Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1843)
- Date
- 1843-03-11
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225292--05050-3235680- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
140 Literat« r. in. Jüdische Religionsphilosophie. (Fortsetzung.) Wir erstrecken jedoch, unserm Zwecke gemäß, unsre Uebersicht nur so weit, wie die uns vorliegende erste Lieferung reicht*). Das Buch Kusari giebt eine Unterredung zwischen dem Könige der Kusaren und einem jüdischen Weisen, Isaak Sangheri, durch welche der erstere die Vorzüglichkeit des jüdischen Glaubens einsehen lernte und Jude wurde. Verfasser ist der um 1140 blühende Zehuda Ha-Levi. Wenn nun auch die Thatsache, daß der König der Kusaren Jude wurde, in neuerer Zeit als erwiesen begründet wurde (s. d. Zeit. 1842. Nr. 51), so ist doch dieses Gespräch als Form vom Verfasser fingirt, um von solchem Standpunkte aus seine Ansichten bequemer darlegen zu können. Das Werk genoß zu aller Zeit eines bedeutenden Rufes, ist wiederholt aufgelegt, mehre Male übersetzt und kommentirt worden. Eine, dem jetzigen Standpunkte gemäße, Bearbeitung war sehr wünschenswert!). Die Herren Jolowicz und Cassel unternahmen sie. Ein correcter Abdruck des in früheren Ausgaben verstümmelten Textes, eine möglichst wortgetreue deutsche Uebersetzung, ein philosophisch wie auch sprachlich erklärender Kommentar waren die Aufgabe, und das vorliegende erste Heft erweist es, daß diese Herren der Lösung dieser Aufgabe gewachsen seien. Wir wollen dabei der angemessenen Ausstattung nicht vergessen. Das erste Buch beginnt mit der Erzählung, wie der König der Kusaren, in Zwiespalt mit sich selbst, zuerst einen Philosophen (Aristoteliker) berufen, der den König anf das Streben nach Erkenntniß und Reinheit des Herzens verweist, wobei es auf die Religion, die er bekenne, gar nicht ankomme. Der König erwiedert ihm, daß die Menschen oft ganz rein an Gesinnung sind und dennoch Handlungen begehen, die schlecht sind, wie die verschiedenen Religionspartheien ihren Geist auf Gott richten, und einander zu tobten für dieser Richtung angemessen halten. Er befragt demnach einen Christen, der ihm seine Dogmen *) Man vergesse nicht, daß wir diese Artikel nicht für den Gelehrten, der dieser Werke kundig ist, sondern auch für die Masse derer schreiben, welche den gelehrten Arbeiten nur von ferne folgen. darlegt. Der König antwortet, seine Vernunft widerspräche denen, und er müßte daher erst factische Beweise dafür haben. Der darauf herveigerufene Muhamedaner stützt sich auf den Glauben an den Koran, der dem Könige daher nicht genügen, und da sich Christ wie Muhamedaner zuletzt immer auf die Juden berief, so nimmt der König seine Zuflucht zu diesen. Der jüdische Weise stellt Gott vor Allem als Offenbarungsgott fest, sucht dann die jüdische Überlieferung als unumstößliches Faktum zu erweisen, erkennt Tradition als die einzige sichere Basis der menschlichen Erkenntniß, und sucht nun die Nothwendigkeit der Offenbarung und ihren Modus darzulegen. Die Offenbarung sei lediglich der Wille Gottes gewesen, dem es nicht genommen sein kann, sich in Wort und Schrift zu verkörpern. Aus der vollkommnen Natur Adams wird die Prophetie abgeleitet und die Frage beantwortet, daß die Offenbarung sich auf Israel beschränkte. Zuletzt wird ausgeführt, wie das Judenthum die Unsterblichkeitslehre in sich trage, deren Inhalt, das Schauen Gottes, schon wesentlich hienieden anhebt.— Das zweite Buch berichtet zuerst über die Bekehrung des Königs und seines Volkes und wie der König dem jüdischen Weisen verschiedene Fragen vorgelegt und zwar vor allem über die Prädikate Gottes. — Dies diene denen, welche den Kusari in der Ursprache zu lesen und das Material zu beherrschen nicht befähigt sind, zur Hinweisung auf die gedachte Bearbeitung. Der Kommentar ist sehr reichhaltig, indem er sowohl fortlaufend den Inhalt umschreibt und kurz die Hauptgedanken und ihre Aufeinanderfolge characterisirt, als auch eine Fülle von sprachlichen und sachlichen Bemerkungen herbeibringt, die auch denen, welche den Text studiren wollen, von großem Nutzen sind. Möge das Werk hierdurch an Befördern gewinnen. Es ist nichts wahrer, als daß die meisten jüdischen Lehrer die jüdische Theologie nur sehr oberflächlich sich aneignen, obschon ihnen durch derartige Werke die Wege und Mittel an die Hand gegeben sind, sich tiefere Kenntniß zu erwerben. Vom Kusari können wir denn am leichtesten zu den Bearbeitungen älterer religionsphilosophischer Werke übergehen, die der alten Weise näher geblieben sind. Wir haben hier nämlich zunächst auf die schöne Ausgabe des Textes des Kusari hinzüweisen, die 1838 bei Raf und Magnus in Hamburg erschienen, und von Herrn Isaak Metz besorgt worden; sie zeichnet sich durch die besondere Nettigkeit der Ausstattung und durch die Angabe der Varianten aus. Alsdann ist die Ausgabe des Textes mit hebräischem Kommentar des trefflichen Arztes