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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-01-28 · Heft 4 (28.1.1843) · p. Seite 53

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 4 (28.1.1843)
Date
1843-01-28
Page
Seite 53 (sequence 9)
Language
German
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53 daß die Gemeinde zum abschreckendsten Tummelplatz der Jntriguen, kleinlichsten Reibungen ff. wird. Endlich macht es ihn — zum Heuchler, indem er selbst in den unbedeutendsten Dingen die orthodoxeste Strenge zeigen muß, mm das Mißtrauen zu überwinden — was ihm doch nicht gelingt. Wer aber einmal sich so auf's Extrem gestellt hat) ist, will er konsequent bleiben, nicht allein, für den Fortschritt, sondern auch für Vas Zeitgemäßeste verloren. — Und dennoch hängt wieder seine ganze Laufbahn davon ab. Er hat eine Stelle bei einer kleinen Gemeinde angenommen; zerfällt er mit ihr, so hat er seinen Ruf verloren, und er hat nie auf einen andern Wirkungskreis zu rechnen. Von dieser kleinen Gemeinde geht die Meinung aus, die sich in der Welt von ihm verbreitet, und da die Schreier schreien, aber die Einsichtsvolleren schweigen: so sieht er vom ersten Augenblick seines Amtes sein ganzes Leben abhangen. Genug, man steht, Talent, wirkliche Gelehrsamkeit, aufrichtiges Streben, nicht diese entscheiden, sondern — Gewandtheit und Heuchelei. Man wird fragen, was denn dem Korrespondenten der Allg. Zeit. d. Judenth. diese Zeilen in die Feder gejagt, was ihn so in Harnisch gebracht? Es ist ein jüngster Vorfall in Wreschen, der an sich sehr unbedeutend ist, aber für die Sachlage, die wir eben skizzirt haben, sehr charakteristisch. Wir wollen Entschiedenheit haben, wir wollen nicht ewig zwei Gegensätze sich gegenseitig aufheben sehen, wodurch wir nur der Früchte Beider verlustig gehen, bereut dem Pharisäismus! Wir wollen in das Einzelne des gedachten Vorgangs nicht eingehen. Unser Rabbine, Dr. Gebhardt, hatte in einem kasuistischen Falle nicht nach den gangbaren Autoritäten, sondern nach der eines entfernter liegenden, jene widerlegenden Poskenisten entschieden. Ohne die letztere zu kennen, erhüben die Zeloten ein Zeter, schrieben an alle Rabbinen, der Kempner Rabb. erließ eine Bannbulle, der Posener bestätigte sie, Alles in der alten Welt jubelte, endlich dem Dr. G. einen Schnitzer nachgewiesen zu haben, es war'um letztem geschehen — als die Entscheidungen dreier, schon zwanzig Jahre im Amte stehenden Rabbinen ankamen, die — Dr.- Gebhardt Recht gaben! Seine Gegner — wichen beschämt zurück, und der erfreute Vorstand ertheilte Hrn. Dr. G. eine jährliche Gratifikation untz eine Erhöhung der Traugebühren. In diesem Geschichtchen spiegelt Euch, — aber wenn es nur nicht so Viele gäbe, die niemals Etwas zu lernen verständen!- Literarische Nachrichten. Magdeburg, 15. Januar. So eben ist fertig geworden: Siloah, eine Auswahl von Predigten. Zur Erbauung, so wie insonders zum Vorlesen in Synagogen, die noch des Redners ermangeln. Von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsom Leipzig, Baumgärtner's Buchhandlung. 1843.. — Um diese Predigtsammlung, die wir dem Publikum mit Vertrauen auf freundliche Aufnahme und mit dem innigen Wunsche einer segensreichen Wirksamkeit übergeben, ihrem innern Standpunkte nach zu bezeichnen, lassen wir hier das Vorwort folgen, um so mehr, da dieses auch einige allgemeine Bemerkungen enthält. — „Der Verfasser gab in den Jahren 1834—1836 das „Israelitische Predigt- und Schul-Magazin"^ heraus, welches mit dem Beginn der Allgemeinen Zeitung des Judenthums zu erscheinen aufhörte, und seitdem gänzlich vergriffen worden. Seit dieser Zeit habe ich von meinen in den Synagogen der hiesigen und verschiedener benachbarten Gemeinden gehaltenen Vortragen, außer drei Gelegenheitsreden und zwei in der gedachten Zeitung abgedruckten Nichts dem Drucke übergeben. Häufige Anforderungen bestimmten mich jetzt, ausgewählte Predigten aus dem verflossenen sechsjährigen Zeitraum hiemit zu veröffentlichen. In der Auswahl leitete mich insonders der Gedanke, von den meisten der mannichfaltigen Formen und Richtungen der jüdischen Predigt, wie sie sich mir abwechselnd zur praktischen Ausführung ergeben, hier einige Beispiele heranzübrkngen. Um dies ersichtlicher zu machen, erlaube ich mir einige Betrachtungen. Die jüdische Predigt hat, nach den Erfordernissen. der Jetztzeit, eine dreifache Aufgabe. Zuerst hat sie den Inhalt der Religion, der jüdischen insbesondere, zu lehren, und von ihrem Standpunkte aus zu bearbeiten. Alsdann muß sie, je mehr das Juden-, thüm in neuerer Zeit zum Kampfe gegen seine Umgebungen aufgerufen wird, die Vertheidigung führen, und seine Lehren und Grundsätze denen anderer Religionsparteien scharf gegenüberstellen. Endlich hat sie den besondern Beruf, den auch im Judenthum um sichf greifenden religiösen Jndifferentismus zu bekämpfen, 4

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