Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1843)
- Date
- 1843-03-11
- Page
- Seite 148 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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tteWotelt. Doch, vorn Verlangen beseelt-, diesen, Herrn nicht unbefriedigt Umkehren zu lassen, ging -ich in die Kanzlei des Kerkerlieutenants, und bat um Erlaubniß, einem fremden Herrn -das Korrektionshaüs zeigen zu dürfen. „Ist er ein Jud'?" — Ich. „Er ist ein Jsraelite!" Halb auf das Schreiben hin, das ihm eben vorlag, halb auf mich bli- 'ckend, sagte er: „Ja, das geht nicht! — es ssind eben jetzt einige Juden im Arbeitszimmer beschäftigt." Ich. „Ich muß ja ohnedies einen Heiduk mitnehmen, der uns überall herum führe!" — Nun erscholl ein volltöniges „Jontschy!" aus seinem Munde — der Name eines Heiduken — das war das Gnadenzeichen dieses edlen Mannes. Der Heiduk kam, ich empfahl mich dankend, und wir sahen ein Haus, das man mit Hecht den Anstalten der neuern Zeit nnreihet, die der Menschheit zur Ehre gereichen. Nun^möcht' ich doch die. Herren, die nach wohlweislicher Berathung, ein solches Verbot dekretiren, fragen: wie sich das mit dem Zwecke dieser Anstalt -reimt? Während sich einerseits die Regierung Mühe gibt, Straßen- und Kirchenräuber in solide Menschen umzuschaffen; verläugnen anderseits hochstehende, aufgeklärte und edle Männer die Würde ihrer hohen Stellung, so — daß sie an den geringsten Vorurtheilen der Hefe des Volkes Theil nehmen. — Heißt das -konsequent? heißt das -nicht die Gründung eines Mäßigkeitsvereines bei vollem Becher, in Rausch und Taumel feiern? E. F. Born Plattensee.. (Privatmitth.) Wenn wir bei dem Gedanken an den Miesenplan des großen - Beherrschers des kolossalen russischen Reiches ,-der in Petersburg wurzelnd, seine segenreiche Arme um alle -hebräische Unterthanen schlingend, sie alle aus dem tiefen mitternächtlichen Dunkel an's Licht der Aufklärung, aus den Wohnungen des Spottes und der -Verachtung, hinein in das -frohe Gewühl des heitern . bürgerlichen Lebens zu führen zum Ziele hat, uns des Anstaunens und der Bewunderung nicht enthalten können; so sehen wir den Wunsch von einem , großen Monarchen ausgehen, der im Besitze des grüßten. materiellen Reichthums, auch die Bildung und Humanität in seinem Staate auf einer hohen Stufe wissen will. Nikolaus sprach: „es werde Licht" und es muß Licht werden. Aber ein Gefühl der tiefsten Mührüng' und 'Theilnahme j)emachtiget sich unserer, wenn wir lesen, daß eine kaum 20 Familien starke Gemeinde in einem Dorfe in Ungarn, sich unter der Aegide der Eintracht und des Selbstbewußtseins, 'ohne jeden Impuls von Außen, tharkräftig erhebt, jeden Schatten von Dorfbewohnern von sich wirst, jeglichem Hindernisse trotzend, Anstalten schafft, gründet- und dauernd erhält, die wir in manchen großen und reichen Gemeinden vergebens suchen, oder erst - nach langem Kämpfen und Ringen der Parteien hervorgehen sehen. Es möge daher ein Bericht der „Vereinigten Ofner-Pester Zeitung" in diesem Blatte -als Muster aufgestellt werden, was richtige Auffassung der Zeitbedürfnisse, verbunden mit Eintracht und Vertrauen, zu leisten im Stande ist. Eine Lehre, die Vielen zur Beherzigung und Darnachhaltung dienen möge.' „Lengyetoty (Somogyer Komitat).. Hier ist den 15. Jänner d. I. ein Ball abgehalten worden, zu Gunsten eines bereits im Bau begriffenen Spitals, welches die kleine Israeliten-Gemeinde daselbst — kaum 20 Familien stark — zu errichten unternommen, zur Rettung der, in der Umgebung auf den kleinen Dörfern, wo keine Aerzte wohnen, erkrankenden Mittellosen. Die Grundherrschaft Joseph Jnkey v. Pallin hat, in Rücksicht des wohlthätigen Zweckes den Saal in seinem Schlosse hiezu verwenden zu lassen, die Güte gehabt; der Erfolg war, nach Abzug aller Ausgaben, ein reiner Ertrag von 506 fl. 15 kr. für's Spital. Man kann sich mit Recht wundern, daß eine .solche kleine und arme Gemeinde auf einem Dorfe, so ein küstspieliges Institut zu gründen unternimmt; weiß man aber, was diese Gemeinde anderweitig leistet, wie sie durch inniges Zusammenhalten im Stande -ist, seit mehr als 15 Jahren eine geregelte Schule zu unterhalten, deren Tendenz bis zum letzten Landtage, nebst religiös-moralischer Erziehung, Ausbildung zum -Kaufmannsfache war, seitdem aber, um die heilbringenden Beschlüsse dieses Landtages zu verwirklichen, in dieser Schule mehr lechnifch-industriöse Bildung und Magyarisirung beabsichtigt wird, wo bereits .-schon mehrere -Kinder in diesem . Fache — Tischler, Wagner, Sattler — als Lehrlinge die Bahn betreten; wie sich diese Gemeinde, die von der Herrschaft erbaute ansehnliche Synagoge, Friedhof und Tempeldienernwhnung -als Eigemhum -an-