Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1843)
- Date
- 1843-03-25
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Sie verdienen bürgerliche Erhebung wie irgend eine bisher K^ränkte MenscheuklaM SiMsie M LhLeck reHwZ> sM'ZWiüujrMM ujM PrMiHu sp j borMrt^ Gdwtß m cht. Ihr Kultus, ihre religiöse Theorie und Praxis arbeitet sich gerade am meisten mit dem Geiste wahrer Civilisation durch, und die Bewegung, die sich hierin kund that und thut, sucht am meisten im Allgemeinen die beiden Extreme der feigen Nachgiebigkeit und des starren Stabilismus zu vermeiden. Was ist es aber denn doch, daß alles Bestreben nicht zum Ziele kommen , und die bürgerliche Berechtigung nicht gedeihen will? Wie gesagt, wir deutschen Juden stehen denen in den Ländern, wo die Emanzipation durchgeführt und mit den schönsten Früchten belohnt worden, in Nichts nach; Frankreich und Holland haben es nicht einmal, haben wiederholt erklärt"), wie zufriedenstellend die Erfolge der Gleichstellung gewesen, folglich müssen wir die Gründe jener Erscheinung in dem Wesen und den Zuständen Deutschland's selbst suchen. Und wir? brauchen wir uns nur da zu fragen: was Anderes ist denn überhaupt in Deutschland bereits zum Durchbruch und zur vollendeten Gestaltung gekommen? Wir haben hier keine politische Vorlesung zu halten, wir .wollen gar nicht über das, was in neuester Zeit in der Gesellschaft gefordert und bestritten worden ist, ein Urtheil fälleü : aber gewiß ist es wenigstens, daß in unserm herrlichen, mit der Fülle der Kräfte ausgerüsteten Vaterlande kein einziges neueres soziales Moment siegreich zurückgewiesen oder siegreich durchgeführt worden, und daß Alles einem beständigen Schwanken hingegeben ist. Nicht das ständische Wesen, nicht die Oeffentlichkeit der Justiz, nicht das Preßwesen ff. ff. sind zu irgend einem sichern Fiele gekommen: wie könnten wir es vom Judenwesen erwarten? -Und nun kein Wort weiter über die Gründe dieser Erscheinung, wir wollten nur dem etwaigen Vorwurfe, daß doch am Ende die deutschen Juden selbst daran Schuld seien, entgegentreten, und dazu genügt das Vorbcmerkte. *) Es ist merkwürdig, wie man in der Judensache einerseits kurz von Gedächtniß ist, so daß die bekanntesten Dinge denen, die darüber zu sprechen sich berufen fühlen, unbekannt sind, andrerseits aber dennoch ein Urtheil kurz und gut zu fällen ein Jeder sich erdreistet. Es ist, als ob der Haß und das Vorurtheil alles Gerechtigkeitsgefühl und alle Logik verdrängen. Und so wollen wir hier noch' einmal nur an die Briefe der holländischen Minister, die wir in No. 35 vor. Jahres mitzutheilen so glücklich waren, erinnern. . Wir haben bereits über die Petition und das DeputatioysgutqchM ausführlich hevichtst,, uM gch.e», nmch auf eine^ gMalMeMlatLon über die Berhtuchluugem selH H» *), Es war in der siebenünddreißi^sten öffentlichen Sitzung, am 22. Februar, wo die Petition auf der Tagesordnung stand. Der Referent v. Gab lenz trägt zuerst die beiden Petitionen von verschiedenen Handwerksinnunzen und von der Handelsinnuug in Dresden gegen die Juden vor, welche beide sich lediglich auf die Kürze der Zeit, die seit der Promulgation des Gesetzes verlaufen, berufen, alsdann das Deputationsgutachten (s. Nr. 9 und 10). Die allgemeinen Debatten werden eröffnet, und zuerst ergriff das Wort der freisinnige von Watzdorf, der ohne Rückhalt erklärte: „Es ist gewiß eine würdige Aufgabe der gesetzgebenden Gewalten, wahr und redlich die volle Emanzipation der Juden vorzubereiten, und sie namentlich in moralischer Beziehung zu heben. Ich würde es daher auch nur als ein Zeichen eines erfreulichen Fortschritts betrachten, wenn mir die Genugthuung zu Theil würde, einen Israeliten als Kollegen Ln dieser Versammlung begrüßen zu können. Ich hätte gewünscht, daß sich die geehrte Deputation in allen Punkten günstig für dasselbe ausgesprochen hätte. Da dies jedoch nicht durchgängig der Fall ist, so kann ich auch für das Deputionsgutachten nur insoweit stimmen, als es die Wünsche der israelitischen Gemeinde bevorwortet, und behalte mir vor, im Laufe der speciellen Berathung einige Aenderungsanträge zu stellen, welche den Zweck haben, da, wo die Deputation sich gegen die Bitten der Israeliten ausgesprochen hat, dieselben in den vorigen Stand wieder einzusetzeu." Ihm gegenüber beschwört der Abg. Meisel die Kammer „Machen Sie einen gerechten Gebrauch von Ihrer Gewalt, bewilligen Sie Jedem das Seine, nehmen'Sie nicht dem Einen Alles, um es dem Andern zu geben." Ja, er fleht die Kammer im Namen seiner christlichen Mitbürger um Gehör an: „Huldigen Sie nicht blos dem Idealen; bedenken Sie, daß der praktische Gesichtspunkt Berücksichtigung fordert und verdient." Und welcher ist dieser praktische Gesichtspunkt? Herr Meisel fährt selbst fort: „Weit entfernt behaupten zu wollen, als hätte die jüdische Gemeinde im Allgemeinen von den ihr gestatteten Freiheiten bis jetzt Mißbrauch gemacht, da ich ihr im Ge- *) Zu Grunde liegen die „Mittheilungen über, die Verhandlungen des Landtags."