Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1843)
- Date
- 1843-02-11
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
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78 Schule entsteht auf Schule, die Leistungen iiiiBÄ Forderungen wachsen; bald wird keine GeMeiM ohne'irgend ein Institut sein. Auch hier ist vor einigen Monaten eine israelitische Schule in's Leben getreten, und ist auch der Beginn noch klein, so ist es doch immer ein Beginn. Es hat sich ein doppeltes Kommite gebildet, von Herren und Damen, um die Sache in.Schwung zu bringen, und namentlich die Damen besuchen die Mädchenschule recht oft. — Was noch ganz mangelt, ist ein gutes Religionslehrbuch in englischer Sprache. Dieser Mangel wird dem Lehrer sehr fühlbar. — Im Ganzen findet hier in Manchester namentlich, ein Kontrast sich vor, der Alles, was man in Deutschland findet, übersteigt. Während nämlich der englische Jude fest am Alten hängt, sagen sich die ankommenden Deutschen fkst ganz vom Judenthume los, daß ihnen höchstens der Name bleibt. Wie unwohl muß sich da der von Eifer beseelte, aber geklärte Lehrer fühlen! D. A. Frankreich. Straßbrrrg, 5. Januar. (Privatmitth.) Der Courrier du Bas-Rhin (ein halb in französischer, halb in deutscher Sprache erscheinendes Blatt) vom heutigen berichtet aus Hagenau von einer daselbst so eben statt gefundenen, allgemeinen Armenlötterie. Eine israelitische Dame fand dabei Gelegenheit ihr Zartgefühl von den Personen aller Glaubensbekenntnisse würdigen zu sehen, indem sie einer der Kirchen von Hagenau ein schönes Christusbild, das sie gewonnen .hatte, zum Geschenk machte. Sie hatte alle Geböte es zu verkaufen abgeschlagen. — Derselbe berichtet aus Rappoltsweiler, vom 29. Dez. — „Verflossenen Samstag fand die Preisvertheilung in der israelitischen Kinderschule.statt, in Gegenwart des Kommunalkommittes, einiger Mitglieder des MunizipalKhes und einiger anderer nahmhaften Einwohner der Stadt. „Man bemerkte mit Zufriedenheit die Fortschritte der Schüler dieser Anstalt welche von den Herren Marx Bloch und Lippmann Bloch geleitet wird. „Dieser letztere erntete besonders pielen Beifall von seinen Zuhörern, wegen der erhabenen Ansichten und edeln Grundsätze, welche er in einer deutschen .Rede an seine Schüler entwickelte und worin er durch geschichtliche. Vergleiche wie Wohlthaten des öffentlichen Unterrichtes heraushob. < Er vernachlässigte auf der andern Seite nicht, den Aeltern der Schüler den ganzen Umfang ihrer Pflichten ans Herz zu legen und die Nothwendigkeit das Werk des Lehrers durch eine gute häusliche Erziehung zu ergänzen.. . „Die israelitische Gemeinde von Rappoltsweiler darf sich glücklich schätzen, ihre Kinder dem Unterrichte zweier so fähiger und eifriger Lehrer anvertraut zu haben."-— Strasiburg, 8. Januar. (Privatmitth.) L’Industriel Alsacien, ein nur französisches Blatts vom heutigen, enthält ein Schreiben aus Mühlhausen, worin das Konsistorium vom Niederrhein (Straßburg) vielfach belobt wird, weil es die Konfirmation zu einem Gesetz erhoben (s. No. 2.) Zum Gegensatz stellt es das Konsistorium des Oberrheins auf, welches nicht allein solche, die religiöse Kultur fördernde Maßregeln nicht trifft, sondern , die Gemeinden und Lokalbehörden noch in* jeder Art behindert.' -So sei der Rabbine zu Mühlhausen, Herr Dreyfuß, einer der einsichtsvollsten und thätigsten Geistlichen, der aber sich so gehemmt fühle von Seiten feines Konsistoriums, daß er sich darum um das Rabbinat Nancy bewerbe. Die Gemeinde von Mühlhausen selbst sei vom schönsten Geiste beseelt. Ueber zweihundert israelitische Kinder besuchen die allgemeine Stadtschule, wo der Rabbine selbst für die israelitischen Schüler Religionsunterricht und ein besonderer Lehrer hebräischen ertheilt. Vergebens hat derselbe aber bereits mehre.Male an das Konsistorium supplizirt, die Konfirmation ebenfalls einführen zu dürfen, aber dieses chat niemals geantwortet. Selbst das General-Konseil des Departement hat bei Gelegenheit der Votirung zu Gunsten der Arbeitsschule von Mühlhausen sich bitter über das Konsistorium ausgesprochen, und . gesagt, „daß es .nur von den Prinzipien des vierzehnten Jahrhunderts belebt, scheine" — und das Konsistorium hat weder sich gerechtfertigt, noch sei abgetreten.— — —. Rechnen Sie Alles in Allem, was ich Ihnen seit längerer Zeit mittheile aus dem Elsaß, und Sie werden finden, daß es in. der jüdischen Masse auch hier längst nicht mehr so aussiehtwie es deutsche Blätter bisweilen zu malen belieben.