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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-02-25 · Heft 8 (25.2.1843) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 8 (25.2.1843)
Date
1843-02-25
Page
Seite 116 (sequence 12)
Language
German
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116 Wunderbare gränzk Wie nun^ alle Welt, fragt man sich hier verwundert, weiß ein Skribent in London von "dm Sitzungen des Berliner Kollegiums zur RLibbinenwahl? Wie kann er ohne Divinationsgabe erfahren haben, was in den geheimen Berathungen des besagten Kollegiums vorgefallen sei, und daß Niemand etwas zum Lobe, des Kandidaten zu sagen gewußt habe, der denn doch nach dem Gewählten die meisten Stimmen hatte?• Da uns kein mit der Ehre des „Orient" verträglicher Erklärungsgrund übrig bleibt, so müssen wir schon in das Unbegreifliche uns fügen und den Artikel wirklich in London geschrieben sein lassen, was uns indeß keineswegs abhalten soll, die Redaktion des Orient für die Aufnahme einer solchen Schmähschrift verantwortlich zu machen, um so. mehr da sie es seit einiger Zeit — schon seit der Rabbinerwahl zu Berlin — an Angriffen gegen unsren würdigen Rabbiner, Dr. Adler, nicht hat fehlen lassen. —’ Wir wollen hier die gemeinen Ausdrücke die der englische Korrespondent braucht, nicht rügen; der gute Mann weiß wahrscheinlich selbst nicht was er spricht; wie könnte er sonst einen Mann, der seit zwölf Jahren in einer Gemeinde Rabbiner ist, ohne daß er sich je um eine andre Stelle beworben hatte — wie wir authentisch versichern können — einen Glücksritter nennen? — Aber den einen Vorwurf, der immer und ewig wiederkehrt, sobald von Dr. A. im Orient die Rede ist, wollen wir doch einmal näher in's Auge fassen. Man sagt „es sei von seiner Wirksamkeit weder in praktischer, noch in wissenschaftlicher Beziehung etwas bekannt." Um nun zuerst an das Letzte uns zu halten, so ist es wahr, daß Dr. A. nie in das Treiben der Tagesliteratur sich geworfen hat; er hat weder das Jahr und den Druckort alter Bücher bestimmt, noch hat er hohle Phrasen über Wissenschaft, leere Kasten ohne Inhalt, logische Systeme des Unlogischen in die Welt hinausgeschickt; wer aber kann und wird verlangen, daß jeder Rabbiner zugleich Schriftsteller sein solle? Gott behüte uns in Gnaden vor dem Umsichgreifen dieser Ansicht und der Sündfluth von bedrucktem Papier mit der sie uns bedroht! Der gedruckten Dokumente bedarf der wahrlich zu seiner Beglaubigung nicht, der anerkanntermaßen in unsrer echtjüdischen, talmudischen Wissenschaft den meisten Rabbinen Deutschlands gleich steht, wenn nicht vorangeht; der in rft« selbst aus Ungarn und Polen konsultirt wird, der die übrigen Theile unsrer Theologie eifrig durchar- ^beitet und in sich ausgenommen hat, dabei auch in allen andren zur jetzigen Bildung gehörigen Fächern auf der Höhe der Zeit steht!. Und wer da weiß, wie ein Rabbinat heut zu Tage keine Sinekure ist, wie besonders im Hannöverschen der Rabbiner der einzige Vermittler zwischen seinen — beiläufig e. 150— Gemeinden und der Regierung ist, wie nicht nur die Kultus- und Schulverhältnisse, sondern auch die rein administrativen, aus Mangel an jeder andern Behörde, durch die Hände des geistlichen Oberhauptes gehen; wer die Anzahl von Berichten, Gutachten rc. kennt, welche die Regierung gegenwärtig, in Bezug auf die neue Organisation des Judenwesens, von ihm allein fordert, der wird es begreiflich finden, dass bei ‘ so überhäuften Geschäften keine Muße zu literarischer Thätigkeit bleibt. — Betrachten wir jetzt die praktische Wirksamkeit unsres allgemein verehrten und geliebten Rabbinen, so wissen wir nicht, ob wir lächeln oder uns indigniren sollen, über die Beschränktheit die dieses.segensreiche Wirken nicht anerkennen will. Man nenne uns doch noch eine Gemein^ Deutschlands, in der die wichtigsten Verbesserungen des Kultus sowol, als des Schulwesens, ohne den mindesten Streit und ohne Zwiespalt der die besten Kräfte verschlingt, schon seit Jahren vor sich gegangen sind! Gern gestehen wir zu, daß Dr. A.'s Streben hier von seiner Gemeinde die kräftigste Förderung empfangen hat, aber daß er in einem großen Kreise, dem er nicht seit heute oder gestern, sondern seit zwölf Jahren vorsteht, alle Elemente des Haders mit seltner Klugheit und Thatkraft zu bannen verstanden und durch die unbegrenzte Achtung die jeder seiner Persönlichkeit zollt zu ersticken gewußt hat, das sollte doch billiger Weise bei Berechnung seiner praktischen Wirksamkeit auch in Anschlag gebracht werden! Unsre Gemeinde gilt für eine der frömmsten Deutschlands, doch haben wir seit zwölf Jahren regelmäßig deutsche Predigt, die das Talent und das Wissen unsres Rabbinen über allen Zweifel beurkundet; die Ordnung in der Synagoge läßt wenig zu wünschen über und geregelter Gottesdienst mit Chorgesang füllt die Räume derselben. Das Schulwesen, das vor zwölf Jahren noch gar nicht existirte, ist jetzt in einem blühenden Zustande, die Wohlthätigkeitsvereine und mil-

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