Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1843)
- Date
- 1843-03-25
- Page
- Seite 179 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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179 Hrn. L. nicht zu kehren und seiner frühem Instruktion gemäß zu handeln hätte. Außerdem meine ich auch 6) daß Jemand zwar eine von ihm.ausgestellte Vollmacht zurücknehmen, nicht aber die von ihm abgelegten Zeugnisse und Bescheinigungen über Thatsachen und Verhältnisse willkürlich, weil sich die Umstände geändert hätten, hinterher für unwahr erklären könne, weil denn doch die Wahrheit sich nicht mit den Umständen ändert; daß aber 7) ein solcher Versuch, frühere feierliche Angaben und Behauptungen umzustoßen, nur dazu die Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit, ja, selbst die Freiwilligkeit des ganzen Zeugnisses im höchsten Grade zu verdächtigen, ein Verdacht, der durch die in dem Aktenstücke herrschende unwürdige und kriechende Sprache noch bestärkt . , wird und in dem wichtigen Umstande eine neue Bestätigung erhält, daß 8) der anmaßliche Lehren'sche Vakil, Jesaias Pinzker, bekanntlich einen schreienden Despotismus gegen die Israeliten in Jerusalem ausübt und dort bereits im Sommer v. I. an verschiedenen Personen körperliche Züchtigungen hat vollziehen! lassen (vergl. Allg. Zeit. d. Judenth. No. 44. 1842). 9) Halte ich aber das ganze Sendschreiben, insofern es hauptsächlich gegen Hrn. A. Selig und dessen Aussagen gerichtet ist, aus dem erheblichen Grunde für völlig werthlos und nichtsbedeutend, weil auch kein einziger der Klagepunkte auf der bloßen Aussage des Hrn. A. Selig beruht, dem, als einem völlig, unbekannten Manne, Niemand solche, wahrhaft an's Romanhafte streifende Dinge geglaubt haben würde. Das Schimpfen, Fluchen rc. auf Hrn. A. S. ist völlig zwecklos und unter gar keiner Voraussetzung in Stande, die aus ganz andern Quellen gestossen und vorzugsweise auf Thatsachen, die Hr. L. zu leugnen theils nicht vermochte, theils in seiner maßlosen Verblendung nicht für nöthig hielt, gegründeten Beschwerdepunkte zu entkräften. Sodann halte ich es auch 10) für ein wenig sinnlos, von Fragen zu behaupten, sie seien „unwahr-" da es in der Natur der Frage an und für sich liegt, die Wahrheit zu suchen, nicht aber eine Angabe zu behaupten. Kein vernunftbegabter Mensch wird von einer Frage sagen, sie sei wahr oder sie sei unwahr. Ferner halte ich auch 11) die S. 6—7 im Aus zu ge und ohne Unterschriften mitgetheilten Briefe, sowol der Form als dem Inhalte nach, für völlig nichtssagend, . sowie ich nicht minder 12) aus den obenangeführten Gründen die Beglaubigung der zwei deutschen Dajanim in Amsterdam, als der erforderlichen Eigenschaften eines legalen und glaubwürdigen Vidimats überall entbehrend, sodann die der zwei portug. Dajanim, weil sie inhaltlos, als leere Worte ohne alle Notariatskraft betrachten muß. Außerdem finde ich aber auch 13) die Erklärung, daß meine sieben Fragen „nicht wahr" seien, sehr absurd, und Sie, Herr Redakteur, finden sie ohne Zweifel ebenfalls nicht vernunftgemäß, weil auf den Inhalt der meisten derselben sich gar nicht logischerweise mit Ja oder Nein antworten läßt, abgesehen davon, daß die Jerusalemer hinsichtlich der mei- .. jicn der Fragen gar nicht in der Stellung sind, darauf antworten zu können — wie Sie sogleich beim Durchlesen finden werden. So habe ich z. B. gefragt (1), ob es wahr sei, daß Hr. L. versiegelte Briefe unter fremden Adressen von der Post an sich gebracht habe, eine Ehatsache, die Hr. L. nicht allein zu wiederholtenmalen eingestand, sondern auch durch die Vorzeigung und abschriftliche Mittheilung des eorxu8 delicti selbst, sogar unwiderleglich 'bewies. Können nun die zwölf Hierosolemitaner vom Orient aus erklären: „Dies ist nicht wahr!?" — Ich habe gefragt (3), ob die 1840 stattgehabte Einkerkerung des N. Abraham Salomo Salomon Sephardi in Jerusalem auf eine Denunziation hin von Seiten des Hrn. L. (oder seiner Agenten, denn.imas tna imbtö) erfolgt sei. Da diese Einkerkerung nicht allein von 87 Unterschriften, worunter die des Präsidenten des portug. Beth-Din, des Hrn. Jonas Moses Nabon, bescheinigt, sondern auch von Pinzker selbst in einem an Hrn.