Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1843)
- Date
- 1843-03-11
- Page
- Seite 153 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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153 Die Anwesenheit der in den Berichten genannten beiden hochgestellten Männer war für uns Israeliten um so erhebender, als deren humane Gesinnungen gegen unser Volk von keiner einflußreichen Celebrität irgend eines andern Staates übertroffen wird. Herr Direktor Keller, dessen pädagogisches Wirken als Seminardirektor sowohl als dessen hohe politische Stellung als Mitglied und diesjähriger Präsident des Aargauer großen Rathes für unfern Kanton vom wohltätigsten Einflüsse ist, indem namentlich seit dem Jahre 1833 manche wohlthätige-Schöpfung seiner stoischen Energie Vieles zu verdanken hat, hielt wie aus den Berichten der beiliegenden Blätter zu sehen ist, die Einweihungsrede im Freien vor der Stätte des schön verzierten Schulhauses. Sowohl die bei uns allbekannte Popularität und Klassizität des Redners, als auch der passende Inhalt seines Vortrages machten eine unaussprechliche Wirkung auf das sehr zahlreich aus allen Volksklaffen zusammengesetzte Auditorium, und wahrlich, der Einsender im Schweizerboten irrt nicht, wenn er glaubt, daß diese Rede von mancher stillen Thräne aus israelitischem Auge begleitet worden. Alte Grauköpfe, die vielleicht in ihrem Leben noch keiner deutschen Rede gehorcht, verhüllten ihr mit Thränen benetztes Antlitz, wie sie von? dem> Redner im die-trübe dunkle Zeit ihrer Kindheit, wo ihr Herz unter dem Drucke mittelalterlicher Gesetze geseufztzurückgeführt wurden. Der Redner stellte das Bild-, jener traurigen Zeit, so lebendig und charakteristisch vc>r die Seele, daß wir alle nicht' ohne Rührung und Dank an die heutige allerdings heiterere Zeit denken konnten. „Damals durfte der Israelite nicht einmal eine eingefallene Mauer wieder aufbauenauch kein Haus kaufenohne Einwilligung des-Landvogtsr Wie ganz anders ist es heute, wo wir den schönen Tempel der Erziehung vor unfern Augen sehen", sagte der Redner. Bildlich verglich erdferner die Hindernisse des Neubaues des Schulhauses, die sowohl geistig als materiell vorhanden warenmit den Hindernissen, gegen welche der große Nehemia beim Aufbau des zweiten Tempels zu kämpfen hatte; wie man auch hier gleichsam^ in der einen Hand das Schwertinder andern das Bauwerkzeug haben mußte. — Beim fröhlichen- Mahle, mit welchem-das Fest schloß, zeigtesich der reine Patriotismus der hohen Gaste, indem sie in begeisternden- Worten der Sache der Juden das Wort redeten, und die gewöhnlichen abgedroschenen Einwürfe gegen die Emanzipationin Rießerfchem Sinn; und Geiste widerlegten. Unter allgemeinem-Jubel der Juden fuhr bei ziemlich 'vorgerückter Nacht-die« Abordnung des Kantonsschulrathes ab, und daß dieselbebefriedigt von uns schied, zeigt beigefügtes bald nachher eingelaufenes Schreiben der genannten-hohen Behörde. Zur Anordnung des Festes, wiees. in beiliegenden Blättern beschriebenist, trugen hauptsächlich die Herren Samuel K. Guggenheim und Daniel Guggenheim , erflerer Präsident-, letzterer Aktuar der Ortsschulbehörde zu Lengnau, beide tatkräftige und von gutem Willen beseelte Männer, das Ihrige bei. Sie ließen sich nach ihrer-Gewohnheit auch jetzt in dem Streben nach einem schönen Ziele nicht irre machen, obschon - sie gegen mancherlei Vorurtheile zu kämpfen hatten. — Endlich erlauben ww uns noch bei dieser Gelegenheit des Mannes zu erinnern, dem der in der Gemeinde Lengnau so rege gewordene Sinn so Vieles zu verdanken hat, wir meinen den Herrn Oberlehrer Bernheim. Möge er fortfahren in seinem planmäßigen und bescheidenen Wirken, und er wirdgewiß noch manche frohen Tage erleben, in welchen er, wie an dem besagten Einweihungsfeste, süßen Lohn seines frommen- Strebens erlangen wird. Schreiben des -hohen Kantonsschulrathesan die israelitische Schulpflege- Lengnau. Hochgeehrte -Herren! ‘ Nachdem die von ihnen zur Einweihung-Ihres neuen Schulhauses am 24 l. M< erbetene Abordnung aus unserer Mitte sowohl über - den ihr gewordenen Empfang und die Anordnung! des fraglichen Festes, als auch über die Einrichtung jenes Gebäudes selbst, Uns ihren Bericht , erstattet, aus welchem wir mit Vergnügen entnommen, wie sehr Sie sich angelegen sein lassen, im eigenen wohlverstandenen Interesse Ihrer Glaubensgenoffenschaft — selbst; mit bedeutenden Opfern und nicht ohne ernsten Kampf wider die. Vorurtheile einer befangenen Parthei.-— für die bessere Erziehung Ihrer Jugyrd und damit zugleich für eine schönere Zukunft zu sorgen- — haben wir. heutebeschlossen: 1) Ihnen sowohl die freundliche-Aufnahme unsrer Abgeordneten bestens zu verdankenalsauch über' 10»