Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1843)
- Date
- 1843-03-04
- Page
- Seite 132 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Worte vor meiner lieben rigischen Gemeinde auftreten zu können? Nein, ich fühl es, so schmerzlich auch dieses Nein mich in allen meinen sehr prekären, gegenwärtigen Verhältnissen berührt, ich muß nur das Wohl der Gemeinde, das Heil der Schule, die Blüthe des Gottesdienstes, nicht mein Wohl und Glück im Auge behalten, muß mich mit dem schmerzlichen Gefühle der Trennung von jener trennen, denen anzugehören ich stets für meine größte Freude betrachtete, und muß im Gefühle getreuer Pflichterfüllung es mit der innigsten 'Ueberzeugung aussprechen, daß Sie völlig recht thun, wenn Sie, obigem amtlichen Befehl gehorchend, einen Nachfolger mir ernennen wollen.-; Wählen Sie einen tüchtigen Mann, der Sie eben so kräftig nach innen, als nach außen vertritt, einen Mann, der begeistert für seinen Glauben, in Wort und That das beseligende desselben bethätigt; der glücklich in seinem Berufe in den Zöglingen seine Kinder sieht und mit Vaterliebe sie erzieht und unterrichtet; der dem Wohle der ganzen Gemeinde, wie der einzelnen sich widmet, Arm und Reich mit gleicher Theilnahme behandelt; und dem sein eigenes Ich nichts gilt, wo es das Wohl und das Glück seines Volkes gilt. — Vorsicht in seinen Entwürfen, Beharrlichkeit in seinen Entschlüssen, Muth bei der Ausführung und Selbstverleugnung beim 'Gelingen und Mißlingen muß er in sich vereinen, und Ihre einsichtsvolle Wahl wird schon der Mann zu finden wissen, der die Eigenschaften besitzt. Werden Sie einen Inländer' oder wieder einen Ausländer wählen? das ist die Frage, deren Beantwortung ich in Ihrem Geschätzten nicht finden konnte, da Sie mit gewöhnlicher Güte die Entscheidung des Ganzen mir in demselben noch überlassen zu wollen schienen. Indessen wählen Sie einen Ausländer, daß'Or. Philippson sowol, als ich, wenn Sie meines Rathes bedürfen sollten, Ihnen nicht abstehen werden, bedarf wol kaum der Erwähnung. Ich habe nun nur noch eine Bitte an Sie, geehrte Herren! .Bleiben Sie mir mit demselben Wohlwollen, nachdem Sie mir einen Nachfolger ernennen müssen, gewogen, dessen ich mich immer zu erfreuen hatte, so lange ich des Glückes genoß, in Ihrer Mitte zu wirken und Ihnen anzugehören. Lassen Sie es mich glauben, daß ich durch die Berufstreue, mit der ich unter Ihnen, selbst mit Aufopferung meiner Gesundbeit gearbeitet, Ihnen theuer, Ihnen lieb geworden sei; daß Sie mit Stolz sich als das Werkzeug der Vorsehung betrachten, die durch Ihre Berufung mich an eine Stelle gebracht, durch die es für Israel vielleicht Heller und lichter werden kann, und daß, wenn in dieser Mission das Geschick mich auch noch so sehr von Ihnen entfernt, ein Band geistiger Verwandschaft uns aneinanderknüpft. Daß ich nicht aufhören werde, stets mit der innigsten Liebe, mit der wärmsten Theilnahme, mit der aufrichtigsten Dankbarkeit meiner theuern Rigaer zu gedenken; daß ich es als heilige Pflicht ansehe, alle Ihre Interessen, wo und wann es nur möglich ist, öI3. die meinigen zu betrachten und eifrigst zu vertreten, das, hoffe ich, werden Sie mir zutrauen, wenn auch der Erfolg mancher stillen Bemühung noch nicht so laut spricht. Daß aber dasjenige, was ich versprochen, in Erfüllung geht, dessen werden Sie sich wohl selbst aus den neuesten Faktis erinnern. Daß Sie mir ein Zeugniß über meine Amtsführung als Vorsteher Ihrer Schule sowol, als auch als Prediger der Synagoge werden zukommen lassen wollen, erwarte ich von Ihrer Güte und sehe diesen Dokumenten als einem theueren Andenken entgegen.— - Genehmigen Sie die Versicherung meiner Hochachtung mit der ich verharre Ihr ergebenster Dr. Lilienthal. Literarische Nachrichten. Leipzig, im Februar, s Geschichte.^ (Aus dem Leipz. Repert. Heft 5.) Zur Geschichte der Israeliten, zwei Abhandlungen von Ernst Bercheau, Privatdozenten in Göttingen. Göttingen 1842. — Der Vers, stellt unter obigem Titel zwei heterogene, aber doch durch die geschichtliche Beziehung hebräischer Kulturzustande zu andern Völkern eng verknüpfte Gegenstände zusammen und will überhaupt damit nur die noch nicht gelöste Aufgabe einer kritischen Geschichte des hebr. Volks vorbereiten und ihrer Lösung näher bringen. D. 1. Abh. „über Gewichte, Münzen und Maaßp der Hebräer" S. 1—116 setzt es sich szur Aufgabe, durch komparative Betrachtung . der betreffenden Gegenstände