinzugerechnet 5 des Jahres in Anspruch nehmen. Hiezu kommen ihre Nationalität, die Gleichgiltigkeit gegen die unsrige, die der Mehrzahl abgehende Standesehre, ihr Widerwillen gegen Ackerbau, gegen thätige Handwerke, ihre Liebe zum Schacher, die Abneigung der christlichen Bevölkerung unter einem jüdischen Richter zu stehen, einen jüdischen Offizier über sich zu haben.. Gleichwol darf es bedauert werden,' daß in Preußen die Liebe zur Freiheit nach dem Freiheitskriege, wo sich Viele von ihnen freiwillig unter die Fahnen stellten, so sehr zurück geblieben. Damals war jener Widerwillen überwunden, und man hätte jene, welche den Dienst der Ehre leisteten aufnehmen sollen, aber nicht unbedingt und die Schacherjuden stets unter Aufsicht halten."*) *) Man muß gestehen, daß man von einem Manne wie Dahlmann wohl etwas Gründlicheres hätte erwarten sollen, als solch' Tagesgeschwätz. Wer feine Ansichten als Resultate ernster Forschung der Jugend unmittelbar übergiebt, sollte wohl sich ein Gewissen machen, ihr dergleichen fades Zeug einzupflanzen. Es ist die kleinste Kunst, allgemeine theoretische Satze, die wohlklingen, aufzustellen, und im einzelnen Falle, wo es gilt, Herz und Hand; sie zu bethatigen, zu haben, Ausnahmen zu gestatten. Und nun welch' ein Durcheinander, welche Widersprüche! Den Juden frischweg Gleichgültigkeit gegen die deutsche Nationalität insinuiren, und gleich darauf einen Fall anführen, wo sie (schon vor dreißig Jahren), sich als begeistert für sie erwiesen! Und welche Ungründlichkeit — die Abneigung des Volkes, unter einem jüdischen Richter, zu stehen, hervorholen, ,und doch giebt es kaum 13 *