Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1843)
- Date
- 1843-02-04
- Page
- Seite 70 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225287--04973-3235598- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
70 Rede am Sarge des verstorbenen, vr. Michael. Creizenach, gesprochenivon vr. I. M. Iost> in der Halle des Friedhofs, am 8. Aug. 1842. (Als Manuskript gedruckt.) Franks, a. M. Wir sind den Hinterbliebenen sehr zu Dank verbunden, daß sie uns ein Exemplar dieser körnigen, und die Trauer eines Freundes wahrhaft ausdrückenden Rede gefälligst übersandten. Da wir^noch keine genauere Biographie des Verstorbenen Ln diesen Blättern gegeben haben, theilen wir das Vorwort des Herrn vr. I. hier mit. „Michael Creizenach geboren zu Mainz am 16. Mai 1789, ward frühzeitig zum Studium rabbinischer Schriften angehalten, und zum Rabbinen bestimmt. Mit allen dahin gehörigen Kenntnissen wohl ausgestattet, erstrebte. er auch .anderweitige gelehrte Bildung, wozu er km Lyceum zu Mainz 1806—9, besonders in mathematischen und linguistischen Wissenschaften .überaus schnell fortschreitend, den Grund legte. Privatfleiß führte ihn zu einer hohen Stufe universeller, von einem seltenen Gedächtnissej und durchdringenden Scharfblicke unterstützter Gelehrsamkeit. Ergründeleim Jahre 1813 eine Privat-Erziehungsanstalt in Mainz, welcher er bis 1825 Vorstand. In diesem Jahre ward er an die Israelitischen Bürger- und Real-Schulen zu Frankfurt am Main, (die Vollendesten Anstalten, welche die Israeliten besitzen, und deren Leistungen mit den ersten Realschulen Deutschlands wetteifern) berufen. Er ward deren Zierde und Stolz, und seiner Thätkgkeit verdanken sie, nächst dem Oberlehrer Herrn vr. Heß, einen Theil ihres Aufschwungs.. 1824 war er zu Gießen zum vr. der Philosophie promovirt worden. Als Gelehrter, wie als.Schulmann, bereicherte er die Literatur mit vielen kritischen und pädagogischen Schriften; eine Menge Zeitblätter enthalten von ihm kleinere Aufsätze. Er hielt auch öfters in Frankfurt wissenschaftliche Vorträge. — Als Prediger und Relkgionslehrer strebte er nach Verbreitung reiner Begriffe und eines gemüthlichen Glaubens, verbunden mit der thätigsten Menschenliebe. Viele Gemeinden in der Umgegend erbaten sich bei feierlichen Gelegenheiten seine Mitwirkung, und zollten ihm ihre Anerkennung. Er stiftete nützliche Vereine, und war in mehreren ein gefeiertes Mitglied. Sein Körper war robust, seine Ausdauer bewundernswürdig, er schien zu einem hohen Alter bestimmt. Aber im Spätjahre 1841 verfiel seine. Gesundheit sichtlich. Im' Juni 1842 ward er nur durch andringliches Zureden der Aerzte und der immer besorgteren Freunde, bewogen, seine anstrengenden, Thgugkeiten einzustellen, und auf Herstellung .seiner Gesundheit bedacht zu sein. Leider war alles fruchtlos. Noch ^am 4. August ziemlich munter, erlag er einer , am selbigen. Abend eingetretenen Krise, und verschied am Abend des,5ten,. sanft, entschlummernd. . Dke> Leiche ward am 8ten Morgens bestattet. Die Trauer war allgemein, die ausgebreitete Theilnahme zeigte sich bei dem großartigen Leichenzuge, zu welchem auch aus benachbarten Städten sich Deputationen und Freunde eingefunden hatten, auf eine höchst rührende, wahrhaft erhebende Weise." Aus K, in Ungarn. (Eingesandt.) Bitte eines Freundes der hebr. Literatur. Die Herren Herausgeber der hebr. belletristischen Zeitschrift Tna werden ergebenst ersucht , diese Fragen: 1) wird diese Zeitschrift fortgesetzt? 2) werden auch fremde Mittheilungen ausgenommen? 3) welcher Tendenz müssen solche sein? 4) wie soll der Einsender solcher die desfallsi'gen Postbriefe adressiren? — in dieser Zeitung gefälligst beantworten zu wollen. . E. ,F. Correfpondenz. Wanderung durch das Krakau'sche, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung.) September, 1842. Dieses seltsame Mißverhältniß, diese Koexistenz von Leben und Tod kann nicht ermangeln, auf den Beobachter, wenigstens im ersten Moment, einen eigenthümlichen Eindruck zu machen, und mancherlei Gedanken zu erwecken, wie sonderbar auf dem Erdball die Verhältnisse gestellt sind, wie viele Früchte zu erwarten wären, wenn jener bewegliche Strom in das rechte Bett einer wesentlichen Thätigkeit geleitet und ihm der Raum gegönnt wäre, den-die Trägheit und Selbstgenügsamkeit-so schlecht auszufüllen versteht, wie --doch das vermag.der Leser selbst sich auszudenken. Wie aber überhaupt der kleine Staat oder vielmehr die Stadt (denn Staat, und Stadt-sind hier ziemlich identisch,) durch diese'ungleiche Pertheilung der Bewohnerschaft, durch das. Zusammenpfropfen einerseits und die öde Leere andrerseits in medizinischer, politischer und merkantilischer Beziehung ge-