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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-02-18 · Heft 7 (18.2.1843) · p. Seite 100

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 7 (18.2.1843)
Date
1843-02-18
Page
Seite 100 (sequence 12)
Language
German
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100 unserer Glaubensgenossen dazu dienen mußte, sie der Theilnahme am Bürgerglück würdig zu machen, deren sich so viele Völker in brüderlicher Eintracht unter dem glorreichen Szepter Rußlands erfreuen. Denn wenn cs eine unbestrittene Wahrheit ist, daß ein Volk für die Wohlthaten, die ihm von der Regierung zugedachl werden, erst empfänglich gemacht werden muß; so ist es nicht minder wahr, daß diese Empfänglichkeit allein nur desto unglücklicher macht.— Sollte daher die geistige Höherstellung unserer hierländischen Glaubensbrüder nicht zugleich von ihrer Besserstellung im Reiche begleitet sein, so könnte jene nur dazu dienen, das Gefühl ihres Elends zu schärfen, und die schmerzliche Empfindung einer schmählichen Ausschließung nur noch .fühlbarer zu machen. Ist es dem Juden nicht gegönnt, mit seinen erworbenen Kenntnissen der menschlichen Gesellschaft nützlich zu sein, so berauben ihn eben diese Kenntnisse vielleicht des einzigen Trostes, den er in seinem Unglücke finden konnte, des Trostes nämlich, von einer Welt nichts zu wissen, deren Genuß ihm versagt ist. — Von der Erde verbannt, von. jeder Theilnahme an allen bürgerlichen Verhältnissen ausgeschlossen, von seinem Vaterlande selbst nicht als Landeskind anerkannt; kann es da noch dem Juden zum Vorwurfe gereichen, wenn er dort seine Zu-* flucht zu suchen glauben müßte, wo jedem Rechtschaffenen ohne Unterschied des Standes eine Bürgerkrone verheißen ist? Wenn die Uebung seiner Religionsgesetze die einzige Lebensbestimmung ihm ward, und das Forschen in denselben seine ganze Geistesthätigkeit ausschließlich in Anspruch nahm? Ihr habet ihn von der Erde verbannt, daher sucht - er sich in den Himmel einzubürgern! — Und dieses durch die Härte der Bedrückung verursachte Zurückziehen in sich selbst gebrauchen die Judenfeinde wieder als Ursache, diese Bedrückung noch fortdauern zu lassen. Mit sophistischen Scheingründen hören wir leider noch jetzt behaupten: Die Juden können nicht als Staatsbürger ausgenommen werden, weil Jsolirung der Grundzug ihrer Religion sei, weil sie immer mit einer heiligen Scheu alle europäische Civilisation und Gesittung von sich weisen. Kann man aber den der Jsolirung beschuldigen, den man mit aller Gewalt von sich stößt? Kann man aber den des Obskurantismus zeihen, der das Licht fürchtet, das seinen Kerker grell beleuchtet, und das ihm tausend glänzende Bahnen zeigt die ihm zu wandten verboten sind? — Eine Religion, deren höchstes Prinzip der Monotheismus ist, kann unmöglich ihre Anhänger zur Ausforderung von der übrigen Menschheit bestimmen, eine solche Religion muß vielmehr ihren Bekennern Weltbürgersinn einflößen. In der Leidensgeschichte der Juden findet man lichte Lebensblicke, die die schönsten Muster von Bürgersinn und Vaterlandsliebe darbieten, und in den Perioden, wo der Dränger nachließ, und ihnen eine kurze Ruhe vergönnt ward, sah man sie auch im Tempel» Minerva's die Ehrenstellen einnehmen, die allen gebildeten Nationen zu Theil wurde. Wollt ihr sie also zu nützlichen Staatsbürgern machen, so eröffnet ihnen ein Vaterland, wollt ihr sie gebildet wissen, so verschafft ihnen Gelegenheit, durch diese Bildung der Menschheit und sich dienen zu können. — Solche Betrachtungen sind nun auch bei uns rege geworden, und von diesem Gesichtspunkte ausgehend, wendete sich unsere Gemeinde mit einem Memoir an den Grafen, worin sie diesen erhabenen Menschenfreund bat, in diesem für das Schicksal unserer vaterländischen Gtaubensbrüder so wichtigen Moment, uns seine einflußreiche Fürsprache angedeihen zu lassen und Allerhöchsten Orts sich dahin zu verwenden, daß eine Verbesserung unserer bürgerlichen Verhältnisse mit der beabsichtigten Verbesserung unseres intellektuellen Zustandes verbunden werden möchte. Herr Dr. Lilienthal, der damals in unserer Mitte weilte, übernahm es, diese Vorstellung Sr. Erlaucht, der schon seit längerer Zeit sich in der Krimm befand, zu überbringen. Hierauf erfolgte gedachte Zuschrift, die um so mehr der Veröffentlichung würdig ist, weil sie den Gegnern der Judenemanzipation zur Genüge beweisen kann, daß sie umsonst ihre letzten Kräfte anstrengen, in das Rad der Zeit einzugreifen, und daß wahrend sie in ihrer Engherzigkeit, trotz eines geheuchelten Liberalismus, sich von den mittelalterlichen Vorurtheilen nicht loszureißen vermögen, hier wahrhaft fteistnnige Männer thätlg sind, die Schmach vergangener Jahrhunderte von uns zu wälzen und so die letzte Spur einer barbarischen Zeit auf ewig aus dem gebildeten Europa zu verbannen.

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