Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1843)
- Date
- 1843-03-25
- Page
- Seite 189 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225294--05101-3235733- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
189 Nicht nur daß die Israeliten allen gewöhnlichen Lasten der Kontribuenten unterliegen, nicht nur daß sie in -gleichen Antheilen mit allen übrigen Landesbewohnern zu allen Steuern und Abgaben beitragen, unterliegen sie auch noch besondern Lasten, deren sie sich in ihrer Stellung nicht entzichen können. — Mächtig wirkt auch auf sie die vorschreitende Kultur, und die Errichtung von,kostspieligen Unterrichtsschulen für die zweckmäßige Erziehung ihrer Jugend ist ihnen ein dringendes Bedürfniß geworden. Die sanften Gefühle des menschlichen Wohlwollens, der guten Sitte, der Humanität sind ihnen nicht fremd, und allenthalben im Lande sieht man in der Mitte der Israeliten Wohlthätigkeitsanstalten für Erziehung und Verpflegung verwaister Kinder ihres Glaubens, für Verpflegung und Heilung ihrer kranken Glaubensbrüder,, für Unterstützung und Versorgung ihrer armen Wittwen und Nochleidenden, bestehen. — Durchdrungen von der Nützlichkeit der Gewerbe und Handwerke werden allenthalben die Gewerbsbeflissenen durch reichliche Unterstützungen aufgemuntert. — Alle diese Anstalten sind von jeder Fundation und von jedem fremden Beitrage bloßgestellt, werden bloß durch die kleine Anzahl der Bemittelten erhalten,-außerdem die namhaften Kosten zur Erhaltung der Bethäuser und der zum Ritus erforderlichen Individuen, alles bloß durch die eigenen Mittel der Israeliten ohne fremdes Hinzuthun. — Wenn nun hierzu noch in allergnädigste Erwägung genommen werden will, daß der Israelit heutiger Zeit nicht nur mit Beiträgen zu den bisher erwähnten in seiner Mitte bestehenden Anstalten in Anspruch genommen ist, sondern auch gerne und bereitwillig zu jedem Institut und gemeinnützigen Unternehmen auch außer seinem Kreise beiträgt, und sich nirgends ausschließt, wo es sich um die Beförderung eines guten und gemeinnützigen Zweckes handelt, wie es tatsächlich nachgewiesen werden kann, daß in der jetzigen Zeit Hierlandes besonders häufige Subskriptions-Listen für das Zustandekommen wohltätiger oder patriotischer -Unternehmungen, .oder zur Aufhülfe verunglückter Menschen, es sei im , Lande, , odet außer dem Lande, auch die Namen 'der Israeliten, und mit nicht geringen. Gaben erscheinen: so ist es unmöglich, daß die Israeliten ^Ungarns bei so vielen mannichsaltigen, , ihren Vermögensstand weit überschreitenden Anforderungen auch eine außergewöhnliche besondere Steuer bezahlen können. Euere Majestät! Ein Jahrhundert ist es gerade, daß diese Taxe in Ungarn eingeführt worden, ein Jahrhundert, daß die treugehorsamsten Israeliten unter dieser Last schwer auffeufzen, und so oft und wiederholt ihre gegründeten Klagen und Beschwerden zu dem erhabenen Throne Euerer Majestät gelangen ließen. Gnadenvoll und huldreich ist das neue Jahrhundert den treugehorsamsten Israeliten herangcbrochen. — Groß und wahrhaft väterlich ist das erhabene Wort Euerer Majestät, durch welches unsere Aufnahme zu Landeskindern anerkannt ist, und unbegrenzt ist dafür unser kindlich dankbares Gefühl; doch können wir uns nimmer der angediehenen allerhöchstväterlichen Gnade mit frohem Herzen erfreuen, in so lange nicht diese für uns schmachvolle und all unser besseres Streben fesselnde Steuer aus dem Leben schwindet, eine Steuer, die so sehr die Spuren mittelalterlicher Gesinnung an sich trägt; die ursprünglich ganz unter einer andern Bedeutung und unter ganz andern Verhältnissen, und keineswegs auf die späterhin ihr gegebenen Namen, Bedeutung und Dauer eingeführt worden. Die treugehorsamst gefertigten im Namen sämmtlicher Israeliten Ungarns Abgeordneten wagen daher fußfälligst, diese demüthigste Vorstellung Euerer Majestät zu Füßen, zu legen, und inständigst zu bitten: Euere Majestät geruhe, dieselben einer höchst väterlichen Erwägung zu würdigen, und mit dem Beginne dieses gnadenreichen Jahrhunderts das Werk der Gnade ganz zu vollenden, und die treugehorsamsten, Israeliten Ungarns von der sie schwer drückenden Last der Toleranztaxe, als welche sie noch immer als Fremdlinge und Geduldete bezeichnet, allergnadigst zu befreien, und den stets treugehorsamsten Israeliten Ungarns die Mitteln allergnädigst zu eröffnen und in's Leben zu rufen, durch welche sie ein für allemal von der Toleranztaxe sich, zu befreien im Stande wären, auf daß wir mit erleichterten Herzen es uns, unfern Kindern und späten Nachkommen sagen mögen, auch die spate Geschichte es noch aufbewahre: die Israeliten Ungarns haben ein ganzes Jahrhundert unter der schweren Last einer drückenden, besondern Steuer geseufzt, Kaiser Ferdinand der Gütige, unter dessen huldreichen Szepter alle Unterthanen sich höchst beglückt fühlten, und der schon 12"