Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1843)
- Date
- 1843-02-25
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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107 Wie weit diese nun reichen/ wollen wir so kurz wie möglich Nachweisen. Es ist oft genug gesagt, daß die allge, meinen Schlüsse auf. der. .Geschichtebasiren müssen; wehe aber, wenn in die Geschichte der richtige Blick fehlt. Denn: die Geschichte ist nicht bloß die Schatzkammer der Erfahrung', che ist auch die Vorrathskammer aller Fehlgriffe, Irrungen, aller Bosheiten und Schandthaten, welche die Menschheit begangen. Man sieht, es kommt nur darauf an, welch' Piedestal aus der Geschichte man sich hervorholen will. Herr vr. K. ging Ln der Geschichte der Juden, nur bis zur Zerstörung Jerusalem's, und diese hat er auch nicht begriffen. Wir wollen ihm einmal Alles zugeben, was er von der mosaischen Gesetzgebung sagt: leben denn aber die Juden noch.in derselben? er spricht von der „staatlichen und bürgerlichen'Verfassung," die unveränderlich die Juden bände wo ist denn diese vorhanden?. Er zeige sie uns doch, damit wir sie auch ikennen lernen! „staatliche Verfassung?" bilden, die Juden einen Staat? wo ist der? „bürgerliche?" weiß , denn der Herr Koch nicht/ daß all' unsere bürgerlichen Verhältnisse nach. dem 'Landesgesetze geordnet werden? daß Erbrecht, Eherecht, Privatrecht, Krimrualrecht/ Alles nach dem 'Landesgesetz, gehet/ und. bis. auf wenige Ortschaften das jüdische/Recht ganz vom Staate annullirt ist? Daß wir .sie noch in alten CocÜ668 haben, kann doch nichts ansanachen, man hat ja den: Codex Theodosianus auch noch./ Daß wir uns Meinst danach richteten, kann doch inichts ausmachen, dennman; richtete .sich : ja nach dem .Sachsenspiegel auch einst. /,Die Theokratie, Gott König, ^Priester Vollstrecker" :-7wo sind: denn unsre.Priester und was haben, sie' zu:? vollstrecken.?' Alle .Festtage den- Segen sprechen, nichts Zweiter: keine Sühne-:keine.Heiligung, nicht einen: Pfennig bekommen, sie^; Und - weiß denn Herr Koch Nicht, daß die Theokratie fast'niemals in: die Wirklichkeit: getreten? daß schon Saul/ David, Salomon: Könige waren, und ganze Könige, /denn es fehlte ihnen gar nichts Königliches?; Weiß er nicht, daß/es. heißt in den. Spr.'. Sal.:.. Mein Sohnfürchte. Gott und Ley König? 7— Wie? wir sollen nicht aüfgebrn können , was wir gar nicht aufgeben können,: weil wir es/längst, nicht mehr haben? Man hat. uns unser» Staat genommen, man hat uns unsre Verfassung genommenmau hat:uus unser Gesetz/genommen, man hat uns' nichts übrig gelassen/ als den Kultus,-und der ist, außer Sabbat und Festtag , nicht einmal nach.dem geschriebenen Gesetz Mo-- sis, und nun soll uns: das, was nns genommen worden, abhalteu, .Bürger zu werden?. - Gelt, 'das ist mehr, als man >sich-träumen lassen kann. Aber Herr Koch muß doch so Etwas gemerkt haben,' wie er sich hierin überrennt> er 'pocht daher darauf: die Juden Höffen - es soll alles wieder so werde», und zwar durch den Messias. Es ist doch• außerordentlich, was r diese Leute klug find. Wenn ihnen ein Bettler begegnet, so sagen sie ihm: Du kriegst Nichts, denn du warst einmal reich!' und' antwortet'der Bettler: ich bin aber jetzt doch arm! so antworten sie ihm:; du kriegst doch nichts,-denn du bildest dir ein, du könntest einmal wieder reich werden! — Ja, wir Juden glauben, und lassen diesen Glauben trotz Allem nicht fahren: „der Vater droben macht einmal noch etwas Rechtes aus seiner Menschenwelt, und dann können wirdie' wir dies so treulich geglaubt,; nicht vergessen werden!" — wir lassen diesen Glauben nicht fahren, denn er ist identisch mit dem Glauben an die Vorsehung Gottes, die einen Zweck hat, mit dem Glauben an die Menschheitdie einen Zweck haben muß. Und dieser Glauben sollte uns hindern, Menschen und Bürger zu sein? Ihr-Engherzigen!. . Der Herr Dr. Koch kann's glauben, wir hätten ihm noch Vieles zu sagen, aber wir haben keinen Raum .mehr.' ' ■ - ' - r Wie erbärmlich mißt Herr vr. K. äb, was das mosaische Gesetz -dem Fremdling gestattet habe, Las soll uns der christliche Staat auch geben, l Nun, so hat ja auch der christliche Staat das Wiedervergeltungsrecht! Was haben denn die alten Griechen mit den ßdqßaqoi gethan? Und wenn die Taürier die Fremden schlachteten, soll dies mit ihren Abkömmlingen .auch geschehen? Aber nun lese doch Herr vr. Koch, noch nach , wie es heißt 2 Mos. 12, 49, 4 Mos, 15, 15. 16. 29. ein Gesetz, ein Recht soll dem Fremdlings wie dem Einheimischen sein. — Ei! mehr verlängen wir ja' gär nicht! Das gebet uns! - - - - ' ' Und was Herr vr.- Koch sagt, wir sehen die Regierungen nur für provisorisch an,' bis der/ Messias kömmt — nun, er frage doch alle löblichen Regierungen, ob -sie mit dieser Dauer nicht zufrieden wären? Er frage doch den König Ludwig Philipp, ob er über solch' ein Provisorium nicht ganz vergnügt wäre? — — '. Gewiß. ' Herr vr. Koch -hat - die Geschichte um Räch gefragt, aber er hat nur ein altes Blatt davon gelesen, ünd vergessen nmzublättern, er hat /nicht gelesen,., was seitdem dieselbe Geschichte der Juden, mit Blut und Schweiß.eingezeichntt,'-/ / Und nun nehme er unser Bekenutniß zum Schluffe