Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1843)
- Date
- 1843-01-28
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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48 zu verüben, und trat im Juli 1814 wieder in den Lehrstaud zurück. — Im Jahre 1821, als die Griechen sich erhoben, ihre Freiheit zu erringen, war Krug der erste, der für sie öffentlich das Wort nahm und Beiträge sammelte, was ihm freilich viel Ungelegenheiten erwirkte. Im Jahre 1828 erhob Krug zum ersten Male seine Stimme für die bürgerliche Gleichstellung der Juden in einem Aufsatze, der zuerst in der Minerva" Novemb. No. 1., dann besonders in Jena erschien: „Ueber das Verhältnis; verschiedner Religionsparteien zum Staate und über die Emanzipation der Juden. Noch ein dikäopolitischer Versuch. Jena, 1828. 8." Seine Feinde streuten damals das Gerücht aus,, er habe für diese Schrift 10,000Thlr. von Rothschild erhalten (!!) — Aber noch einmal sollte Kr. ein drangvolles Jahr verleben, und zwar als er wiederum das Rektorat verwaltete, das Jahr 1830. Es ist bekannt, wie in diesem Jahre auch in Leipzig Ruhestörungen ausbrachen, die zu unterdrücken, Kr. ein wesentliches durch Organisirung einer akademischen Legion aus den Studirendcn beitrug. Es widerfuhren ihm. dafür viele Ebren, wie er auch den Civilverdienstorden erhielt.— Eine Schrift, in der er den Polen ihren Aufstand widerrieth, zog ihm im nächsten Jahre viele Widerwärtig-" fetten zu. In demselben I. verfaßte er die Schrift: „Die Politik der Christen und die Politik der Inden im mehr als tausendjährigen Kampfe. Leipzig- 1832. 8." Zum Abgeordneten erwählt, übergab Kr. der ersten Kammer eine Petition der Juden um Ertheilung der Bürgerrechte und unterstützte sie durch Bevorwortnng, wofür ihm in einem Drohbriefe 13 Dresdner Bürger „die Knochen zerschlagen" wollten. (Aehnliche Schreiben erhielt er 1837.) S. seine „Verhandlungen des ersten Landtags im Königreiche Sachsen. Leipzig, 1833. 8." — Im Jahre 1834 legte Kr. seine Professur nieder, wurde aber zum Professor honorarius ernannt. „Sein „Henotikon, oder Entwurf eines neuen Religionsgesetzes für christliche Staaten. Leipzig,. 1830. 8.," ferner: „Kritische Geschichte öffentlicher Verhandlungen über die bürgerliche Gleichstellung aller Religionsparteien in christlichen Staaten. Leipzig, 1837.", endlich: „Ueber Gewissens- und Glaubensfreiheit sowol in moralisch-religiöser.als in rechtlicher Hinsicht. Ein Friedcnswort an alle Religtonspartheien. Leipzig, 1839." zeugen von seinem, auch im hohen Alter nicht erlöschenden Feuereifer für Menschenrecht. Im Jahre 1841 feierte man sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum auf die herzlichste Weise; auch der, Mendclssou-Verein in Dresden, an dem er lebendigen Antheil nahm"), begrüßte ihn (s. No. 3. 1842.). Krug verblich den 12. Januar des verflossenen Jahres, noch nicht 72 Jahre alt. An seinem Grabe sprach auch ein jüdischer Student im Namen - seiner Glaubensgenossen einen begeisterten Nachruf (f. No. 5. 1842.). — Dies ist das bewegte Leben eines 1 der aufrichtigsten Freunde und Verfechter der Emanzipation der Israeliten. Sehen wir jetzt näher auf das, was er für sie gewirkt. (Schluß folgt.) . Zeitrmgsrrachrichten. Belgien. ' Brüssel, 5. Januar. Der Großrabbi von'Belgien hielt im Namen des israelitischen -Konsistoriums folgende Anrede an den König: Sire, Madame! Das israelitische Konsistorium ergreift mit Eifer die Gelegenheit, welche ihm der Wechsel des Jahres darbietet, um an den Fuß des Thrones den Ausdruck seiner Empfindungen und Wünsche " nirderzulegen. Wenn die Geschichte aller Zeiten und aller Länder uns lehrt, daß die Israeliten aufrichtig ihren König und ihr Vaterland lieben und ihnen mit einer Hingebung ohne Gränzen dienen, wie sehr müssen dann nicht die israelitischen.Belgier von diesen Gefühlen unter ihrem Könige, auf dem der Geist der Weisheit ruht, und in einem Vaterlande durchdrungen sein, in welchem die Freiheit ihren Tempel aufgeschlagen hat. I. M. wissen es auch, daß die Wünsche, welche wir hegen, uns von der aufrichtigsten Hingebung eingeflößt werden; 'Mr richten sie in der Wärme unseres Herzens an die göttliche Vorsehung, daß sie mit ihrer Weisheit und Macht unser Land, die große belgische Familie beschirme und in ihrer Güte und Gnade unfern König, unsere Königin und die ganze königl. Familie segne. Deutschland. Frankfurt am Main, im Januar. Wie weit der Fanatismus auch in der Aufklärungssucht der Juden gehen kann — denn nicht bloß die Fin- *) Er überwies ihm aus dem Ertrage des „Henotikon" 250 Thaler!!