Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1843)
- Date
- 1843-03-11
- Page
- Seite 145 (sequence 9)
- Language
- German
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ordnung stand, auf Mittwoch den 22. Februar ,vertagt, Zuerst berichtete der Referent,. F r er h eÄ ö,o n; G ab lenz, über gedachte von den Gegnern, wozu auchdie hiesige Kaufmanns-Innung gehört, eingereichte Petitionen, welche namentlich den seit: Erlassung des Gesetzes von 1837 verflossenen Zeitraum als zu kurz darstellten, um den Juden bereits wieder. Rechtserweiterungen zuzugestehen, zumal sie sich immer noch mit größerer Vorliebe auf den Handel legen . und'namentlich schwerere Handwerke scheuen; ' üble Beispiele>aus Berlin und Breslau, wo die Juden den Kleinhandel ganz an sich gerissen und die Waarenverschleuderung an der'Tagesordnung sei, sprachen gegen die Juden. Referent widerlegt hierauf kurz und bündig die Schlußfolgerungen nurgedachter Petenten und bemerkt noch, daß im Deputationsgutachten (das Ihre Leser kennen) ein Jrrthum sich eingeschlichen habe. Beim vierten Punkte nämlich, das. Halten christlicher Lehrlinge betreffend, sei die Deputation nicht einstimmig; die Majorität wolle zwar das Gesuch, daß jüdische Meister auch christliche Lehrlinge sollen halten dürfen, aus den daselbst angegebenen Gründen " nicht bevorworten, die Minorität aber (bestehend aus den Abgeordneten Tzschukkv und Scholze) habe kein Bedenken, auch dieses den Juden zu bewilligen, und behalte sich vor, ihre Motive dafür noch mündlich zu entwickeln. Es ward nun die allgemeine Debatte eröffnet, an welcher 14 bis 15 Redner.theilnahmen, von denen außer dem Referenten v: Gab lenz und dem unermüdlichen Dr. v. Mayer, noch dieAbg. v. Watzdorf, Brockhaus, v. Thielau, Braun, Todt, Tzschukke,. Poppe, Beschwitz, Honsel und noch Einige zu Gunsten der Emanzipation der Juden sprachen; die Abg. Oberländer und Schumann lietzen sich auf zweideutige Weise vernehmen, Meisel (Kaufmann in Dresden) wollte den Juden Alles, nur nicht den Ausschnitthandel (sein Geschäft!) bewilligt wissen, nur zwei.Abgeordnete, Müller und Görnitz sprachen sich unbedingt gegen jede Gewährung an die. Juden aus.— Man kam an diesem Tage noch nicht zum Resultate und die Discussion wird Freitags den 24. d. fortgesetzt; doch war der Eindruck im Ganzen ein günstiger, die Gegner wurden von der. schlagenden Beredtsamkeit unsrer Vertheidiger niedergedonnert und konnten nicht mehr zu Worte kommen. Abg. v. Watzdorf (Königl. Sachs. Kam- ' merherr, bekannt durch seinen Vortrag beim vorigen' Landtage in der hannöverschen Sache) schilderte das ü »christliche Verfahren gegen die Juden in starken Zügen, wies auf Frankreich und Holland hin, wo. dse, Emanzipation eine längst vollendete, unbestreitbare Thatsache sei, bedauerte, daß die deutschen Zustande,hierin nych so zurück seien, und wünschte, daß man mindestens Alles jetzt bewilligen möge, was die israelitische Gemeinde in ihrer Petition, verlange. Er schloß mit den Worten, daß er Sachsen glückwünschen werde, wenn einst der Tag gekommen sein würde, wo er einen Juden als Collegen in dieserKammer werde begrüßen können! •— Brockhaus (Buchhändler in Leipzig) sprach sich auf ähnliche Weise aus, und setzte hinzu, daß obwohl seine Wähler mit seinem Votum nicht ganz übereinstimmen dürsten, er'nicht umhin könne, für die Sache der Humanität und Gerechtigkeit' und dies sei die Sache der Juden — zu sprechen nnd 'zu stimmen; er glaube und hoffe, daß die Kammer, , welche fast einstimmig die Mündlichkeit , und Oeffentlichkeit im Criminalverfahren beantragte und nächstens wahrscheinlich aus gleiche Weise für Preßfreiheit sich aussprechen dürste, nicht in den Widerspruch verfallen werde, gegen die Rechtserweiterung der Huden zu stimmen! — Dr. v. Mayer äußerte, daß man von ihm als Bevorworter der Petition eine größere Rede nicht erwarten solle,.. Indem seine Gesinnungen bekannt seien. Nichtsdestoweniger entwickelte er mit Schärfe und Gründlichkeit den ganzen Stand der. Frage, wie man 1833 gezaudert- 1837 das endlich entworfene Gesetz wieder nach: allen Seiten hin beschränkt habe und die V.orurtheile immer noch nicht bannen wolle. Es sei aber Pflicht jedes Gebildeten, jene Vorurtheile auszurotten; die Gesetzgebung, sei verbundey, Beschränkungen, die mehr.'entziehen, als sie gewähren, aufzuheben. Es sei seine bloS städtische Angelegenheft, wie die Gegner wollten, die im Vorthelle der beiden Städte zu entscheiden wäre, sondern sie sei vom höheren Standpunkte aus', im Interesse des Rechts, zu betrachten, da liege es den Gesetzgebern des Staäts ob, einzuschrelten sind' die Ungleichheiten möglichst zu ebenen; die Juden hätten lange genug immer geben. müssen, nun sei es Zeit, auch ihnen endlich einmal das lang Entbehrte zu: geben. Er widerlegte chiexuus nychHE jetzt besonders auftauchenden Aeußerungen, M seien Me 10