Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1843)
- Date
- 1843-02-11
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
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81 da fangt geradezu' die Individualität und ihre Forderung an. Darin liegt nun die ganze Schwierigkeit, ein Allgemeines zu geben, was dennoch den individuellsten Gefühlen sich anzuschmiegcn vermögen soll. Wir haben daher stets eine Sammlung von Betrachtungen für zweckmäßiger erkannt, als eine Sammlung von. Gebeten. Daß letztere sich in-der metrischen Form nur eine Schwierigkeit mehr schaffen, ist leicht ersichtlich. Allein das vermag den Genius nur noch mehr zu reizen. — Welche werden daher die hauptsächlichsten Forderungen sein, die an eine Gebetsammlung zu stellen? Zuerst: Erhebung, Schwung; die Seele muß durch sie herausgehoben werden aus der'Sphäre des Gewöhnlichen, und zu den höchsten Höhen der Geistes- und Gemüthswelt emporstekgen; das Gebet will die Seele mit Gott verbinden, und dieser ist in Gedanken wie in Gefühlen.das Höchste. Alsdann: Innigkeit, Warme, ja Gluth; es muß ein eigener Luftzug dem Betenwollenden entgegenströmen, der ihn elektrisch erfaßt,, der ihü ggnz und gar erfaßt und auf einen beföndöm Boden stellt, wo sich die verborgenen Regungen des Gemüthes entfalten, und das Herz sich erschließt. Ferner: Originalität; der Beter muß nicht bloß das finden, was er längst weiß, was Jedermann weiß, er muß überrascht, getroffen, durch neue Züge hingerissen werden,, denn des Trivialen ist ec übergewohnt, und wenn es noch so wahr und unleugbar sst,'fesselt und bewegt es ihn nicht mehr. Und dennoch auch: Klarheit; denn Dunkeles, Abstruses, Verworrenes wird den Beter abstoßen, daß seine, eben erst ausgestreckten Fühlfaden sich wieder zurückziehen, und der schöne Moment vorbei ist. Und über alles dies muß eine Frische der Empfindung, eine, fast naive Frömmigkeit ausgegoffen sein, daß der Beter in einen blühenden Garten einzutreten glaube, in welchem sich ihm tausend schöne Blüthen eines reinen, ^.ungetrübten Lebens erschließen, und wo die Früchte der Versöhnung auch'für ihn gewachsen. Wir fühlen die Schwierigkeit, die in dem Zusammenguff aller dieser Forderungen liegt,, wir fühlen, daß wir Hiermit ein Gebetideal zusammensetzen/das schwer zü erreichen, das aber wenigstens — angestrebt werden muß' von Jedem , der sich auf^ dies Gebiet wagt. ‘ Denn' wir hätten es im Gegentheil für eineVersündigung,7'gerade im Allerheiligsten statt der Parädiesesa'pfrlnach denen der Gebttbedücftlge langet, — taube Nüsse zu reichen.-Wenden wir uns wieder zu dem vorliegenden Weckchen, so können wir es mit dem besten Willen, mit der möglichsten Nachsicht nicht! toben. Wir wollen nicht in Abrede stellen," daß Einzeln nes gelungen ist, daß sich hie und da etwas Gutes sin-, det. Wie aber die Sammlung so.vor uns liegt, erfreuen wir uns derselben gar nicht. Was uns geboten wird, ist trivial, es hebt sich selten über das Gewöhnlichste, es ist ein betäubendes Reimspiel. Dabei ist die metrische Form nicht rein, Harren, fälsche Füße-auf jeder Seite. Nichts tritt eigenthümlich entgegen. Namentlich wurde uns das beständige Zv§ Schau tragen vom Gefühl der Sündhaftigkeit fast widerlich, da es dabei auf der äußersten Oberfläche stehen bleibt. Auch Sätze kommen uns vor, die unsrer Relr'gionslehre widersprechen. Wir wollen einige -Beispiele anführen. „Entkommen bin ich schon in Sünd' dem Mutterleibe, Ich wage kaum zu dir den Thranenblick." (S. 23.) ' Wie schief ist der Satz (S. 10.): „Hast Unheil Du, o Gott, heut'über mich beschloßen, So wend' in Deiner Gnad' es gütig von mir ab." Man lese am Fasttag (S. 43.): „Aus freiem Willen hungert' ich, Du Gott, mein Licht und Leben! Wenn Arme melden bei mir sich, . Will ich Almosen^geben ff. ff." —. Hamburg, im Januar. AUhier erscheinen „Blatter des Hamburgischen Vereins gegen das Branmwöintrinken" im zweiten Jahrgang, die sowol wegen ihrer löblichen Tendenz, als auch wegen ihres reichen Inhalts sehr empfehlenswerth sind. In der No. 1. d. I. ist folgende Anzeige enthalten, die auch wir ersucht wurden, mitzutheilen: „Nachvorhergegangener Berathung mit den Vereinen zu Berlin, Hannover, Stade, Oldenburg, Osnabrück u. s. w. und namentlich mit dem verdienstvollen Urheber aller Enthaltsamkeitsbestrebungen in Deutschland, Herrn Pastor Böttcher zu Imsen bei Alfeld, ist Hamburg zu dem Orte ausecseh'en worden, an welchem die erste-General-Versammlung der Deputaten' aller - deutschen Maßigkeils- und Enthaltsamkeits-Vereine gehalten werden soll. Der hamburgische Verein gegen das. Branntweintrinkender sich und die Vaterstadt, durch , diese . Verstimmung auf's höchste geehrt sieht, aber. apiA .zu.-gleicher Zeit, von der Bedeutsamkeit und. .Michtigkeit.^ dieses Schrittes auf's innigste durchdrungen ist, hat sogleich eine eigne Kommission, bestehend aus den Herren vr. Baumeister, . Prof. Bübendey:, Prof.. Büttner,' 0r. de '6