Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1843)
- Date
- 1843-03-25
- Page
- Seite 176 (sequence 4)
- Language
- German
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176 sich auSzeichnet. Nach weinen Ansichten habe ich es sehr .bedauern muffen, daß Ln das Gesetz von 1838 so viele kleinliche Ausnahmen und Vorbehalte ausgenommen worden sind, zum Theil freilich erst von den Kammern selbst veranlaßt, so daß hier der seltene Fall vorgekommen ist, daß die Staatsregierung liberaler war, als die Stände." — Auf den Einwand, daß das Gesetz von 1838 noch zu jung wäre, um schon wieder daran zu ändern, bemerkt er: „Unbilligkeit und Ungerechtigkeit, die in einem Gesetze sich finden, entfernt man, nach meiner Ansicht nicht bald genug daraus, und als unbillig und ungerecht muß ich das bezeichnen, um dessen Aufhebung oder Veränderung die Juden bitten." — Auf die Bemerkung des Abg. Sornitz, daß der §. 33. der sächs. Verfassungsurkunde: „Die Mitglieder, der im Königreiche aufgenommenen christlichen Kirchengesellschaften genießen gleiche bürgerliche und politische Rechte. Alle andere Glaubensgenossen haben an den staatsbürgerlichen Rechten nur in der Maße einen Antheil, wie ihnen derselbe'vermöge besonderer Gesetze zukommt," zeige, daß die Juden niemals völlig emanzipirt. werden sollten : wird von den Abg. v. Gablenz, von Watzdorf, Tzschucke schlagend erwiedert. Hierauf trat das Mitglied der sächs. Kammer auf, welches schon 1837 mit äußerster Kraftanstrengnng. die Verbesserung der israelitischen Verhältnisse verfocht, und auch diesmal die Petition eingebracht, auch diesmal es an mühevollster Vertheidigung nicht fehlen ließ, Dr. von Mayer. Er ist zugleich derjenige, welcher die Frage am eigentlichsten ihrer Spezialität, der kleingeistigen Lokalisirung zu entkleiden, und auf den angemessnen Höhenpunkt zu erheben wußte. Er sagte: „Ich habe namentlich seit der Zeit, wo das Gesetz von 1838 berathen wurde, Manches und Vielerlei gelesen, was über die Emanzipation der Juden und über ihren Zustand in andern Ländern, sowol in praktischer, wie in historischer und philosophischer Beziehung geschrieben worden ist; aber ich biu dadurch in der That zu keiner andern Ueberzeugung gekommen, als zu der, welche ich schon am ersten Landtage ausgesprochen habe, nämlich daß die Frage über die Emanzipation der Juden eine Frage der Humanität, des Fortschrittes der Zivilisation und der allgemeinern politischbürgerlichen Freiheit ist." „Wenn dagegen diese Frage noch immer auf Kampf und Widerstand stößt und zu keiner befriedigenden Lösung gelangen kann, so ist das sehr natürlich; es steht ihr alles das entgegen, was verwandten Fragen auf andern Gebieten der: GesetzgebungSpölitik entgegensteht. Auch diese Frage der Humanität und des Fortschrittes ist nämlich in ewigem Zwiespalt mit Borurtheilen, Korporationsgeiste und Privilegien. Natürlich.lassen sich diese Dinge nicht so schnell beseitigen, es kostet Kampf, denn die Wahrheit und das Recht gehen nur aus Kampf hervor. Daran ist nicht zu zweifeln, daß diese Frage eine jener großen Fragen ist, welche die'Gegenwart bewegen, und daß sie mit den übrigen Fragen steigt und fällt. Es ist mit den übrigen Fragen der Zeit genau dasselbe Verh'ältiüß und dieser Zusammenhang aus der Geschichte zu erweisen. Sowie sich, abgesehen von ausländischen Zuständen, auch in Deutschland seit 1813 die andern Fragen der Freiheit und der Emanzipation geregt haben, sowie sie damals mit Versprechungen groß gezogen worden sind, und später wieder Rückschritte eintraten; sowie mit dem Jahre 1830 die Erwartungen der Völker auf's Neue sich steigerten, um später wieder herabzufinken, so ist es auch mit der Judenfrage gegangen. ist das ein Gegenstand, dessen erwähn,;eH/rwandtschaft selbst seine eifrigsten Gegner nicht verkennest-Hüch: Bruno Bauer nicht, der kürzlich darüber eine izeistr-eiche-' philosophische Abhandlung geschrieben Hat. Wenn aber er und manche andere Gegner der Judenemauziparion, obwol sie nicht leugnen, daß diese in engem Zusammenhänge mit den übrigen Fragen der Gegenwart stehe, zu ganz anderen Resultaten ihrer Untersuchungen gelangen, so liegt das darin, daß sie meinen, die Emanzipation müsse erst bei den Christen anfangen; denn auch diese seien religiös, bürgerlich und politisch noch nicht emanzipirt. Mag diese Meinung geistreich durchgeführt worden sein, neu ist sie nicht, denn schon auf dem Landtage 18^H haben wir sie in dieser Kammer aufstellen und mit Gründen verfechten hören, die auch nicht anders klangen, und doch hat die Kammer daraus keine Veranlassung genommen, von der Bahn des Fortschritts abzugehe». Es ist allerdings die Frage, ob man gleich Alles an Alles setzen müsse, oder sich mit dem begnügen dürfe, was die Gegenwart gewähren kann. Ich bin seit jener Zeit zehn Jahre älter geworden, und habe zwar meine Grundsätze nicht verändert, aber doch manche Erfahrung gemacht; insbesondere bin ich belehrt worden, daß sich nicht Alles so schnell durchführen läßt, als man glaubt, und daß es in den Verhältnissen der Staatsverwaltung, vielleicht auch in der nöthigen Schonung mancher Zustände Gründe geben kann, warum man in solchen Beziehungen nur langsam vorwärts geht. So ist es denn auch hier, wo eine Petition der hiesigen Juden vorliegt, die ich nur