Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1843)
- Date
- 1843-04-01
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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197 Toleranz macht alle weitläufigen Bestimmungen überflüssig. Daß sie, die bald zweitausend Jahre hindurch von den Christen auf das Unbarmherzigste verfolgten und immer noch existirenden Juden, mißtrauisch sind gegen jedes christliche Gesetz, welches ihre Verhältnisse regeln soll, ist ganz natürlich. Ihr Mißtrauen erscheint begründet durch die Geschichte, und was will man ihnen denn entgegenstellen, wenn sie sagen: Zu gleicher Zeit mit der linken Hand Geld, viel Geld geben zu unsrer Vertilgung und mit der Rechten aufrichtig zu unseren Gunsten schreiben, das scheint uns. unverträglich. Die Vereine zur Vertilgung des Judenthums in unsrer Mitte sind vom Nebel. Das Eindringen und aufsichtslose Wirken fremder Missionäre in unserm Staate ist ein Mißbrauch, und das beste Mittel der Bekehrung bleibt alle Zeit, wir üben reiche Liebe aus gegen unsere Nächsten, selbst wenn sie Juden sind. Wir führen einen Wandel vor ihrem Angesichte, der sie zur Achtung unsres Glaubens zwingt. Wir ehren ihre Ueberzeugung, lassen-ab von aller Zudringlichkeit und gestehen ein, daß es verhältnißmäßig eben so viel rechtliche Juden als rechtliche Christen gebe. Kaum sollte man es meinen, auch das neunzehnte Jahrhundert bedarf der kräftigsten Ermahnung, tolerant zu sein gegen die Juden und abzulassen von den lieblosen Vorurtheilen unserer Väter!"- Sehen Sie, Herr Hoffman», Herr Hermes, .Herr Brauer, Herr Koch — und Konsorten, das nenn' ich einfach gesprochen, einfach, klar und wahr. Mögen doch unsre Feinde auch die Bemerkung wahruehmen, daß die Vertheidigung der Emanzipation der Juden stets so einfach, so deutlich, so logisch geführt werden kann, hingegen die Gegner stets nur durch die widerlichste Verdrehung, durch eine heillose Verwirrung zu i'hrcm Ziele gelangen^ können. Dort müssen sie nach den Pyramiden Aegypten's eilen, dort nach den verjährtesten Vorurtheilen greifen — — doch wir wollten ja heute nicht selbst spreche; wir wollten noch einen andern Mann, ein tüchtiges .Rüstzeug der Wahrheit reden lassen: es ist Steinheim. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Palästina. Frankfurt a. M., 17. Febr. (Eingesandt. Schluß.) Als ich daher im vorigen Herbste von hie-' sigen Freunden und Anhängern des Hrn. Lehren angegangen wurde, mich auf ihre Kosten'nach Amsterdam zu begeben, um, nach genommener Einsicht an Ort und Stelle, Bericht zu erstatten und zur Beruhigung des Publikums beizutragen, schlug ich vor Allem folgende zwei Präliminarpunkte als unerläßlich zu einer Verständigung vor: I. Zur Kontrollirung der Cinnahmen: a) öffentliche Rechnungsablage, und II. zur Begutachtung der Bertheilung und sonstigen Verwendung: a) Vorlegung der vollständigen Korrespondenz mit Palästina, und b) Kontrollirung der Vollständigkeit derselben durch Vorlegung der Kopirbücher des Komite's — denn eine oligarchische Heimlichkeit über die das Publikum angehende und für dasselbe geführte Korrespondenz wird doch wohl hoffentlich das Komit« im freien Holland nicht ansprechen wollen, wo selbst der Jsisschleier diplomatischer Verhandlungen vox den' Augen der Generalstaaten fallen muß!! Diese Präliminarien wurden verworfen, die von August — Oktober betriebenen Unterhandlungen zerschlugen sich und die Sache kam vor das Forum der Oeffentlichkeit. Ich bin noch immer der unerschütterlichen Meinung, daß ohne die Erfüllung dieser beiden Forderungen das rege gewordene Mißtrauen im Publikum nicht zu beschwichtigen ist, und daß dieses zur Einsichtnahme in die Rechnungen und Korrespondenzen ganz ebenso berechtigt ist, als Hr. Lehren und seine Genossenschaft. Binnen Kurzem hoffe ich in den Stand gesetzt zu sein, über das Verfahren des Hrn. L. in Asien und Europa noch weitere Aufschlüsse geben und die in meinen Händen befindlichen, mitunter sehr merkwürdigen Dokumente —nicht Aussagen des Hrn. A. Selig — zur Publizität bringen zu können. Mögen die Verblendeten und Irregeleiteten endlich zur Einsicht gelangen, die, welche aus einem, wohl verzeihlichen, aber für sehr viele Unglückliche und Bedrückte höchst verderblichen Vorurtheile, oder auch aus bloßer kindischen Rechthaberei und eitler Sucht zur Konsequenz in der einmal kundgegebenen Ansicht auf falschem Wege Beharrenden sich endlich,