Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-01-28 · Heft 4 (28.1.1843) · p. Seite 49

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 4 (28.1.1843)
Date
1843-01-28
Page
Seite 49 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225286--04951-3235575
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

49 sterlinge können Zeloten sein — zeigt folgender Artikel in der zweiten Beilage zum hiesigen Journal vom 2. Januar:' „Fürth, 27. Dezember. — Corresp. Noch immer schwebt die Untersuchung des hiesigen Rabbiners Dr. Levi. Gegenwärtig ist wieder ein Ministerial-Kommissär hier, um die Abstimmungen der einzelnen Familienväter fortsetzen zu lassen, durch welche entschieden werden soll, ob Levi am hiesigen Rabbinate verbleiben darf. Ein bitteres Gefühl muß es für einen gebildeten, helldenkenden Mannsein, jeden armseligen Schacherer über seine Existenz aburtheilen lassen.zu müssen! Wann wird endlich die Zeit kommen, wo die Israeliten die alten, zeitwidrigen Vorurtheile aufgeben? Die ganze Anklage eines Theiles der hiesigen Judengemeinde gegen Di'. Levi ist einer der schlagendsten Beweise gegen ihre sonst so wünschenswerthe Emanzipation. Denn warum klagte man den Do. Levi an? W.eil er die alten, lächerlichen, anstößigen, menschenfeindlichen Eigenthümlichkeiten der Juden nicht gut heißt, weil er, mit möglichster Schonung der Altgläubigen, seine Gemeinde auf den Standpunkt der heutigen Civilisation zu erheben sucht, mit anderen Worten, weil er, wie viele andere Rabbinen, daran arbeitet, sein Volk aus der menschenfeindlichen Stellung, die es bisher vermöge seiner Gebräuche gegen die Nichtjuden einnahm, herauszuheben und so die Welt mit seinem Volke zu versöhnen. Denn wenn ein Jude sich weigert, aus der Schüssel eines Christen zu essen, mit dem Messer eines Christen zu schneiden: ist dieser Gebrauch etwa dadurch entschuldigt, daß der .Jude ein Gesetz vorschützt? Gewiß nicht. Wir fragen: worauf gründet sich dieses Gesetz? Es gründet sich auf die Ansicht, daß jeder Nichtjude unrein sei, daß sich der Hebräer, der einem auserwählten Stamme angehöre, verunreinige, wenn er mit einem Christen esse. Der Hebräer betrachtet also den Christen als ein unreines, tief unter ihm stehendes Geschöpf, das, wie er. glaubt, im messianischen Reiche zu seinem Dienste bestimmt sei. Sollte man es glauben: die altgläubigen, sogenannten schwarzen Juden in Fürth haben unter ihre 'Anklagepunkte g?- gen Dr. Levi auch den gesetzt, daß er durch Klagen über die staatsrechtlichen Verhältnisse der Juden Unzufriedenheit veranlasse! Ja diese Schwarzen wollen nicht emanzipirt sein, sie wollen sich nicht an die Christen anschließen, sie tragen fortwährend die hochverrätherische Hoffnung eines weltlichen Königs oder Messias aus jüdischem Stamme in sich, der sie zu Herren der Welt machen soll! — Um so lieber werden unsere Leser folgende ruhige Widerlegung in der ersten Beilage zum 4. Januar desselben Blattes vernehmen: „Frankfurt, 2. Jan. Wie lange noch werden oberflächliche Skribler fortfahren, tausendmal widerlegte Behauptungen, von deren Grundlosigkeit jeder, dem es um Wahrheit zu thun.ist, sich überzeugen kann, bei jeder Veranlassung zu wiederholen und ohne Scheu öffentlich auszusprechen. Einem solchen gewissenlosen Verläumder einer ganzen Religionsgenossenschaft begegnen wir in dem Verfasser des Artikels: „Fürth, 27.Dezbr.", in der Beilage zu No. 2. des hiesigen Journals. Wenn der hyperorthodoxe Jude nicht aus der Schüssel eines Christen ißt und nicht mit dessen Messer schneidet, weil dieselben etwas von einer ihm verbotenen Speise an sich haften oder eingesaugt haben können, so ist das eine, allerdings höchst lächerliche rabbinifche Grübelei und Uebcrtreibung; niemals überlist es ihm in den Sinn gekommen,' die Person des Christen für unrein zu halten, oder daß er sich verunreinige, wenn er mit einem Christen esse. Weiß doch jedermann, daß der bigotteste Jude Christen zu seinem Tische einladet, seine Speisen von christlichen Dienstboten (freilich nach jüdischer Weise) zubereiten läßt, und alle ihm erlaubten Speisen hei und mit Christen genießt. Der Glaube „an einen weltlichen' König oder Messias aus jüdischem Stamme, der die Juden zu Herren der Welt machen faß", hat niemals im Judenthum existirt, wol aber der an einen Wiederhersteller des israelitischen Staates *); aber auch dieser ist selbst aus dem Leben der bigottesten Juden gänzlich verschwunden und durchaus ohne Einfluß auf Gesinnung und Handlungsweise. Was nun aber. die, noch schwebende Untersuchung gegen den Rabbinen Dr. Levi betrifft, so fragen wir: wer-ist es, bei welchem die, mit ihren erbärmlichen Machinationen von den meisten Juden verachtete Partei der Schwar- *) Dieses ist bekanntlich, etwas modifizirt, auch der Glaube frommer und gelehrter Christen. Man 's. u. a. die Erklärung des Herrn Dr. thcol. I. v. SBleyet in der Schrift: „Stimme berühmter Christen rc., von Löwen stein. Frankfurt 1843."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.