Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1843)
- Date
- 1843-03-04
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
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125 keine geographische Bestimmung finden läßt. Hätte überhaupt Jakob einen so bestimmten, partiellen Zweck gehabt, so würde er sich wohl deutlicher und zweckmäßiger ausgesprochen haben. Man vergleiche nur, als Jecheskel eine solche Absicht zukünftiger, geographischer Verkeilung des Landes unter die Stämme gehabt, wie dieser, der doch auch dichterisch begabter Prophet wgr, klar und bestimmt zu Werke gegangen 47, 13 ff. — Dennoch aber sich hieran lehnend, ist der Standpunkt Jakobs vielmehr, ganz im Zusammenhänge mit dem vorhergehenden Kap. (s. Anm. zu 48, 1), so zu fassen: Jakob wollte in seinen Aussprüchen überhaupt als Stammvater des zu erzielenden Volkes, dem er nun das Land seiner Väter als Besitz und Wohnplatz zuertheilen konnte und zuertheilt glaubte, die Stellung der einzelnen Familien oder Stämme unter sich festsetzen, und hierdurch die materielle Verfassung des zukünftigen Volkes auf fester Basis sichern. Er ging hierbei von den vorliegenden Verhältnissen und Charakteren der Söhne, als Stammfürsten , aus, nahm auf ihre bisherige Führung Rücksicht, und wollte so einen festen Bund um seine Nachkommen schlingen, in welchem ein Jeder seine feste Stellung einnähme; indem er auch voraussetzte, daß die Stellung, die jetzt seine Söhne und deren Familien unter sich einnähme», auch in dem Bunde des Volkes von den Stämmen bewahrt werden würde, nach orientalischer Weise. Mit je tieferer Kenntniß derselben, mit je sichererem Takte, mit je ungemeinerer Voraussicht, mit je festerm Blicke in die Zukunft er dies that: desto mehr mußte sich von seinen Aussprüchen bewahrheiten, dennoch aber mußten die realen Verhältnisse oft dazwischen treten, und ein ganz ander Resultat Hervorbringen, als der Stammvater es sich gedacht, wieB. bei Levi. Vor allem walteten aber hierbei keine religiösen Motive vor, sondern nur das Abwägen ihrer äußern Macht und Stellung. So stellt denn auch das heilige Wort diese Rede, hin, nicht als von Gott ausgehende Offenbarung und Prophezeiung, sondern als letztes Wort Jakobs an seine Söhne, ohne dessen Erfüllung irgend zu verbürgen, noch irgendwo zu berühren; und selbst die talmudische Ansicht ist hiefür, indem diese bei V. 1 die Begeisterung den Jakob verlassen läßt. Diese Rede blieb dann im Hause Jakobs bewahret, wirkte unsichtbar auf sie ein, und trat bei ähnlichen Gelegenheiten, wo die Verhältnisse der Stämme im Allgemeinen oder in einem speziellen Falle besprochen werden sollten, immer wieder hervor, so bei Moscheh, wie wir gesehen, so aber, wie wir besonders bemerken wollen, auch bei Deborah Nicht. 5, 14—18. Ueberblicken wir nun den Inhalt unserer Rede, entkleiden wir sie einen Augenblick des poetischen Gewastdes, so wird uns dies prägnant entgegen treten, es wird uns wie ein geordnetes Heerlager, wie ein wohlversorgter Bund, in welchem jedes Bedürfniß seine Befriedigung findet, vorgefülsrt. Zuerst werden die Ansprüche einzelner Söhne aus ihrer Vergangenheit heraus zurückgewiesen, Rüben mit seinem Recht als Erstgeborner, Schimeon und Levi als die bisherigen Schwert- und Ge, waltträger der Familie. Dagegen tritt Jehudah als anführendes Hauptkorps, mächtig und weltlich vorherrschend und entscheidend, auf, ihm zur Seite Dan, der durch List bewirkt, was die Kraft nicht vermag, Gad als Vortrupp, zuuächst bedrängt und drängend, Naphthali leicht beweglich, spähend und brauchbar. Ihnen gesellt sich Joseph, die Masse des Volkes, mit innerer Kraft und Würde und äußerer Ausdehnung, zur wahrhaften Defensive geeignet; Benjamin, wild und reißend, selbstsüchtig und für eigene Befriedigung strebend! Endlich auch für die vorhandenen Bedürfnisse sorgend, Jissachar für Viehzucht und Landbau, Ascher für Fett und. leckere Speise, Sebulun für die Produkte der Ferne, am Gestade des Meeres. So schließt sich vollkommen der Kreis, und keine Lücke ist vorhanden. Israel ist ein festes, starkes, zum Kampfe immer bereites Bundeslager im heiligen Kriege. Daß aber dennoch auch in diesem Bunde Keime der Zwietracht und Rivalität nicht fehlen konnten, drängte sich schon dem Stammvater auf, ' Jehudah und Joseph stehen sich zu mächtig gegenüber. Daher trennt er das Bild ziemlich in zwei Gruppen V. 3—17, u. V.19—27, indem er von der einen zur andern mit der Hoffnung auf die Hülfe Gottes übergeht; in jeder nimmt ein Stamm die Hauptstclle ein, Jehudah hier, Joseph dort, und um Beide lagert sich eine Zahl der minder Bedeutsamen herum. Wie weit nun die' Geschichte diese von Jakob gezeichneten Stellungen verwirklicht hat, sieht der Kundige leicht ab. Die Hauptidee hat sich vollständig bewahrheitet, und hat sogar die Trennung des BunöeS in der schönsten Blüthezeit bewirkt, Jehudah und Joseph, d. i. Ephraim konnten nicht nebeneinander friedlich verharren. Die Nebengruppen veränderten sich im Laufe der Zeit gar sehr, bis sogar Benjamin sich zu Jehudah schlug. Jehudah aber blieb endlich dennoch das Haupt der Gesammtheit, und verschlang zuletzt die Ueb'erresie der Anderen. — Alle diese nationalen Gedanken treten uns nun in der Rede Jakob's in dichterischem Schwünge entgegen,