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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-02-04 · Heft 5 (4.2.1843) · p. Seite 65

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 5 (4.2.1843)
Date
1843-02-04
Page
Seite 65 (sequence 5)
Language
German
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65 zum Minimum heruntergebracht — wagten es nicht mehr, ihre Stimmen laut'werden zu lassen, um sich nicht dem Spotte der allgemeinen Meinung Preis zu geben. Ein Funke erhitzte nun alle Gemüther, Einer ermunterte den Andern, Ein Wunsch beseelte Alkes — die Errichtung einer zeitgemäßen Schule für die Wohlfahrt der Heranwachsenden Jugend. Es wurden Ausschußmänner gewählt — an deren Spitze Herr Dr. Mayer — die am 25. Dezember v. I. zusammentraten zur Entwerfung eines Planes, über die Art und Weise der Gründung einer Lehranstalt. Diese Anstalt soll, zur Sicherung ihres, fortwährenden Bestandes, der Protektion des löbl. Komitates unterlegt werden, welches gewiß — wie von einer solchen aufgeklärten und edelgesinnten Regierung zu erwarten — nicht anstehen wird, seine schützende' Flügel über sie auszubreiten. Sie soll schon mit nächstem Sommer in.'s Leben treten. Merkwürdig bleibt, daß dieser Schrittmit einstimmiger Freude gutgeheißen wurde; daß jeder Einzelne das ihm von den Ausschußmännern auferlegte Opfer eines jährlichen Beitrages auf den Altar des Heils, ohne alles Strauben und Einwenden wohlwollend niederlegte; daß selbst angesehene Männer der konservativen Partei, sich's zur Pflicht machten, die Schule fleißig zu besuchen um die Energie der Lehrer, und den Fleiß der Schüler zu erregen und lebendig zu erhalten. Möge dieses, nun alle Gemüther durchwärmende, edle Feuer, nie erlöschen; auf daß die Zukunft den im Schooße der Gegenwart aufbewahrten Saamen des Segens, zur gedeihlichen und segensreichen Reife bringen; auf daß der Dämmerung, heller, lichter Tag folge. Auch in der hiesigen Synagoge hat der Beobachter Gelegenheit zu bemerken, daß der ehrsame Vorstand, die Fortschritte der Zeit nicht ganz spurlos vorübergehen ließ, da auch hier —wenn auch kein Hamburger Gebetbuch und keine Orgel eingeführt, doch wenigstens — das an den Schachergeist erinnernde öffentliche Lizitiren der Mizwoth, aufgehoben wurde. Es wäre auch zu wünschen, daß, im Betreff des, die Andacht störenden, V2 Mächens, der Willkür des iiVfr ein Ziel gesetzt werde.. Auch hinsichtlich der Beerdigung der Todten, gereicht es der hiesigen Gemeinde zur Ehre daß sie so vorurtheilssrei ist, und der gesetzlichen Vorschrift pünktlich Folge leistet, was leider in vielen andern Gemeinden — trotz der Aufsicht der Behörde — nicht der. Fall»). Aus Ungarn, 4. Januar. (Privatmitth.) Ein im Zempliner Komitate wohnender, und im Jahre 1837 verstorbener Jsraelite, Namens Kästenbaum, vermachte in seinem Testamente die Summe von Zweimalhundert achzig tausend Gulden, zum Unterhalte eines Spitals, - zur Gründung einer Schule für die israel. Jugend, und zur Besoldung gewisser Rabbiner. Um die genaue Erfüllung seines Wunsches, und zweckmäßige Verwendung seines Geldes, bleibend zu sichern, empfahl der Testamentator sei-' neu Fond, dem Schutze des löbl. Komitates. Nun fand sich aber nach einer dreijährigen Rechnungsführung ein sehr bedeutendes Defizit, welches bei der, von den löbl. Ständen jüngst abgehaltenen Kongregation, zu verschiedenen, die Hochherzigkeit des ungarischen Adels, seine wahre väterliche Sorgfalt, im Interesse seiner jüdischen Unterthanen beurkundenden Diskussionen, Veranlassung gab. Es würde zu weit führen, wollte ich Alles wiedergeben, was bei dieser Gelegenheit zur Hebung und Förderung des jüdischen Wohls gesprochen worden. Die Worte zweier Assessoren mögen jedoch in den Spalten dieser Zeitung Raum finden. „Die in Ujhely bestehende, sogenannte Kästenbaumische Schule, die dem. Sinne des hochherzigen Gründers zufolge, zum Zweck hat, die israelitische Jugend zu einstigen Bürgern von Ungarn vorzubereiten, und das jüdische Volk der Emanzipation näher zu bringen, ist durch den unlängst verstorbenen, und besonders durch den vor Kurzem aus Polen hieher.gebrachten Rabbiner"), die. den Besuch derselben verpönt, und nicht verfehlt haben, allerlei Irr- und Aberglauben zu verbreiten — c’est tout comme chez nous — dürfte hier manche Gemeinde ausrufen — derart herabgebracht worden, daß sie bald unwürdig sein wird, von dem, zu den *) Man s. A. Z. d. I. 1842. No. 30. den Artikel „Aus Ungarn." ") Eine Schilderung 'd§s verstorbenen Rabbiners zu Ujhely, so wie eine Erwähnung seines Nachfolgers, findet sich in einem, in dieser Zeitung Jahrg. 1841. No. 37. aus St. Miklos datirten Artikel. Anm. d. Eins.

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