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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-02-04 · Heft 5 (4.2.1843) · p. Seite 64

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 5 (4.2.1843)
Date
1843-02-04
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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64 stellen. Bei der Unsicherheit dieser Angaben also sind die Prozentberechnungen des Prof. B. zu der ganzen Bevölkerung ohne Werth. Ob überhaupt die statistischen Angaben aus Rußland und Oesterreich, so bestimmt sie verzeichnet werden, ganz gewiß sind, wird aus Gründen bezweifelt. Man Artheile z. B. aus Folgendem: Nach Becher betrug die Zunahme der Juden in Galizien in den letzten sechs Jahren 11&, während ihre Zahl in Böhmen ' und Mähren unverändert blieb. Wenn auch die Zahl der Familien dort beschränkt sein soll, so ist diese Angabe doch nicht glaubhaft. Behauptet doch auch Becher, daß in Galizien auf 2200 Lebende unter den Juden nur eine Trauung jährlich komme — was auch Prof. B. verwirft. Zeitungsnachrichten. Oesterreich. Wien, 6. Januar. (Franks. Journ.) Dem Frhrn. Salomon von Rothschild ist dieser Lage eine seltene Auszeichnung zu Lheil geworden. Der Magistrat der Haupt - und Residenzstadt Wien übersandte Demselben das Diplom eines Ehrenbürgers, in Anbetracht seiner Verdienste um die Monarchie im Allgemeinen und in Anerkennung seiner lobenswerthen Bestrebungen um das Gemeinwesen 'der Stadt insbesondere. Freiherr von Rothschild ist durch seine seltene, namentlich im Stillen wirkende Mildthätigkeit allgemein geliebt und geachtet und die Verleihung des Ehrenbürgerrechts erregte hier eine freudige Sensation, um so mehr, da vor noch nicht langer Zeit zweien der höchsten Würdenträger des Reichs, den Grafen von Collowrat und Hardegg, von Seiten der Stadt ebenfalls Ehrenbürgetdiplome überreicht worden sind. Kornorn, 1. Januar. (Privatmitth.) Ich weiß den Antrittstag des eben beginnenden Jahres mit nichts Erfreulicherem und Angenehmerem zu feiern, als mit der Niederschreibung nachstehenden Berichtes, der der Veröffentlichung in Ihrem weitverbreiteten Blatte nicht unwürdig scheint. Ich habe bereits in meinem Aufsatze vom 15. April, in dieser Zeitung v. I. No. 22 erwähnt, daß Herr Dr. Mayer, zwar schon Versuche gemacht habe, die Konstituirung einer geregelten Schule, in der hiesigen Gemeinde, zu erwirken, daß ihn aber gewisse Hindernisse genöthiget haben — so sehr es ihn auch geschmerzt haben mag — sein Vorhaben fahren zu lassen. Welche Hindernisse konnten es aber gewesen seindie mächtig genug.waren, die lauten Stimmen der Zeit, und ihrer Bedürfnisse, zum Schweigen zu bringen? einen wackern Kämpfer für Beförderung des Güten und Nützlichen, der Religiosität und Moral, zum Strecken der Waffen zu zwingen? Der leidige Jndifferentismus, der nur für das Materielle lebenden geschäfttreibenden Klasse, die Lauigkeit der Orthodoxen gegen alle neuzeitliche Fodernisse einerseits, der unauslöschliche Haß der Zeloten gegen Fortschritt und Aufklärung anderseits, das waren die Hindernisse, die sich dem Gutgesinnten entgegen stellten,' jede Wurzel des Wahren und Reinen hintergruben. Laut und lange durfte die Stimme der Zeit predigen und ermahnen, Alles blieb taub, in Keines Ohr fand sie Anklang, kein Herz vermag sie zur Lhätigkeit zu erwecken, und ein Einzelner -^ was vermag dieser bei solchen Umständen? sein Aufruf verscholl, Keiner bot ihm die Hand zur Hilfe, Keiner nahm sich der gerechten Sache an; er mußte sich in seine Einsamkeit zurückziehen, und sein menschenfreundliches Vorhaben, hoffnungsvoll der Zukunft überlassen. Da nahm die Allg. Zeit. d. Judenth. auch für die hiesige Gemeinde das Wort — und wie ganz anders hat sich da Alles mit einem Male gestaltet! — Di'e Oeffentlichkeit wirkte zauberisch auf die Gemächer; die Blinden öffneten die Augen, und eine neue Welt that sich ihnen auf; sie sahen den blühenden Zustand manch anderer Gemeinden, wie Alles geistig lebt und wirkt, wie Alles dazu greift, Alles Hand anlegt,, zur Aufhebung der tiefliegenden, schmählichen, syzialen Verhältnisse; die Eltern singen an wahrzunehmen wie sie von den Lehrern ihrer Kinder — wenn ich Subjekte, die nicht von einem innern Drange, Apostel des göttlichen Wortes zu sein, nicht von dem heiligen Wunsche,!die jugendlichen Gemächer mit der Liebe gegen Gott, Religion und Nebenmenschen zu identisiziren beseelt sind , vom keinem innern Werthe, von keiner Autorität, sondern lediglich von Brodnoth zum Lehrer berufen, jeder gründlichen Kenntniß und allen Seelenadels bar, so nennen darf — hintergangen werden; die Orthodoxen hörten auf jeder Neuerung Hohn zu sprechen; und > die Zeloten — deren Zahl die Zeit schon ohnedies

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