Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1843)
- Date
- 1843-04-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
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196 ' „Da wir jedoch einmal die neuesten Gesetze in Erwägung zogen, so wolle man dem Verfasser nicht zürnen, wenn er noch einen Gegenstand hier vorftthrt, der in diesen Tagen überall erörtert wird. Das ist die Judenfrage. Die christliche Religion ist aus der jüdischen hervorgegangen, und der Stifter unsrer Kirche war ein Jude, das bleibt unbestritten, so widrig es auch Manchem in die Ohren klingen mag. Auch das ist ganz gewiß, daß dem, welcher Jesu Lehre verstehen und seinen Endzweck bei Stiftung des Reiches Gottes auf Erden begreifen will, eine genaue Kenntniß der vorchristlichen Zeit nicht erlassen werden kann. Und wahrlich, nicht undankbar ist das Geschäft, nach dem zu fragen, was Gott vor Zeiten durch den Mund der Propheten zu den Vätern gesprochen hat. Vor allem tritt uns da, als ein unaussprechlich ehrwürdiges Bild, das des Abraham entgegen. Er führte die Seinen zur Verehrung des Einen, höchsten Gottes, er bauete dem Einen Gott Altäre zu einer Zeit, wo alle übrigen Bewohner des Erdballs noch im heidnischen, krassesten Götzendienste befangen waren. W i e Gott zu ihm gesprochen hat, das weiß ich nicht; ich halte mich an die Thatsache, daß zu einer Zeit, wo überall Finsterniß herrschte, in seinem Geiste ein Heller Strahl des Lichtes angetröffen ward. Ich leugne es nicht, mit derselben Ehrerbietung, wie cs nur vom frömmsten Juden geschehen wag, kann auch'ich die Worte sagen: Vater Abraham. Auch Moses' Verdienste um sein Volk sind mir ein ehrenwerther Gegenstand. Muß er doch einen tiefen Blick gethan haben in's menschliche Herz und in's menschliche Leben, dieser Moses, daß er Gesetze geben konnte, welche noch heute jedem zivilisirten Staate zur Grundlage dienen. Und die Geschichte des ganzen Volk's, ist sie nicht ein treues Abbild der Geschichte der Menschheit? Abfall von Gott ist Abfall vom Glücke, und in diesem seinem Unglücke, welche rührende Klagen edler Gemüther werden im Volke Israel nicht laut! Wenn ich das hier Gesagte erwäge, und der Leute gedenke, die nur allzugern im Alten Testamente das Vorbild des Neuen Testamentes finden, und die keine einzige der, von frommen Juden reits die folgende Stelle zur Abschrift gegeben) mit einem Exempl. feines Werkes. Wir erlauben uns aus seinem Begleitschreiben die Endworte herzustellen: „Gold und Silber habe ich leider nicht darzubringen,, ich gebe für Ihre Sache was ich habe: ein freimüthigeS Wort und ein Herz voll Liebe!" Redakr. über den Messias ausgesprochenen, Weissagungen fallen lassen mögen, so bleibt mir unerklärbar, wie eben diese Menschen mit solchem bittern Hasse das Judenthum verfolgen können. Es ruht keine größere Schande >uf der Christenheit, als ihr, durch alle Jahrhunderte hindurch bewiesenes, empörendes Verhalten gegen die Juden. Man nenne mir Ein Volk Europa's, man neune mir ein Sekulum, wo nicht die unsinnigste Judenverfolgung stattgefunden hätte! Bald sollen sie Kinder geschlachtet, bald Brunnen vergiftet, bald Landplagen herbeigeführt haben. Ja, es bestehen Briefe von deutschen Fürsten an deutsche Reichsstädte geschrieben, wo Jene Diese freundnachbarlichst ersuchen, alle Juden zu ersäufen oder zu verbrennen. Auch du, mein theures Vaterland, trägst diesen Flecken an Dir. Noch der Zweite Deiner Könige zwang seine jüdischen Unterthanen mit ungeheurem Spotte, das Schwarzwild seiner Jagden zu erstehen, und selbst der königliche Weise, den die Geschichte den Einzigen benannte, versagte einem der größten Philosophen unter seinen ZM genossen den erbetenen Schutz und Bürgerbrief, weil er ein Jude war. Wir stehen höher, aber haben wir das Ziel erreicht? Leider nicht. Noch huldigen Viele von uns dem Vorurtheile. Wir stoßen die Juden aus, aus unseren geselligen Kreisen, und wundern uns, daß sie nicht vollständig unsere Sprache und unsere Sitten annehmen. Wir nehmen keinen Anstoß daran, daß Emigranten, Refttgiös und Salzburger, die vor hundert Jahren zu uns kamen, bei uns bleiben, und wundern uns, und schreien laut darüber, daß die Juden, die seit tausend Jahren bei uns eingebürgert waren, nicht nach Palästina wollen. Wir verspotten sie Ln unseren Schriften, und selbst achtbare Autoren, und die tüchtigsten Redakteure tragen kein Bedenken, den Judenjüngling und das Jndenfräulein lächerlich zu machen, und die gemeinsten Anekdoten immer wieder aufzufrischen. Sie dulden und tragen Alles, denn daran sind sie gewöhnt. Wir aber fühlen nicht, wie klein wir als . die herrschende Partei gegen die Unterdrückten handeln. Viele von ihnen haben so tapfer ge-" fochten im Heere, und man will ihnen die Ehre streitig machen, gleich allen anderen Söhnen des Vaterlandes militärpflichtig zu sein? Viele von ihnen haben die trefflichsten Bürgertugenden entwickelt, und man will sie einpferchen in eine besondere. Korporation? Ja, das ist meine volle Ueberzeugung: Ein Fürst könnte sich nicht höher ehren, als wenn er spräche: Ihr seid völlig frei. Besonderer Gesetze bedarf es nicht, oder gewiß , nur sehr kurzer. Der Grundsatz der uneingeschränkten