Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1843)
- Date
- 1843-03-04
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Annahme der gedachten Stelle noch nicht erfolgt, sondern vielmehr an Bedingungen geknüpft ist, die mit der kirchlichen und politischen Verfassung der Juden in Preußen im Allgemeinen zusammenhangen, und über deren Erfüllung sich bei den ausgesprochenen Ansichten der preußischen Regierung, nichts vorher bestimmen läßt. — Alle Gerüchte über einen wahrscheinlichen Nachfolger F.'s in Dresden entbehren daher bis jetzt irgend eines haltbaren Grundes, da die Dresdener Gemeinde vor der erfolgten definitiven Aufkündigung des I)r. Fr. selbst zu den Vorbereitungen einer neuen Wahl nicht schreiten kann. Königsberg,, im Februar.^ (Privatmitth.) Die hiesige alte Zeitung enthielt dieser Lage eine Anzeige des Herrn Dr. M. Frey stad t, daß er der neuen Allg. Königsb. Zeit, mehre Artikel zur Widerlegung judenfeindlicher Aufsätze in derselben eingesandt, diese aber stets zurückgewiesen worden. — Gehört denn der Judenhaß mit zu den konservativen Elementen des Staats, zu deren Vertheidigerin sich die Königsb. Allgem. aufgeworfen? Oesterreich. Groß -Canischa, 29. Januar. (Privatmitth.) Bei der allgemeinen Theilnahme, welche die jüdisch-russische Reformangelegenheit bei den Zeitgenossen findet, dürfte wvl eine Mittheilung aus der Biographie des Professors „Chiarini (welcher von Sr. Majestät dem Kaiser Nikolaus mit der Uebersetzung des Talmuds beauftragt war) den Lesern dieser Zeitung nicht ohne Interesse sein, aus welcher hervorgeht, daß der hochherzige russische Kaiser schon seit seinem Regierungsantritte die geistige Veredlung seiner jüdischen Unterthanen vor Augen hatte, deren Verwirklichung im ausgedehnten Maßstabe nun bald vor sich gehen dürfte. Folgende Notiz ist aus dem italienischen Zeitblatte 1» fania delP. Europa 1842 entnommen und lautet in getreuer Ueberfetzung wie folgt: „Das polnische Gouvernement hatte auch damals eine Kommission für jüdische Angelegenheiten eingesetzt, deren Zweck war, Bildung, Civilisirung und wissenschaftlichen und literarischen Unterricht unter die Israeliten zu verbreiten. Unter solchen Umstanden war es, daß der Gedanke im Geiste des Chiarini sich festsetzte, den Talmud zu übersetzen, welcher Gedanke noch an Stärke gewann, als er mit dem Titel eines Assessors als Beisitzer zu jener Kommission berufen, und zu gleicher Zeit als Direktor einer rabbinischen Schule, welche die Regierung nach einem von ihm entworfnen Plane gründete, gewählt wurde.' Bei der Ueberfetzung des Talmuds nahm er sich-vor, die in demselben mit sehr vielen Wahrheiten vermischten Jrrthümer klar an's Licht zu bringen. Es ist nicht mit Worten auszudrücken, was sich in ganzem Lande regte, als er diesen seinen Gedanken der Regierung mittheilte und öffentliche Blätter kund machten, daß derselbe auch in England Beifall gefunden habe. Er erhielt auch von der Kaiserlichen Freigebigkeit Nikolaus I. die nöthigen Hilfsmittel um eine so große Unternehmung zu Ende zu führen. So schrieb er an Advokaten P. Capei: Wissen Sie! Seine Majestät der Kaiser Nikolaus hat mich mit der Ausführung des großen Projektseiner Talmudübersetzung beauftragt, indem er 72,000 polnische Gulden zu meiner Verfügung stellte für die Kosten, welche diese herkulische Arbeit erfordern'wird in einem Zeiträume von 6 bis 8 Jahren, innerhalb dessen dieselbe von einer Versammlung von Uebersetzern, welche unter meiner Leitung arbeiten werden, ausgeführt sein muß." „Er sagte ihm ferner, daß Se. Majestät der Kaiser die Widmung eines seiner Werke, welches dazu — zur Tlllmudübersetzung _ al§ Schlüssel und Einleitung dienen könnte, angenommen habe, und ihm die Summe von 6000fl., um dasselbe drucken zu lassen, zustellen ließ, welches in der Lhat in Paris erschien und zur öffentlichen Kenntniß gelangte durch J. Barbazet volum. 2. 8. mit dem Titel: La theorie du Judai'snie appliquee a la reforme des Israeli te« de tous les pays de l’Europe et servant en meine temps d’ouvrage preparatoire a la Version du Talmud de Babylon.“ „Was nun das Buch über das Judenthum anbelangt, wurde bemerkt, daß obgleich voller Gelehrsamkeit und nicht ohne gute Ansichten, er in demselben verschiedne Jrrthümer einiger Gelehrten oder einiger Sekten und nicht der israelitischen Doktrin der Moral des Judenthums zugeschrieben habe, daß er einige unter dem polnischen Volke verbreitete Verläumdungen als wirkliche Lhatsachen angenommen