Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1843)
- Date
- 1843-03-11
- Page
- Seite 141 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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141 G. Brecher ganz besonders hervorgehoben*). In fließendem Hebräisch giebt er einen reichhaltigen Kommentar, der jedoch ohne allen gelehrten Prunk sich auf die Umschreibung der schwierigen Ausdrücke und die Erklärung der Gedanken beschränkt; in Einleitungen werden die Resultate hervorgehoben. Da dieser Kommentar vollständig ist und' dem gegenwärtigen Standpunkte der philosophischen Wissenschaft sich nähert, hingegen Abendana's span. Kommentar und Muskato's 'tut» Vip sehr selten, der von iaasüö -»'S und der ■nbtt ba'-mi'1 •wa 173N3 sehr ungenügend sind, so hat Herr G. Brecher das Verdienst, das erste Wesentliche für den Kusri geleistet zu haben. Hierher gehören nun auch die Arbeiten des fleißigen und gelehrten Herrn R. Fürstenthal. Der höchst achtungswerthen Schule der jüdischen Gelehrten angehörend, welche die Vermittlung der wissenschaftlichen Bildung mit der jüdischen Masse bewerkstelligt hat, und zur Lösung dieser Aufgabe durch eine kräftige Selbstbildung, eine geistvolle und geistesstarke Autodidaktie berufen war, hat Fürstenthal dennoch auch in der neuesten Zeit feine Stelle in der Literatur zu behaupten verstanden. Zwei Arbeiten desselben gehören nun hierher: die vollständige Uebersetzung und Kommentirung des Moreh Nebuchim, die wir aber nicht besitzen, und die vollständige Uebersetzung und Kommentirung des CH a bat h halbaboth von Bechar"*). Das letztere Werk, ein an Erhabenheit der Gesinnung und Fülle des reinsten Gemüthslebens ausgezeichnetstes unsrer Literatur, ist in guter Ausstattung, Text, deutsche Uebersetzung in jüdischer Schrift und hebräischen Kommentar enthaltend, gegeben. Der Verfasser, gegen 1100 in Spanien als Dajan lebend, stellt in zehn Abhandlungen die israelitische Pflichtenlehre auf. Die erste über die Anerkennung eines einzigen Gottes führt die Beweise, über die Schöpfung aus Nichts durch Gott, und über die Einheit Gottes, der allein von allen Wesen einig ist, aus. Die zweite über die Betrachtung der Werke und Güte Gottes erhebt solche Betrachtung zu einer Pflicht, und zeigt, wie sie anzustellen, was sich daraus ergiebt, und welche Hindernisse dabei zu überwinden. Die dritte über *) Prag, Th. I. urtri tüT'-ps dV 'ist “‘‘■VT'Dii löö 8W-D -137372 'ist 1838 (enthaltend das erste und zweite Gespräch), Th. II. 1839 (das dritte Gespräch), Th. III. fehlt uns, Th. IV. 1840 (das fünfte Gespr.). **) ‘prabb lirnprtftt!-w§i '-di mäsbtt nmn -sv mb73f7 rasib p->Dö73 ‘rm -li-rrmsi tisTöt* btfttüastoWD basi •’ä« "118 ötus ■mnanp 1835. a-nbörrs Gottesdienst spricht weitläufig über die Dankbarkeit des Menschen gegen Menscheu und gegen Gott, und die Arten des Gottesdienstes. Die vierte über das Vertrauen auf Gott betrachtet insonders das Verhältniß zwischen der Betreibung eines Erwerbes und dem Vertrauen auf Gott zu einander und in ihrer Verbindung. Die fünfte läßt sich über die Beziehung aller unsrer Handlungen auf Gott und über Scheinheiligkeit aus. Die sechste über die Demuth, ihre Arten, Aeußerungen, Wirkungen, erschöpft diesen Gegenstand, sowie die siebente der Buße ihre moralische und religiöse Bedeutung vindicirt. Als Supplement hierzu bespricht die achte Abhandlung die Selbstprüfung des Menschen. Die neunte über die Absonderung des Menschen von dieser Welt empfiehlt durchaus die Mittelstraße und verwirft eine übertriebene Ascetik. Die zehnte endlich handelt von der aufrichtigen Liebe zu Gott, in die der Verfasser alle übrigen religiösen Bestrebungen aufgehen läßt"). Die Uebersetzung des Herrn Fürstenthal liest sich sehr gut, ist aber im Ganzen zu paraphrastisch und hie und da nicht scharf genug bezeichnend. Der hebräische Styl des Herrn F. ist rühmlichst bekannt; die große Gewandtheit führt allerdings hie und da zur Weitschweifigkeit, und hat Herr F. eine besondere Vorliebe zur Erörterung physikalischer und logikalischer Begriffe. Die ganze Bearbeitung ist eine dankenswerthe Bereicherung unsrer Literatur. Dies ist es, was uns aus den letzten Jahren an neuen Bearbeitungen' älterer allgemeiner religionsphilosophischer Werke vorliegt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Palästina. Magdeburg, Ende Febr. (Vorbemerkung der Redaktion.) Wer die Spalten der Allg. Zeit, des Judenthums seit Jahren mit Aufmerksamkeit durchlieft, wird gewahren, daß jede Streitsucht,, jede Verleumdung, jede Verkleinerung eines fremden Verdienstes fern von uns ist. Unser Bestreben ist es, daß *) Es stellt stch Bier so recht klar der Unterschied der Richtungen in Bechai und Maimonides heraus, indem jener die Liebe zu Gott, dieser die Erkenntniß Gottes als die höchste Stufe bezeichnet.