Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1843)
- Date
- 1843-01-28
- Page
- Seite 56 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Magdeburg, 16. Jan. (Kleinere Schriften.^ Okkraväv Lu Dien üe l'Ilm^ers, xar ^.u§usw kajrlus. Lyon, 1842. Das. vorliegende Werkchen (47 S. gr. 8.) ist merkwürdiger Art. Nicht weil es zwei Reden, im israelit. Tempel zu Lyon gesprochen, enthält, wovon die zweite, beim Trauergottesdienste für den Herzog von Orleans, nur unbedeutend, wie auch „ein Wort über die Reform des israel. Kultus," in welchem er die Bildung einer großen Synode verlangt — alles dies ist nicht merkwürdig. Nicht weil .die erste Rede, am vergangnen Rosch haschana gesprochen, eine Monstrosität an Umfang (36 S. gr. 8.) wie an Unform ist, in welcher kaum ein Faden zu erblicken — auch dies ist nicht merkwürdig. Endlich nicht weil eine Gluth für die Religion Jsrael's kn dieser Rede verbreitet ist, welche in dem geistigen Wärmemesser den höchsten Punkt erreicht — Gott sei Dank! ist auch dies keine,Merkwürdigkeit mehr in Jeschurun. Sondern merkwürdig ist diese Rede wegen der unbeschränkten Kühnheit, mit der sie das Judenthum und Christenthum in ihren Gegensätzen, sowol vom historischen, als auch dogmatischen Standpunkt, aufstellt. Wir gestehen, dergleichen noch nicht gelesen zu haben. Nur in einem Lande, wo man gewohnt ist, die Parteien .sich bis in's äußerste Extrem aussprechen zu sehen, und dennoch sich gegenseitig zu ertragen, darf eine Minorität ihre ganze Meinung selbst bis zur Bitterkeit darlegen. Da aber, wo die Ruhe der Gemüther nur durch eine abgemessne Zurückhaltung erhalten wird, muß die Saure des scharfen Gegensatzes vermieden werden. Man muß die Umtriebe der Missionäre im mittägigen Frankreich kennen, man muß die Verketzerungen des Judenthums, die sich diese zu Schulden kommen lassen, kennen, man muß dabei den-religiösen Jndifferentismus kennen, der dort im Allgemeinen herrscht, und den Boden für Religkonswechsel aus Apathie so fruchtbar macht, um die Heftigkeit des Redners zu begreifen. Frankreich ist das Land, wo der Kampf im Gebiete der Bekehrung zwischen Judenthum und Ehristenthum ausgefochten werden'kann. Deutschland ist es nicht, weil da dem Judenthum die Freiheit der Bewegung fehlt; England ist es nicht, weil da viel zu sehr am Nebensächlichem, am Minutiösen herumgeklaubt wird, und das Allgemeine der Religion dort noch nie zu -fruchtbarer Untersuchung gedieh, weshalb es das Land der Sekten , und gerade die Staatskirche ohne entschiedenen Charakter ist (man denke an den Puseyismus). Sondern Frankreich ist es, wo einen Theils die Juden in bürgerlicher Beziehung völlig gleich stehen) so daß von äußeren Momenten bloß das mechanische Gewicht der Majorität, günstig für die Bekehrung ist, andern Theils die allgemeinen Prinzipien das eigentliche Objekt aller Diskussionen ausmachen. Und dieser Kampf, er ist erwacht. Das Werk von Anspach (parole (Tun Israeiite croyant), diese Rede von Fabius, erweisen es. Es sind die ersten Schneebälle einer großen Lauwine!- Freuen wir uns, daß das israelitische Frankreich so seine Bestimmung findet! Das deutsche Judenthum ist bestimmt für die Untersuchung, der innersten Doktrin; das englische Judenthum für das gewichtige Faktum (man denke a,n die Mission nach Aegypten, wo Cremieux, der Franzose, eine nothwendige, aber nur persönliche Zugabe war, England Alles machte, Man denke an die Absendung des jüd. Arztes nach Jerusalem;) das französische Judenthum für den Durchkampf der Prinzipien. — Daß wie von diesem Standpunkte aus das Werkchen für merkwürdig erklärten, wird man nun leicht verstehen. Geschichte. Geschichtliche Notiz. Kechingen, im Dezember. — In dem nunmehr geschlossenen Berichte über die ersten Niederlassungen der Juden in Mittelfranken von Herm Prof. Fuchs kn Ansbach wurden ausführliche Mittheilungen über die israelitische Gemeinde in Fürth erwartet, da dieselbe in der Vorzeit von einflußreicher Bedeutung war, und noch in der Neuzeit dadurch Epoche machte, daß sie ein Gegenstück zur Breslauer Nabbinats-Angelegenheit aufführte, indem hier Tiktin's feindselige Bestrebungen nach Recht und Pflicht unterdrückt wurden *), dort aber Ham- *) Bei diesem Anlaß kann ich nicht umhin zu bemerken^ daß die von dem Rabbiner zu Posen in seinem dießfalls abgegebenen -Gutachten ausgesprochene Ansicht, daß der Jude, der die. Gebote von Sukka, Lulab oder Th'phillin nicht halte, aufhöre ein Jude zu sein, mit der in dem unter Aufsicht und Leitung des verst. Rabbiners Bing zu Würzburg bearbeiteten und von dein Rabbinate zu Fürth und. ando-rn Rabbinen geprüften und anerkannten Behr'schen Lehrbuch der mosaischen Religion