Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1843)
- Date
- 1843-02-04
- Page
- Seite 69 (sequence 9)
- Language
- German
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60 .geben wir mit Herrn Vr. Fr. zudaß nach dem Talmud nur dann dem Israeliten gestattet ist 'seine. Religionsgesetze zu übertreten, wenn diese mit der Wertheidigung des Vaterlandes nicht zu vereinbaren sind, wie wir dies auch in unsrer desfalligen Petition an Se. Majestät den König ausgesprochen haben, und wie dies auch der Herr Rabbiner Dr. Geiger in seinem Schriftchen: Rabbinisches Gutachten über Militärpflichtigkeit der Juden, Breslau F. E. C. Leuckart 1842. dargethan hat, und wenn Herr E. sagt, daß nirgends hiervon im Talmud die Rede sei, da der Talmud >keir^ Bürgerthum außer dem Judenthume kenne, so zeigt er hierdurch seine Unwissenheit in der rabbinischen Literatur, öderer ignorirt nur die unzähligen Schriften der Kasuisten, die in ihren Rechtsgutachten diejenigen Fälle, welche im Talmud nicht enthalten sind, und theilweise auch nicht enthalten sein konnten, nach analogen Fällen und Aussprüchen in demselben zu Entscheidung bringen. ' Somit nehme ich Abschied von Herrn Eisenberg, und bleibe es ihm überlassen mich einen Don Quixote zu nennen, der gegen eine Windmühle gekämpft. Creseld, den 9. Januar 1843. vr. Ullmannn, Oberrabbiner. (Der zweite Artikel folgt.) Kassel, im Januar. (Privatmitth.) Es ist hiesiger Gemeinde hohem Orts aufgegeben, binnen einem Vierteljahre die Wahl eines Landrabbinen an des verst. Romann's Stelle zu treffen. Dresden, im Januar. (Privatmitth.) Die Wahl des Herrn vr. Frankel liegt jetzt höhern Orts zur Bestätigung vor. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 22. Jan. (Kleinere Schriften.) Der Paria von Fredrik Monton. Berlin, 1843. (S. 37.) Der pseudonyme-Dichter spricht sich in sehr fließenden Oktaven, voll glühenden edelsten Eifers gegen alle bürgerlichen Schranken aus, die, des -väterlichen Glaubens wegen, dem Juden noch entgegenstehetU Der Dichter bezeichnet sich als Christen. In I. verläßt-die Geliebte den Geliebtenals sie erfährt, er sei ein Jude- In II.'wird ihm die durch Tapferkeit errungene höhere Stelle und Auszeichnungaus demselben Grunde vorenthalten, 'm III. nicht minder die Ckvklstelle, in IV. trotz großer Auszeichnung in den Wissenschaften die Professur. In V. erkennen die Leute deshalb seine Wohlthaten nicht an, in VI. höhnen sie noch beim Leichenzuge — und dennoch^versöhnen den Dichter einige hinterlassene Worte des Verfolgten. Hierauf Schlußwort des Dichters. Trotz des lyrischen Ueberzuges ist das -Gedicht also— Satyre auf die bestehenden Verhältnisse. Der Dichter idealisi'rt nicht er enthüllt die Gegenwart in ihrer Blöße, wo bei innerm Bewußtsein des Rechtes und Wahren dasselbe nicht zur Wirklichkeit gebracht, sondern mit Sophismen umsponnen und auf's tiefste verletzt wird. Indem wir dem edeln Dichter unfern Dank bringen, können wir doch nicht umhin zu bemerken — und wir thun es als Deutsche mit tiefem Schmerzgefühle — daß das Gedicht lediglich ein — deutsches ist. In französischer, holländischer, englischer dgl. Sprache würde man es gar nicht mehr verstehen. --Um dem Leser die richtige Vorstellung söwol von der Richtung, als auch von der Sprache des Dichters zu geben, stellen wir die letzten drei Strophen des ganzen Gedichts hier her. „Wir Alle sind zur Seligkeit geboren, Au welchem Glauben wir uns auch bekannt, Kein Volk ist vor dem andern auserkoren. Dies glaub' ich fest, — ich bin ein Protestant,' Beharren mögen in dem'Wahn die'Thoren Und heben wider mich die unduldsame' Hand, Ich sag' es frei: Wo steht das Recht geschrieben, , Das jenes Volk zur Niedrigkeit getrieben? Schuf Gott den Menschen zu hes Menschen Knechte? Sind wir denn mehr als er, zu richten, wo er schweigt? Wohl giebt's in jedem Glauben Schlechte, WL ist der Mensch -, der sündenlos'Gott gleicht? Der Himmel gab uns Allen gleiche Rechte/ Und nur zur Schande; hat. es uns gereicht,; - Daß wir der Duldung Keim in uns ertodten. Im frechen Wahn den Mensch (en) mit Füßen treten. Noch herrscht des Dunkeln '.viel 'in unfern Zeiten, " . Wo ist der Fürst, betv ruhig hören mag," 1 Wenn gegen alten Vorurtheils Etöarmtichkeiten- Ein Biedermann mit kühner Stimme -sprach? - Doch wird das, Licht den. Szepttrisich. .erstreitey Und kommen wird ein sonnenklarer Tag, Ein großer Schritt wkrb's'sein zum neuen Leben, Dem Juden, wie dem Christ, sein Recht äks Mensch zu geben." 5