Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1843)
- Date
- 1843-01-28
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
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47 Namen. Schreiben wir LH» ein mit unverlöschtichen Chiffren Ln das Buch unsrer Geschichte und Ln unsre Her-, zen. Halten wir sie hoch, und befestigen wir ihr Angedenken selbst Lur Bewußtsein der, für Wohlthaten so vergeßlichen Masse. Sie wird dadurch im Selbsibewußtsein bestärkt, da sie sich auch von, Andersglaubenden erkannt und geehrt sieht; sie wird mit größerem Muthe, mit ausdauernderer Kraft ihr Streben festhalten, und nimmer daran zweifeln, da sie ihre'Reihen angeführt sieht vonsolchen, die nicht zu ihr gehören, und dennoch für sie leben. — Dies ist der Zweck auch der obigen Rubrik, die wir nach und nach mit Bausteinen anfüllen werden. Wir können keine ehernen oder marmornen Monumente setzen, wir können und dürfen es nicht. Aber das Wort hat ja eine Kraft erlangt, wodurch es stärker als Erz, dauernder als Marmor geworden. Wir werden von Zeit zu Zeit eines Mannes Leben beschreiben, der unsrer Angelegenheit eine kräftige Theilnahme schenkte. Es wird auch eine herrliche Walhalla sein, aber eine Walhalla aus Genossen aller Völker. Denn wohin ist nicht der Haß gegen den Stamm Jakob's gedrungen, aber wo hat, nicht auch die ewige Liebe sprühende Funken für ihn aus dem Menschenherzen geschlagen? — Wir wählen heute Einen, der ganz unbedingt die Gleichstellung der Juden verfocht, und erst im vorigen Jahre die geisteshellen Augen -schloß. # * Krug. # -8- -8- -8- -8- Krug*) war geboren in der Nacht zwischen dem 21. und 22. Juni 1770, in dem damals kurfürstl. Dorfe Radis, wo sein Vater Pachter des dasigen Rittergutes war. Nach einer frisch durchlebten Kindheit, kam er, zum Studium der Theologie bestimmt, 178.2 nach Schulpforte, wo er vorzügliche Fortschritte machte. Frühzeitig zeigte sich in dem Knaben eine freie Gesinnung; so wollte er, wie er selbst erzählt, die ihm angetragene Stelle als Famulus eines Lehrers, die viele Vortheile gewährte, nicht annehmen, weil ihm dieser Titel ein dienendes Verhältniß bezeichnete. Als Tertius Porteiisis. 1788 abgegangen, besuchte Krug die Universität Witten¬ *) Krug's Lebensreise in sechs Stazionen von ihm selbst beschrieben. Zweite Auflage. Leipzig, Baumgärtner's Buchhandlung. 1842. berg, wo er vier Jahre Theologie studirte, und sich dann, um sich zur Dozentur vorzubereiten, nach Jena begab (1792). Hier aber wandte er sich mehr der Philosophie zu, insbesondere der Kantischen bei Reinhold. Gedrungen, sich in dieser immer mehr festzusetzen, ging er noch nach Göttingen (1794), von wo aus er seine erste bedeutende Schrift zum Druck beförderte „über die Perfekti- -bilität der geoffeubarten Religion." Nunmehr habilitirte er sich in Wittenberg als Privatdozent, und begann seine Vorlesungen enzyklopädisch-philosophischen Inhalts mit einem außerordentlichen Erfolge. Jene Schrift aber zog ihm ein Ungewitter über das Haupt, das seine ganze Karriere unterbrach. Man stellte eine Untersuchung an, untersagte ihm alle theologischen Vorlesungen, entzog ihm alle Unterstützung, wodurch sich der Haß gegen alle Beschränkung in ihm nur verstärkte. Es standen Gegner wider ihn auf, denen er die Antwort nicht schuldig, blieb, was aber seine ^Stellung nur verschlimmerte, und ihn endlich auf das Krankenlager warf. Um diesem Allem zu entgehen, verließ Kr. Wittenberg und erhielt 1801 eine außerordentliche Professur in Frankfurt a. O. (mit 160 Thlr. Gehalt!) Er wurde aber bald befördert, und ehelichte die älteste Tochter des Generals von Zenge, die noch jetzt lebt. Während dieses ganzen Zeitraums hatte Kr. aber eine Menge Schriften enzyklopädischen, ästhetischen und philosophischen Inhalts zu Tage gefördert, die ihm einen bedeutenden Ruhm verschafften. Unter diese» Umständen geschah es, daß er zu Kant's Nachfolger in Königsberg ernannt wurde, und 1805 dahin abging. Als 1806 über Preußen das Unglück hereinbrach, trat Kr. in den s. g. Tugendbund, der den Zweck hatte, dem preußischen Staate wieder aufzuhelfeü, und wurde sogar zum Oberzensor/ d. i. Direktor des vom König genehmigten,' von der Königin beförderten-Bundes erwählt. Indessen schied Kr. von Königsberg, indem er 1809 einen'Ruf an die Universität zu Leipzig annahm. Einige Jahre vergingen, Kr. wurde Rektor der Universität, als der Brand von Moskau neue Hoffnungen in den Herzen aller Vaterlandsfreunde weckte. Kr. ward gleich lebhaft ergriffen, er machte Lieder und Aufrufe, die freilich anonym erscheinen mußten. Was Kr. als Rektor in solcher Zeit zu leiden hatte, läßt sich voraussetzen. Mitten unter dem Kanonendonner der Schlacht bei Leipzig legte er das Rektorat nieder und — stellte sich als Freiwilliger (43 Jahre alt,) unter die reitenden Jäger, von denen er bald als Hauptmann zu den Dragonern oerfetzt ward. Jndeß hatte Kr. keine Gelegenheit, Heldenthaten