Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1843)
- Date
- 1843-02-18
- Page
- Seite 99 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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99 länglich reif sind, Gelehrte, Künstler , humanistisch Gebildete überhaupt. Diese können bis jetzt nach unserm Staatsgesetz nicht höher, als bis zum — Gefreiten avanziren, können daher überhaupt nie beim Eintritt in's Militär auf ihre Civilverhältnisse verzichten und nur stets strengen Gehorsam leisten, Gehorsam ihren Vorgesetzten Unter- und Oberoffizieren, welche größtentheils zu denjenigen Beamtenkathegorien gehören, die Vers, für sich reserviren will. — Wer würde, wir fragen Vers, selbst, wenn er sich-hierüber zu prüfen im Stande ist, im Selbstgefühle geistiger Gleichheit oder wohl gar Ueberlegenheit, Sklavensinn genug haben, sich den Schikanen und Launen mitunter halb - und ungebildeter Kamaschenbefehlshaber zu fügen, .die besonders gegen den Juden um so weniger ausbleiben, als man nie von demselben eine Revanche zu fürchten hat? — Daß die Juden ihr Militärkontingent mehr als^im Verhältnisse stellen, wo es bei ihrem regen Geiste und Thätigkeitssinne auf wahren Kriegs -, nicht Kamaschendienst ankommt, wo die Roth einerseits, körperliche und geistige Tüchtigkeit andererseits ihnen gleiches Recht zugesteht mit den Christen, haben die verhängnißvollen Kriegsjahre genügend dargethan, zeigen Holland und Frankreich hinreichend zu aller Zeit. ' ‘ . —g. Deutschland. Aus dem Qldenburgischen, im Februar. (Privatmitth.) Es wird - eine Zeit kommen — so fern sie auch noch sei in unserm deutschen Vaterlande — sie wird kommen, wo es thöricht sein wird, irgend einen Fall, wo eine Regierung ausgezeichnetes Wohlwollen gegen einen Juden ausübt, und wo ein Jude sich dessen würdig machte, hervorzuheben, darum nämlich, weil Beides etwas Gewöhnliches und sich von selbst Verstehendes sein wird. So lange diese Zeit aber noch nicht da ist, dürfen wir es nicht versäumen, solche Fälle zu sammeln, um unsrer Gegner willen, und um der Aneiferung willen. — Es. ist bekannt, daß im Großherzogthum Oldenburg die Juden noch im Schutzverhältniß stehen, daß aber die daraus entspringende Unfreiheit durch einen hochherzigen Großherzog und eine milde Regierung auf jede mögliche Weise gelindert wird. So wird von dem Schutzgelde der Landrabbiner besoldet, so steht es jedem Juden frei, ein erlerntes Handwerk zu üben ff. Ein gewisser S. Mendelssohn hatte acht Jahre freiwillig beim Militär gedient, und es bis zum Sergeanten gebracht; als er austrat, erhielt er, unbeschadet seines Glaubensbekenntnisses, eine Wegegeldhebestelle, und später eine Aufseherstelle an der Festungsstrafanstalt zu Jever. Zu gleicher Zeit bildete sich Herr M. als Turnlehrer autodidaktisch aus, und ließ es sich mit eigener Aufopferung gelegen sein, die Turnkunst in verschiedenen Städten Oldenburgs an den Schulen aufzubringen. Die rühmlichsten Zeugnisse wurden ihm dafür, und als er seine Erfahrung in einem (sehr günstig rezensirten) Buche: „Worte über die Turnanstalt zu Jever, ein Versuch zur Verbreitung der geordneten Leibesübungen im Großherzogthum Oldenburg, nebst einem Leitfaden für angehende Turnlehrer und zum Selbstunterricht" herausgab, wurden ihm von den Behörden die lebhaftesten Aufmunterungen. Da er sich aber gedrungen ssühlte, sich in seiner Kunst eine höhere Ausbildung, namentlich auch in orthopädischer Beziehung zu erwerben: so verlieh ihm der Großherzog ein Geschenk von mehren hundert Thalern, um eine Reise nach Deßau, Berlin, Dresden zu unternehmen. Diese Reise wird gewiß die besten Früchte tragen, und empfehlen wir den Herrn Mendelssohn zur geneigtesten Förderung in seinen Zwecken. Rußland und Polen. -Odessa, 16. Januar. (Privatmitth.) Meinem Versprechen nachkommend, Sie jedesmal von allem was hier, das Judenthum und die Juden Betreffendes vorgehet, in Kenntniß zu setzen, theile ich Ihnen durch Gegenwärtiges eine Zuschrift mit, den Seine Erlaucht, der Graf Woronzoff an die Odessaer Judengemeinde zu erlassen geruhete. Die Ukase vom 22. Juni 1842 hat unfern hierländischen Glaubensgenossen aus ihrem lethargischen Schlummer aufgeschüttelt, und in manchem Busen Wünsche und Hoffnungen einer bessern Zukunft angeregt. Bei der hochherzigen Gesinnung unseres gerechten Monarchen, bei der liberalen und menschenfreundlichen Denkungsart. Seiner Minister und Großenglaubt sich jeder zu der Hoffnung berechtiget, daß die, durch die erwähnte llrase beabsichtigte Bildung