Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1843)
- Date
- 1843-02-25
- Page
- Seite 117 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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117 den Anstalten sind geordnet und zweckmäßig-geleitet, der Handwerksverein breitet seine Segnungen über das ganze Land aus; dieses Alles verdanken wir der ruhigen und besonnenen Leitung des Or. Adler, und doch wagt man es, Angesichts aller dieser Lhatsachen, seine praktische Wirksamkeit in Zweifel zu ziehen! Freilich haben die Mitglieder der hiesigen Gemeinde aus einem gewissen Schicklichkeitsgefühl und aus Achtung vor der aufrichtigen Bescheidenheit ihres Rabbinen, es stets vermieden sich an die Oeffentlichkeit zu drängen; man hat es verschmäht über die geringste Verbesserung ellenlange Berichte in die jüdischen, zu edlern Zwecken bestimmten Zeitschriften zu schicken, weil man die feste Ueberzeugung hegte, daß das Gute sich von selbst Bahn breche und daß die Ehre den, der sie verdient, zu finden wisse, wenn er sie auch nicht sucht. — Darin haben wir uns auch nicht getäuscht; denn die siebzehn Stimmen aus 32 bei der Berliner Rabbinenwahl, die sich unaufgefordert für vr. Adler ausgesprochen haben, müssen doch wol von seiner Wirksamkeit etwas vernommen haben, was auch die Divinationsgabe des Londoner Korrespondenten dazu sagen mag. Und sein Schmähartikel selbst, was anders beweist er, als den ohnmächtigen Grimm über die Anerkennung des Verdienstes, auch wo es sich nicht aufdrängt? von was Andrem zeugt er, als von dem verzweifelten Streben, nachdem alle Mittel nichts gefruchtet haben, noch das letzte, die gemeine Schmähung anzuwenden? Wir glauben, daß die ehrenhaften Kandidaten, in derem Interesse der Artikel geschrieben ist, selbst die unberufene Dienstfertigkeit ihres Parteigängers verachten werden; wir glauben es, weil wir es von vr. Hirsch wissen und von Dr. Hirschfeld nicht anders voraussetzen mögen. Wir hoffen .daher, daß manckünftighin die Londoner Gemeinde, die ihre Bedürfnisse am besten kennen muß, selbst wählen lassen werde, ohne sie ferner durch solche Zeitungsartikel zu belästigen, welche die öffentliche Meinung, statt sie aufzuklären und zu leiten, nur verfälschen und vergiften können! — Preußen. Bom Rhein, 10. Februar. (Privatmitth.) Die 9?o. 30 und 31 der Rheinischen Zeitung enthalten zwei Korrespondenzartikel aus Kreuznach, worin eine leider mir zu begründete Klage über kränkend^ Beleidigungen geführt wird, welchen die Hörstgen Juden von. ihren christlichen Mitbürgern, ausgesetzt sind. Es ist traurig, wenn man im Jahr; 1843 noch derartige Klagen vernehmen muß. Um so mehr erheischt es aber die Pflicht von Jedem, welcher es mit. seinen Glaubensgenossen wohl meint, derartige Vorfälle zur größtmöglichen Kenntniß zu bringen, welches der Einsender hiermit beabsichtigt, indem er die Leser der „Allgemeinen Zeitung des Iudenthums" auf jene Artikel aufmerksam macht, denn nur indem derartige Zustände öffentlich besprochen werden, können sie gewürdigt und mit der Zeit auch hoffentlich beseitigt werden. Er fühlt sich aber auch noch durch einen andern aus seiner Persönlichkeit hervorgehenden Grunde gewogen, diesen Gegenstand hier zu besprechen. Er ist nämlich Arzt, und es konnte ihn nicht anders, als höchst schmerzlich berühren, daß jüdische Fremde, welche das Kreuznacher Bad als heilungsuchende Kranke besuchten, jenen Artikeln und eigends darüber eingezogenen Erkundigungen zufolge, bitteren Kränkungen daselbst ihrer Religion wegen, ausgesetzt waren. Wer, wie der Arz§, weiß, welchen nachtheiligen Einfluß Gemüthsaufregungen — und zu solchen müssen beim feinfühlenden Menschen solche moralische Mißhandlungen nothwendig Veranlassung geben — auf einen Kranken ausüben, welcher eine Badekur gebraucht, der kann nicht anders als höchst empört sein über die Behandlung jüdischer Fremden in einem Orte^ dessen Hauptnahrungsquelle der Fremdenbesuch ist. Einsender sieht sich daher veranlaßt, alle jüdischen Aerzte zu warnen, ihre jüdischen > Kranken, für welchen sie ein Bad förderlich hasten, nach einem Orte zu senden, wo ihnen Demüthigungen und Kränkung drohen. Er glaubt, daß seine Kollegen mit ihm in der Meinung übereinstimmen, daß in dem mit Heilquellen so reich gesegneten Deutschland es viele Bäder giebt, welche gerade in den Krankheiten, wogegen man seit einigen Jahren angefangen hat Kreuznach so sehr zu preisen, es recht gut mit diesem aufnehmen können.. In der Ehat müßte man Kreuznacher sein, um den. .Versicherungen von der ungemeinen-. Wirksamkeit des, übrigens nicht so beträchtlichen — Jodgehalts der dortigen Mutterlauge einen unbedingten Glauben -zu schenken. -; Um der Reihe nach die in Badeschriften Kreuz-