Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1843)
- Date
- 1843-03-04
- Page
- Seite 133 (sequence 13)
- Language
- German
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133 nicht nur das metrologische System festzustellen, sondern zugleich den historischen Gang der geistigen Bewegung, wie er von der Grenzscheide West- und Ostasiens aus die syrisch-palästinensischen Küstenstriche nothwendig berühren mußte, zu verzeichnen und als faktisch zu beweisen. Dabei macht aber die Abhandlung keinen Anspruch darauf, im Einzelnen nach Böckh neue Resultate zu liefern, will vielmehr nur die Forschungen desselben zugänglicher machen und aus das eine Volk, dem es gilt, kon- (entriren. Es wird daher hier auch genügen, zu bemerken, daß der Vf. 1. Gewichte und Münzen, 2. Längen- und Körpermaaße nach ihrem Namen, ihrem relativen und wahren Werthe behandelt, den Zusammenhang zwischen den Längen-, kubischen und stathmischen Maaßen der Alten, so weit sich dieser auf das metrologe, System der Hebr. bezieht, erörtert und Böckhs Resultat approbirt, daß in Babylon, wo die größte stathmische Einheit (das Talent) dem Quandratal Regenwasser, dessen Grundlinie der babylon. Fuß ist, entspricht, die Grundlage der metrolog. Systeme der alten Welt zu suchen sei. In der Schlußbetrachtung S. 99 ff. zeigt der Vf., daß Babylon, der Sitz uralter Kultur und vornehmlichster Mittelpunkt mathematisch -astronom. Wissenschaften, seine geistigen Schätze in früher Zeit nach Westen verbreitete und mit Aegypten nach Bibel und Profanskribenten in mehrfacher Verbindung stand. Die Uebereinstimmung in den metrolog. Systemen der Völker zeigt, wie weit sich babpl. Bildung unmittelbar und mittelbar verbreitete und so viel ist sicher, daß die Hebr. dem Kulturstrome nicht ausweichen konnten. Diese schon in Aegypten mit der Cultur des Alterthums in nähere Berührung gekommen, konnten nach der Besitznahme Kanaans nicht anders als direkt und indirekt die Beziehung zu Babylon fortsetzen. Als Nachbarn der Phönizier und im Leben gerade an diese gebunden, mußten sie von diesen lernen; die große Handelsstraße und mit ihr der Gang der Kultur führte nach Naturverhältnissen durch ihr Land und konnte die Bewohner nicht unberührt lassen. Sie blieben es auch nicht; und so weit wir nach dem Alterthume hinauf zurückgehen können, finden wir die Israeliten in Besitz mannigfacher Fertigkeiten u. s. w., die auf fremden Grundlagen ruhen und fremden Einfluß erweisen. So zeigt auch dieser Gegenstand mit seiner mathematisch berechenbaren Gewißheit, wie der Strom der Bildung Welle auf Welle sich über Kanaan ergoß, dort oft den am Synai geordneten theokrat. Staat bedrohte, aber dadurch den geistigen Kampf zwischen dem alten Statut und der neuen-c Bildung im Rhythmus der Jahrhunderte erregte, der das eigentliche Interesse der israelitischen Geschichte ausmacht, und vor Allem sich das Verdienst erwarb, daß die Lauterkeit der mosaischen Institutionen nicht zum stagnirenden Sumpfe, vielmehr die ewige, göttliche Wahrheit immer bestimmter erkannt und dauernder begründet wurde. Dieser letztere Gesichtspunkt verknüpft die 1. Abh. mit der 2. über „die Bewohner Palästina's seit den ältesten Zeiten bis auf die Zerstörung Jerusalems durch die Römer" S. 117— 452., welche die Verhältnisse der Bewohner des Landes zu einander und den fortdauernden Kampf der israel. Eigenthümlichkekt mit den die äußere Gewalt erlangenden Machten darzustellen zum Werk hat, eine Aufgabe, deren sehr befriedigende Lösung um so dankenswerther angenommen werden .muß, je weniger gerade diesem Elemente der Geschichte bisher genügende Aufmerksamkeit zugewandt ist. Die Eigenthümlichkeit eines Volks, wie sie die Geschichte eines solchen zu erkennen giebt, ruht namentlich auf zweierlei: auf der Beschaffenheit des Bodens, auf welchem es lebt, und auf dem Verhältnisse zu andern Völkern, in Rücksicht sowohl auf .den friedlichen Verkehr mit Landesinsassen andern Stammes und anderen Völkern, als auch auf das politische Verhalten zu Nachbarstaaten. Hierzu kommt noch, ist das Volk ein eingewandertes, der nie ganz zu verwischende Rest des angestammten Charakters. Kein Land der alten Welt dürfte in Hinsicht hierauf so ^reichhaltige Gesichtspunkte eröffnen, als Kanaan. - VJHt Recht beginnt daher Hr. B. seine Untersuchungen mit den Welt- und Völkerverhältnissen, welche auf Palästina einwirkten: dem Welthandel, der zwischen Osten und Westen um so mehr an die palästinensische Straße, vom Euphrat und dem elatheischen Meerbusen her, gebunden war, je mehr Verfassung und Charakter Aegyptens in alter Zeit den Verkehr mit dem Auslande minderten; der Lage zwischen asiat.' Weltmonarchien und dem die Eroberungslust reizenden Aegypten; der Beschaffenheit des Landes, das durch sein hohes Gebirgsparallelogramm und seine steilen Abfälle nach Westen und Osten sehr bestimmt den Handel treibenden Küstenbewohner vom Ackerbau und Viehzucht treibenden Bergbewohner schied, zugleich durch den Wechsel gemäßigten Klima's und tropischer Hitze die Aufmerksamkeit der Bewohner auf sehr Verschiedenes lenkte: alles Momente, die ein Zusammenleben und Festhalten sehr verschiedener Individualitäten auf engem Raume möglich machten. Das Hauptinteresse bleibt nach diesen Prämissen in der Periode „von der