Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1843)
- Date
- 1843-02-11
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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79 Moldau und Wallacher. Bukarest, 6. Januar. (Privatmitth.) Sobald die No. 39 Ihrer Zeitung hier ankam — da wir sie durch Buchhändlergelegenheit erhalten , dauert es etwas lang — in welcher Ihr Aufruf zur Gründung eines jüdischen Hospitals in Jerusalem stehtwurde der Artikel sofort in's Spanische übersetzt und cirkulirte in der spanischen Gemeinde. Er hat bei den Meisten einen großen Anklang., gefunden, und wurde er auch an einem der folgenden Sabbate in der spanischen Synagoge verlesen, und zur Unterstützung empfohlen. Ich kann Ihnen zuverlässig Bedeutendes versprechen.. Rußland. Moskau zählte am 1. Januar v. I. unter 349,167 Einwohnern 241 Israeliten, von denen 118 als Gemeine im Polizei-Kommando dienen. Baktschiserai, 24. Dezember. Die Allg. Zeit, enthält folgende Schilderung der Karäer aus der Krim, > die manches Neues enthält, in der aber wie gewöhnlich alle anderen Juden zu Gunsten der Karäer heruntergesetzt werden. Welche treffliche Elemente z. B. die Gemeinde zu Odessa enthält, sahen wir ja erst vor Kurzem (No. 52 v. I. 1. d. I.). Die Schilderung lautet: „Die jüdische Sekte der Kara'imen oder Karaiten bildet' in einigen Städten der taurischen Halbinsel einen so namhaften Lheil der gemischten Bevölkerung, daß sie alle Aufmerksamkeit verdient. Anhänger dieser sehr merkwürdigen Sekte, welche den Talmud verwirft und nach den Ansichten gelehrter jüdischen Forscher ihren Ursprung vom Jahr 750^ n. Ehr. datirt, finden sich außer der Krim auch in Wolhynien und Litthauenin einigen Gegenden Südrußlands, besonders in Odessa und Cherson, und in Aegypten. In der Krim sind sie am zahlreichsten zu Koslof (Eupatoria) angesiedelt, wo sie fast den fünften Theil der Einwohner bilden und eine prachtvolle Synagoge besitzen. Dort lernte ich die Kara'imen zum erstenmal näher kennen und war sehr erstaunt'in ihren Gesichtszügen nicht die mindeste Aehnlichkeit mit irgend einer jüdischen Einwohnerschaft, die ich in Europa, Asien und Afrika gesehen, finden zu können. Am auffallendsten aber ist der Kontrast zwischen Kara'imen und polnischen Juden, welch' letztere in allen südrussischen Städten, wo sie irgend geduldet werden, besonders in Odessa sehr zahlreich sich eingenistet haben und durch Schmutz, zerlumpte Kleidung und Häßlichkeit sich ebenso sehr auszeichnen als jene durch die entgegengesetzten Eigenschaften Wohlgefallen. Die Kara'imen kleiden sich fast ganz wie die Gebirgstataren, denen die meisten so ähnlich'sehen, daß es schwer ist sie im Gewühl der südrussischen Märkte von den Mohamedanern zu unterscheiden. Zuweilen bemerkte ich auch, besonders unter den Knaben, ganz germanische Gesichter. Die^ Züge sind regelmäßig, die Haut sehr weiß, die Wangen roth, die Haare mehr hell als dunkel, aber sehr selten trifft man blaue Augen. Der Ausdruck der Physiognomie bei den Kara'imen ist einfach und sanft; das Düstere der polnischen Juden mit den zerzausten Schmutzbärten wohnt nicht in ihren Zügen, ebenso wenig der gravitätische Ernst der Mohamedaner des Orients. Viele Zeremonien der Kara'imen, besonders die bei der Beschneidung und der Heirath, weichen von den religiösen Gebräuchen der übrigen Juden ab. Polygamie ist in ihren Civilgesetzen erlaubt, doch macht keiner von diesem Recht Gebrauch. Sie sprechen das Tatarische ganz so wie die Tataren der südlichen Krim; die aus Polen eingewanderten Juden hingegen sprechen ein Deutsch das nur Juden verstehen. Während letztere voll Betrug und Wuchergeist in manchen Gegenden Südrußlands zur Landesplage geworden, stehen die jüdischen Kara'imen allenthalben im Ruf der strengsten Rechtlichkeit und Sittenreinheit, und haben daher selbst in jenen StädtenLutritt wo die übrigen Juden nicht wohnen dürfen, nWin Sewastopol. Die Kara'imen von Baktschisarai bewohnen in der Umgegend ein auf steilen Felsen gelegenes Dorf, Dschufut-Kaleh (Judenburg) genannt. Es ist dieß ein gar seltsamer WohmM^ .Der Fremde der zum erstenmal den steilen Fels!^^nach Dschufut- Kaleh emporsteigt, möchte in jener düstern Behausung oben eher den Horst von Geiern und Nachteulen als die Residenz jüdischer, mit Goldmünzen behangener - Kara'imenmädchen von schlankem Wuchs, schwarzen Augen und zierlich geflochtenen Zöpfen vermuthen. Zur Zeit der tatarischen Chanherrschaft durfte kein Anhänger dieser jüdischen Sekte die Stadt Baktschisarai bewohnen; sie'waren auf das Felsnest