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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-03-18 · Heft 11 (18.3.1843) · p. Seite 162

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 11 (18.3.1843)
Date
1843-03-18
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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162 und konnte daher wohl schwerlich zu weiterer Berücksichtigung auffordern. Ich ergreife daher nur noch die Gelegenheit, den Gemeinden, die mich mit jenem Vertrauen beehrten, meinen innigen Dank zu bezeugen. Es sind darunter solche, die sich zu den größten des Vaterlandes zahlen, die höchst befähigte Männer in ihrem Schoße besitzen; und so kann dies nur zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens gehören. Dr. Ludwig Philippson, Rabb. Deutschland. Aus dem Zlassauischen, 25. Februar. (Privatmitth.) Zu Allendorf, Her-oglich Nassauischen Amts Nastätten, wo nur einige jüdische Familien wohnen, lag ein alter Mann an einem Freitag Nachmittag in den Todeszügen. Da wurden herkömmlicher Weise mehrere.Israeliten aus einem benachbarten Dorfe herbeigerufen, um die üblichen Seelengebete rc. bei dem Sterbenden zu verrichten. Die herbeigekommenen Landleute liefen mit Hast .in das Krankenzimmer, wo sich inzwischen mehrere christliche Nachbaren zu den Anverwandten des Sterbenden versammelt hatten, jagen alle Anwesende aus dem Zimmer und — als einige Augenblicke darauf der längst mit dem Tode ringende Kranke seine Seele ausgehaucht hatte, laufen die Landleute mit gleicher Hast und Rohheit wieder hinweg, um wahrscheinlich noch zeitlich zum sabbatlichen Abendtisch nach Hause zu kommen. — Was Wunder, daß die christlichen Einwohner dieses in Mitten des Taunusgebirges liegenden Dörfchens bei so taktlosem Benehmen, ihren eingesogenen Vorurtheilen gegen die jüdischen Religionsgebräuche williges Gehör gaben und die unglaublichsten Gerüchte verbreiteten, so daß bald darauf der ganze Hergang von der Herzoglichen Kriminalbehörde mußte in Untersuchung genommen werden. Es versteht sich von selbst, .daß dadurch jene christlichen Verdächtigungen am sichersten beseitiget wurden. Auch habe ich bei einem deßfallsigen Gutachten darauf hingewieftn, wie es nach der jüd. Kasuistik verboten sei, „selbst die Lagerstätte eines Sterbenden zu berühren; denn es möchte dadurch dessen Tod, wenn auch nur einen Augenblick früher, erfolgen^ u. dgl. m. — Dessen ungeachtet verschmähte es-ein unberufener Korrespondent des Frankfurter-Journals nicht, jetzt, da die Grundlosigkeit jenes falschen Gerüchtes offiziell bewiesen war, dasselbe dennoch durch folgenden Artikel in der Beilage- No. 18. des Frankfurter Journals zu verbreiten. - „Im Amte Nastätten ist jetzt eineeigentbümliche „gerichtliche Untersuchung im Gange. Die Verwand- „ten eines verstorbenen Juden sind angeklagt, den- „selben, als er sich herausnehmen wollte, am Sab- „bat zu sterben, vor dessen Antritt, mit einem schwe- „ren Stein auf der Brust beladen, ja zuletzt noch „erwürgt zu haben. Wieder eine Erscheinung, wie „wohlthatig Regierungen und Privaten,die Bestre- „bungen desjenigen Theils der Juden zu fördern su- „chen, der seinen biblischen Glauben mit einer aufgeklärten Nationalbildung in Einklang zu bringen „sucht." Die nach solchen Mittheilungen — besonders wenn sie Juden betreffen — gierige Dorfzeitung beeilte sich, diesen falschen Korrespondenz-Artikel in jene untere Stände zu verpflanzen, wo dergleichen Vorurtheile gegen Juden gerade am gangbarsten sind. — Da fand ich es für nöthig, folgende „Berichtigung" in das Frankfurter Journal. einzurücken und theile dieselbe auch einer löbl. Redaktion der „allgem. Zeitung des Judenthums" zur Kenntnißnahme mit. „Schon damals, als in Ihrem Journale, Bei- „lage No. 18 d. I. eine Mittheilung aus demHer- „zogl. Amte Nastätten — einen jüd. Sterbfall betreffend — gestanden hat, hatte ich dieselbe leicht „widerlegen können, wenn ich nicht das viele Gerede „über solche unerquickliche Dinge gescheuet hatte, Da „indeß dieser Korrespondenzartikel auch von der — „besonders auf dem Lande — sehr verbreiteten Dorf- „zeitung mit dem dieser Unglücksritterie *) eigenthüm- „lichen Zusätze „„und einige Finger um den Hals"" „nachgeschrieben wurde, so lege ich hiermit dem leasenden Publikum zur Widerlegung des' falschen Ge- *) „Es ist merkwürdig, daß so manche unsrer Deut- „schen freisinnig sein wollenden Journalisten in Betreff „der Juden alle Vernunft und. Billigkeit außer Augen „lassen. Man beobachte nur das Benehmen der all -ge- ,,meinen Augsburgerin, so oft sie über jüdische Ange- „legenheiten referirt!!"

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