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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-01-28 · Heft 4 (28.1.1843) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 4 (28.1.1843)
Date
1843-01-28
Page
Seite 59 (sequence 15)
Language
German
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59 men. Im Augenblick der Ankunft hatten wir sogleich Gelegenheit, uns von der weltbekannten Dienstfertigkeit der Krakauer hoffnungsvollen jüdischen Straßenjugend zu überzeugen; freilich auf sehr unangenehme Weise. Denn kaum hielt der Postwagen, als ein ganzer Schwarm von Orientalen (so nannte sie ein Freund, der neben mir saß, der das polnisch-jüdische Kostüm in dieser vollendeten Eigenthümlichkeit in seinem Leben noch, nie gesehen hatte, und in seiner Angst über diese seltsame Erscheinung sich einige Meilen vor Jerusalem versetzt glaubte,) uns umlagerte, und ungebeten Alles abzupacken und an sich zu reißen ansing, wahrend Andere wieder ein Dutzend Fiaker herbeiholten, und durch ihr ungestümes, kreischendes, bunt, durch einander geworfenes Fragen, wohin wir fahren wollten, ob wir nicht bei N. oder H. oder G. abzusteigen wünschten rc. förmlich zu vernichten drohten. Verscheuchen verschlimmerte noch das Uebel; denn bald traten andere, noch zudringlichere Fachgenoffen hinzu, und nun gaben sie uns obendrein das Schauspiel eines blutigen Zweikampfs der erbitterten Konkurrenten. Wir mußten uns also ergeben, zugleich dulden, daß wenigstens ein halbes Dutzend dieser dienstbaren Geister unsern Wagen bestieg und uns die Ehre erwies,, als -Lakaien, Vicekutscher, Seitensteher rc. rc. nach dem Gast- Hofe uns zu begleiten. — „ Es sind wohl jetzt hier Schulferien)" fragte mich einer meiner Freunde, „daß man mitten am Lage so viele Jungen müßig sich Herumtreiben sieht?" — Kann sein, antwortete ich, obschon ahnend, daß hier die jüdischen Schulen jene erhabenen Ferien feiern, wie sie vor der Schöpfung gefeiert wurden. Aber im Innern fragte ich mich: was muß ein christlicher Reisender zu diesem Unwesen sagen? wie wird er die Bildungsstufe der hiesige^ Juden und ihrer hoff- * nungsvollen Jugend charakterisiren, von diesem Bilde auf Alles schließend?-doch wir waren angelangt. Bald waren wir auf einer Wanderung durch die Stadt. Was man sofort bemerkt, die Stadt zerfallt in zwei gesonderte Theile, in die eigentliche Stadt und den Kasimir oder die Judenstadt. Nicht nur dürfen die Juden (die jüdischen Aerzte und einige sich deutschkleidende Individuen ausgenommen) allein im Kasimir wohnen, sondern sie dürfen sich auch nicht mit Waaren über die Grenzen dieses Krakauer Ghetto hinäuswagen, und sind noch anderen derartigen unerquicklichen Verfügungen unterworfen, die Jeden empören, der am Ende doch noch den Menschen in jeder Gestalt erblickt, weshalb wir den Leser mit deren Beschreibung verschonen wollen. Allein diese Trennung, diese Abgranzung hat sich auck) gewissermaßen gerächt: Krakau und der Kasimir unterscheiden sich von einander, wie ein Kirchhof und ein Jahrmarkt. Es könnte dies übertrieben, scheinen; allein mt einmal diese- Stadt in ihren beiden Theilen besucht, wer einmal jenes schwindliche Wimmeln, Rennen, Herumtreiben, jene Staunest erregende Beweglichkeit, jene gedrängt vollen Straßen, gedrängt voll von sich drängenden Läufern, Sprechern, Unterhändlern, die mit dem ganzen Aufwande ihrer Muskelkraft in Händen und Gesicht ihre merkantklischen Anpreisungen und Behauptungen bekräftigen, kurz wer jene überschwängliche Manifestation. eines durch und durch beweglichen Massenlebens im Kasimir ein einziges Mal beobachtet hat, und nun in die eigentliche Stadt hinübertritt, wo er in eine tiefe, wie mitternächtliche Stille mitten am Tage, in menschenleere Straßenzwischen antike, zum Theil halb verfallene Hauser gerath, wo ihm jeder Schritt mit vielfältigem Echo zurückhallr, wo die Einsamkeit fast mit Angst das Herz befällt, und dasselbe Gefühl erregt, wie wenn man eine am Tage vielbelebte Stadt um Mitternacht einsam überschauet —: wer diesen Kontrast selbst gesehen hat, der wird die Wahrheit obiger Vergleichung anerkennen. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Bei Moritz Geber,--Buchhändler in Hamburg,, ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen vorräthig:' Die zweite Auflage von Des Christen Dankopfer am Buß - und Bet tage. Eine Predigt unter dem freien Himmel vor Christen und Juden gehalten am Sten November 184S von einem protestantischen Geistlichen. 8. geh. Preis 4 Ngr. Dies Schriftchen hat hier ungemeine Sensation er> regt, was bei verstärken Nachfrage auch eine zweite Auflage veranlaßte; wegen der Freimülhigkeit, mit der darin

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