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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-02-11 · Heft 6 (11.2.1843) · p. Seite 84

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 6 (11.2.1843)
Date
1843-02-11
Page
Seite 84 (sequence 12)
Language
German
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•84 Immer weiter dehnt die Zeit sich, doch ein Wunder nicht geschieht, Nicht-Vision und nicht Erscheinung, kein Prophet Zukünftiges sieht, Unerfüllt blieb Daniel's Spruch, und der Geist kehrt nicht zurück- Zum Herrn erheb' ich meine Hände, meinen dürstenden Blick: Au sammeln die. Vectriebnen von aller Erden Seiten! Doch glänzt einst die Morgenröthe der Zeit, der strahlenden, der weiten: Dann hebt des großen Königs Stadt, die heilige, sich empor, Metn freudig Auge schauet das hoch erhöhte Thor, . Des Iischai's Sohnes Herrschaft, von Propheten längst verkündet. Denn Erz und Eisen stärker, auf Ewigkeit gegründet! (Fortsetzung folgt.) ' Correfpondenz. Wanderung durch das Krakau'sche, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung.) September, 1842. Im Kasimir , findet' man mehre große Synagogen, die alle ungefähr in einer Gegend — nicht der erfreulichsten — zusammen stehen. Sie zeichnen sich durch Alterthümlichkekt der Bauart, durch ein düsteres, jedoch ehrwürdiges Ansehen aus, das von den verlebten düsteren Jahren, von den erlebten harten Kämpfen und den siegreich zurückgewiesenen Angriffen sprechendes Zeugniß giebt. Enorme Größe und prunkhasten Reichthum findet man in ihnen weniger. Der Ritus ist natürlich — der alte polnische Schlendrian, bereichert jedoch mit allen Arten von Unarten, die eine starre.Orthodoxie, mit einem mystischen Chasiidismus vermählt, Hervorbringen konnte. Ordnung, Ruhe, Würde, Harmonie sind nicht sehr beliebt. Das Gotteswort oder vielmehr die sogenannte Draschah, in echt polnischer Weise zugerichtet, ertönt wie in ganz Polen sehr bescheiden nur zweimal im Jahre an den beiden bekannten Sabbaten. Indessen versteht es sich, daß der Krakauer Rabbine bisweilen durch gehäufte Meßgeschäfte auch darin verhindert wird. — Eine Synagoge hier ist besonders merkwürdig durch das Grab des in der rabbinischen Welt so sehr berühmten R. Moses Jsserl's (aal), das sich im Schulhofe unter einigen anderen Gräbern vorsi'ndet. - Unweit der Krakauer Synagogen-Region giebt es einen Ort, den man das Plätzchen (Plätze!) nennt, wahrlich! einzig in seiner Art! Denn wenn man das 'Non plus ullra von gräulichem Schmutz, von trauriger Verfallenheit, von gräßlicher Armuth, kurz von der ganzen schrecklichen Größe menschlichen Tcübsals sehen null, so sehe man einmal das Krakauer Plätzchen. Freilich, gehört schon moralische und physische Stärke dazu, den Anblick zu ertragen. Wie? dachte ich, sind hier die Menschen zu Stein geworden, daß sie diesen unaufhörlichen giftigen Einflüssen, diesen nie versiegenden, todesschwangeren 'mephitischen Dünsten zum Trotz dennoch leben können? Und die lobt. Stadtbehörde und Medizinalpolizei kann es in ihrem Gewissen verantworten, daß Menschen auf solche Weise beisammen leben müssen. — NL.Dicht neben einer verödeten großen Stadt? daß sie auf solche Weise zugleich nothwendig eine Quelle von Krankheiten, Seuchen dgl. für sich und für ihre Umgebung werden müssen? vergißt man selbst an seine eigene Selbsterhaltung?-Aus dieser Betrachtung weckte mich plötzlich ein Lusistrom, der auf seinen Flügeln keineswegs die Balsamdüfte von Jericho trug, und ich verließ in aller Eile'das Plätzchen, und bald darauf — auch Krakau. Nachdem ich Krakau verlassen, und zwar, wie man leicht bemerkt haben wird, nicht sehr erbaut"), passirte *) Es giebt zwar in Krakau einige recht gebildete Leute selbst im schwarzen Kaftan — wir brauchen nur z. B. einen Herrn W. Schiff u. A. zu nennen — sie sind aber sämwtlich Autodidakten, deren Mängel und Vorzüge (Originalität) sie nicht verleugnen. Allein was haben sie dem Ganzen, wie es . da sieht, mit ihrer persönlichen Gelehrsamkeit genützt? — Mehr ließe sich schon von den wenigen, dort praktizirenden, jüdischen Aerzten erwarten, die bei dem jüdischen wie christlichen Publikum Vertrauen genieße», und zum Theil auch von den Behörden geachtet werden: wenn diese. Herren nur etwas aus ihrer engen medizinischen Sphäre heraustreten, und für das geistige wie politische Wohl ihrer sie umgebenden., so sehr verwahrlosten Brüder thatig wirken wollten! ' —

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