Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1843)
- Date
- 1843-01-28
- Page
- Seite 58 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225286--04960-3235584- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
58 berg, Einer oder mehrere in Fürth, viele aber kn Schnairag und in andern in .der Nähe Nürnbergs gelegenen "Dörfern wohnen durften; daß zehn Jahre später schon neue Wohnungen für sie in Fürth erbaut wurden, und die Nürnberger gerne mit denselben in Geschäftsverbindungen traten; daß sie sich in Fürth schnell vermehrten und nach Verlauf von 89 Jahren, unter dem Schutze des Domprobftes von Bamberg, schom eine bedeutende Gemeinde bildeten. - Nach einer in dieser Gemeinde verbreiteten Tradition sind die liturgischen Anordnungen der Nürnberger Nabbinen*) in die Fürther Synagogen durch mündliche Ueberlieferungen übergangen, wie Rabbi Joseph Steinhart und fünf Nabbinats-Beisitzer in der zur Herausgabe der Fürther Synagogen-Ordnung (Minhagim 1767) ertheilten. Approbation bezeugen: Wie wir.gehört und empfangen haben, Mann von Mann, stammen diese Minhagim von den Weisen der Einwohner in Nürnberg her u. s.w. Wird nun die Eingangs erwähnte Grabes-Inschrift mit den allegirten Dokumenten und der Tradition verglichen, so könnten sämmtliche Meinungen durch die Annahme vermittelt werden, daß zwar, nach Schud, viele Israeliten von Nürnberg in Frankfurt a. M. Aufnahme gefunden, daß sich aber auch viele, nach Richter, in der- Nähe von Nürnberg, Bamberg und Ansbach niedergelassen haben. , Dr. S. Mayer, Rabbiner. *) Die Nürnberger Rabbinen standen in hohem Ansehen, wie z. B. Mordechay, Ri Molen, Jacob Weil u. A. Mordechay Sohn Hillels wurde zu Nürnberg 1310 erschlagen. Zemach David Th. I. Jahr 5070. Aus den Th'schuboth des R. Jac. Weil ergibt sich, daß die Rabbinen in Nürnberg bei vielen kasuistischen Anlässen und in vielen wichtigen Angelegenheiten auswärtiger Gemeinden zu Rath gezogen wurden, und daß die Hochschule sehr besucht gewesen war.. In den 181a wird es als eine verdienstliche und den Scharfsinn stärkende Uebung empfohlen, wenn man bs ^21 ^W|l-p2 nach wahren Methoden aufzulösen sucht. Wagenseil, Nagel u. A. gaben sich viele Mühe, diesen Nürnberger Neüwdus oder modus disputandi zu erklären. C^orrefponSenz. Wanderung durch das Krakau'sche, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. September, 1842. Die Allgem. Zeitung des Judenthums begleitete zum ersten Male einen neuern jüdischen Ressenden auf seinen Wegen — ich meine die Briefe aus dem Orient von vr. L. Löwe — sie soll es auch mir thun, und meine Erfahrungen und Erlebnisse, meine Beobachtungen und Bemerkungen in ihren Schooß aufnehmen. Ich verspreche ihr dafür alle mögliche — deutsche.— Gründlichkeit, die Unterdrückung alles Flüchtigen — da ich auch wirklich langsam reiste — und daß ich so treu meine gewonnene Ueberzeugung aussprechen will, wie — es die meisten Reisenden nicht thun, da sie kaum eine Ueberzeugung gewinnen, sondern Ahnungen und Muthmaßungen schon in die Wirklichkeit versetzen. Daß ich aber überhaupt" diese Reiseskizzen aufsetze, kömmt daher — hier könnt' ich das weite, vielbearbeitete Feld aller der Gehässigkeiten betreten, welche die Reisebeschreiber gewöhnlich über die Juden, namentlich der.Lander, die eben in der Uebecschrift genannt sind, auszuschütten pflegen, und mich zu ihrem Ritter aufwerfen, aber ich verspüre keine Ritterkraft, sondern höchstens die Fähigkeit der Schilderei in mir — kömmt daher, daß ich merke, ich habe Etwas zu sagen. Wer aber läßt es sich wohl in unseren Tagen 'gefallen, zu schweigen —wenn er Was zu sagen hat? Also geschwind zur Sache, denn der Leser will nicht hören, was er selbst weiß, sondern was ich zu sagen habe. I. Krakau. -. Wir (d. h. Schreiber dieses und einige Freunde) verließen den preußischen Boden, und befanden uns nun im Gebiete, der Freistadt Krakau. Ohne eine eigentliche, sichtbare Grenze zu gewahren, erfuhren wir dies jedoch schon ' zur Genüge aus dem Munde der elenden, eingefallenen Dörfer, der noch elendem, an die Sandwüste Sahara lebhaft erinnernden Landwege, der großen hölzernen, verwitterten Feldkreuze, die alle mit verständlichster Sprache zeugten, daß. wir uns auf dem klassischen Boden eines polnischen Freistaats befinden. Dieses Zeugniß wurde indeß immer sprechender, je näher wir —- von dichter Staubwolke umhüllt — der Hauptstadt ka-