Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1843)
- Date
- 1843-01-28
- Page
- Seite 55 (sequence 11)
- Language
- German
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55 sich an sie knüpft. Allein die. Dienste, die sie leistet, sind zu'> hervorspringend', ihr Inhalt zu erhaben, ihr Zweck zu großartig, und dies Alles zu augenscheinlich, als daß es absichtlicher Verkleinerung gelingen könnte, es wegzuleugnen. Freilich, wenn der Reiz der Neuheit sie nicht mehr mit besonderem Glanze überziehet, wird ihr Wirken geräuschloser, aber desto tiefer und wahrer, gewiß aber hört es damit nicht auf. Die Erfahrung lehrte mich dieses jeden Tag, und ich kann es um so eher aussprechen, als derjenige, welcher meine Bestrebungen kennt, nicht sagen wird, ich streite hier pro ara et focis, da meine Thätigkeit sich nicht allein auf die homiletische beschrankt. — Wenn man daher der Predigt vorwarf, daß sie nicht wissenschaftliche Tiefe besitze, so behelligt man sie freilich mit Dingen,.die gar nicht in ihrem Bereiche liegen, und es kann solcher Vorwurf nur von denen ausgehen, die aus der Wissenschaft auch wieder ein steinernes Götzenbild,machen, oder die, der Kraft der Rede beraubt, doch das Amt eines jüdischen Geistlichen erstreben. Die Predigt ist für das Bedürfniß der Masse, die der Wissenschaft'Nichts abgewinnen kann, und wenn nun die Predigt ein Produkt der Wissenschaft sein muß, so kann, sich diese darüber nicht ereifern, wenn ihr Produkt nicht sie selbst ist. .Die Wissenschaft ist übrigens das Werk der strengen Denkkraft, aber das Gemüth des Menschen will auch seine Befriedigung haben. Die Predigt ist die Vermittlerin der theologischen Wissenschaft mit dem Leben, und als solche muß sie auch von der Wissenschaft geehrt werden, und wird e§ auch in allen Kreisen, wo nicht entweder die Frivolität oder die Dürre ihre Herrschaft behaupten wollen. •— Wenn man endlich das allzuviele Veröffentlichen von Predigten tadelt, so trifft dies in jetziger Zeit alle Zweige der Literatur, und kann darum aus aller und jeder Veröffentlichung kein Vergehen gemacht werden. Geht doch am. Ende das Gute dennoch seinen Weg. Von der andern Seite hat man der jüdischen Predigt sehr häufig den Vorwurf gemacht, daß sie nur Nachahmung der christlichen sei. Auch hier hat man einen bisweilen, gerechten Tadel zum allgemeinen gestempelt, der immer, auch wo er grundlos ist, wiedergekaut wird. Daß da, wo allgemeine menschliche Verhältnisse besprochen werden, der jüdische Prediger mit dem christlichen zusammentrifft, liegt in der Natur der Sache, und kann demnach keinen Vorwurf begründen. . Bewegt sich der jüdische Prediger lediglich in solchen Kreisen, so erfüllt er allerdings seinen Beruf nur einseitig, und verdient in sofern Tadel, da die Zeit drängt, der Aufgabe in vollem Umfange nach seinen Kräften zu genügen. Hascht er sogar nach christlichen Phrasen, und sucht sie auf seine Weise anzuwenden, so ,thut er gewiß Verwerfliches, da hierdurch nur Verwirrung herbeigeführt, und sein Treiben auf Schein -gestellt ist. Die Predigt mußte sich aber in der Synagoge mit der Zeitbildung nothwendig ergeben, und kann daher in bcr Synagoge nur als zeitgemäßes Anpassen, nicht als Nachahmen gelten, weil der Jude überhaupt der vorhandenen Zeitbildung nachstreben mußte. Im wechselseitigen Geben und Empfangen zwischen den Völkern und besonderen Kreisen der Menschheit besteht überhaupt der Fortschritt des Menschengeschlechts, und dann hat die jüdische Nation der Welt in ihren heiligen Schriften so Vieles gegeben, und ist neben der alten klassischen Welt so sehr Grundlage der Neuzeit geworden, daß sie ohne zu erröthen, auch.Etwas nehmen kann,- wenn sie es nur auf ihre Weise zu verarbeiten versteht. —. In diesem Sinne, in diesen Ansichten und Meinungen übergebe ich diese Sammlung dem theilnehmenden Publikum, allerdings im Gefühle von mancherlei Mängeln, im Bewußtsein, hinter dem selbstgestellten Ideale zurückgeblieben zu sein, aber doch mit' dem Vollgefühle, überall von heiligen Ernste durchdrungen gewesen zu sein, und zu jeder Zeit mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen gesprochen zu haben." — Dies das Vorwort. Um dem Leser das, was er in dieser Sammlung zu finden, übersichtlich zu machen, stellen wir noch das Inhaltsverzeichnis her: I. Buße, Gebet, Wohlthätigkeit. — II. Die rechte Ruhe. — III. Hinauf zu Gott. — IV. Zurück zu Gott. — V. Vollkommen mit Gott. — VI. Gottgeweiht. — VII. Die rechte Freiheit. — VIII. Finden — verlieren — suchen. — IX. Die Erziehung. — X. Das Bekenntniß. — XI. Was gehört zum Israeliten? — XII. Die Rückehr Israels.— XIII. Die Erhaltung Israels. — XIV. Die Freude an unserm Glauben. '— XV. Der Frieden in unserm Glauben. — XVI. Die Relkgionswirren der Gegenwart. — XVII. Nichts dazu, Nichts davon. — XVIII. Der einige Gott bei allen Völkern. —XIX. Das Heilkgthum. — XX. Die vollkommne Reinheit. — XXI. Die beiden Menschenklassen. — XXII. Ein Sitz in der Menfchenwelt.-— XXIII. Das Älter. — XXIV. Eine Konsirmationspredigt. —XXV.XXVI.Zwe^Synagogen-E^'nweihungspredig^en.— XXVII—XXIX. Drei Grabreden. — XXX—XXXIV. Fünf Traupredigten. — Die Ausstattung ist vorzüglich.