Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1843)
- Date
- 1843-04-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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195 Judm! Habe» Sie doch die Güte,, mir zu sagen, wo und. wie sie existiren? Ich weiß von ihnen nichts, und glaubedas Volk kennt sie auch nicht, und wenn sie existiren sollten, und man wollte fragen, was es denn eigentlich sei, wovor man sich fürchtet, so würde man sicherlich wissen es zu sagen. Allerdings gewisse Klassen wissen, wovor sie sich fürchten; diese sind aber nicht das Volk. Es geht, aber hier, wie bei vielen andern Dingen: man hat etwas Halbes gemacht, und erwartet nun etwas Ganzes. Wenn man Frankreich als Beleg angeführt hat, daß die Juden nicht auf der Stufe stünden, um sie zu emanzipiren, sü ist hierüber schon Genügendes entgegnet; dagegen gestatte ich mir, Holland anzuführen, wo das Zeugniß der in den höchsten Aemtern Angestellten für sie spricht. Sie haben dort in der Armee gedient, und. sind dazu vollkommen befähigt gewesen, sie haben dort die höchsten Staatsämter bekleidet und überall gezeigt, daß sie würdig sind, der Nation anzugehören. Freilich bei uns mangelt eine solche Erfahrung; aber haben Sie die Gelegenheit gegeben, haben Sie ihnen die Bahn eröffnet,» Staatsämter zu erlangen, haben Sie ihnen Gelegenheit gegeben, Theil zu nehmen an Verhandlungen über öffentliche Angelegenheiten? Aber gebrauchen wollen Sie sie. Sie können Theil an den Vereinen für Wohlthätigkeit nehmen, man verleihet ihnen Titel und Namen von Seiten der Regierung, man nimmt mit Vergnügen ihr Geld, aber die Ehrenrechte will man ihnen nicht geben, das Recht, ihren Lebenserwerb zu suchen, wo sie ihn finden können, sollen sie nicht haben! Eine eigenthümliche Zusammenstellung! Daß die Einwohner der Städte Dresden und Leipzig sich beschwert fühlen, allein die Juden in ihren Mauern zu beherbergen, ist eine. Sache, die 'm dem Augenblick nicht vorliegt. Ich verlange nicht, daß sie in Dresden und Leipzig blei- . den sollen; ich habe mich immer dafür ausgesprochen, daß man. sie emanzipire. Man lasse sie. dahin ziehen, wo sie Erwerb finden. Man wünscht, sie nach und nach zu vervollkommnen. Ja wohl, sie sollen schwimmen lernen, aber nicht in das Wasser gehen. Ferner sollen sie noch erst paffende Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft werden, ehe man sie aufnehwen will. Diese Ansicht wäre richtig, wenn sie nicht schon Mitglieder derselben wären. Sie sind schon Mitglieder unserer Gesellschaft, und es handelt sich nur darum, ihnen die Rechte der Gesellschaftsmitglieder klinznräumen, die ihnen gebühren, und sie nicht wie Parias zu behandeln. Es gehört das Recht, sich zu nähren und zu leben, zu den allgemeinen Menschenrechten, und wenn man ihnen dies streitig macht, so giebt es keinen andern Grund, als den. jenes Ministers auf die Vorstellung eines Bittenden, welcher behauptete, er könne nicht leben: „Mein Herr, ich sehe davon auch die Nothwendigkeit nicht ein." Man behauptet, es dürfe ihnen nicht Alles auf einmal gewährt werden, sondern nur Nach und nach. Was haben wir ihnen denn gewährt? Eigentlich Nichts! Denn wenn sie das nehmen wollen, was wir ihnen geboten haben, so haben wir dafür gesorgt, daß sie es nicht nehmen können; wir ziehen ein enges Eisengitter vor, damit sie nicht durchgreifen können, und nun wollen wir uns wundern, wenn eine Hand doch noch schmal genug sich zeigt, um durch das Gitter durchzugreifen. So ist unsere Gesetzgebung, und wahr ist es, leider sind von den Kammern selbst die Beschränkungen ausgegangen; ja man hat sich überboten, immer mehre Beschränkungen herbeiznziehen, bis das Gesetz so geworden ist, wie es leider sich darstellt. Man. gebe ihnen die Rechte, die ihnen gebühren, und sie werden sich solcher würdig zeigen. Es liegt weder in der Religion, noch in den jüdischen Sitten, daß sie nicht chrenhafte Mitglieder der menschlichen Gesellschaft sein könnten. Ich will darauf Verzicht leisten, irgend eine Vergleichung auzustellen, in wie vielen Fällen Christen und Juden einander gegenübergestellt werden könnten; aber das läßt sich nicht verkennen, daß Sie aus dem, was den Juden bis jetzt gegeben worden ist, keine Erfahrungen haben sammeln können; wir haben uns selbst die Gelegenheit benommen, Erfahrungen zu sammeln. (Fortsetzung folgt.) Magdeburg, den 18. März. Wir setzen heute die kräftigen Worte zweier tüchtiger Männer' zusammen. — Viele unsrer Leser haben wohl von dem bittern Streite gehört, den ein gewisser G. v. C. gegen den evangel. Bischof Dräfeke durch eine kleine, tief einschneidende Schrift erhob. Dieser G. v. C. ist der evang. Pastor König in Anderbeck bei Halberstadt. Derselbe hat so eben eine Schrift über die neuesten kirchlichen Verhältnisse in Preußen in Braunschweig bei Vieweg erscheinen lassen, in welcher er auch Gelegenheit nimmt, über die preuß. Judenfrage zu spreche». Ein Jeder wird sich freuen, diesen, alle Schwächen schonungslos aufdeckeyden Mann folgendermaßen sprechen zu hören: *) ' *) Herr Past. König beehrte uns (nachdem wir be-