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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-01-21 · Heft 3 (21.1.1843) · p. Seite 37

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 3 (21.1.1843)
Date
1843-01-21
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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37 halt und Form stehen daher im vorliegenden Gedichte Ln völligem Widerspruch, und es geht aus diesem Ringen keine höhere Einheit hervor. Auf den großen Felsen der Vorzeit hat Rapp. Blumenrabatten der kleinlicheren Gegenwart getragen, aber damit ist auch der Felsen verschwunden, und unser ermüdetes Auge sucht ihn vergebens. Es mag nun auch diese Behandlung unsres unsterblichen Gegenstandes ihr Verdienst haben, allein mit dem inner» Gehalte des Stoffes stimmt sie nicht überein, und wir können sie daher nicht als eine Vollendung anerkennen.- Nachdem wir so diese drei Dichtwerke einzeln betrachtet haben, stellen wir sie jetzt uns zusammen, um sie mit einem Blicke zu überschauen. Wir freuen uns vor Allem, daß in allen Dreien wir wahrhaftige Kunstwerke besitzen, daß keines derselben so ohne dichterischen Werth und künstlerische Durchführung, ist, daß wir es ohne Weiteres beseitigen müßten, daß es unwürdig und niedrig auf der Stufenleiter der Kunst wäre. Wir freuen uns, in allen Dreien der Welt zeigen zu können, welche mächtige Gabe des Geistes noch in Israel vorhanden ist, welche kräftige Entfaltung, welch' schöner Aufschwung das neue Israel, das doch dabei immer noch das alte ist, durchwebeu. — Abseitens dessen stellen sich die drei Mosaiden folgendermaßen. Wessely grebt eine dichterische. Paraphrase der h.. Schrift, Stein heim bemächtigt sich des Gegenstandes von ganz neuem, und verarbeitet den Stoff$u einem eigenthümlichen verschlungenen Ganzen, aber mit. Elementen, die der Schrift und dem Gegenstände fremd sind, Rappaport hält am Gegebenen, das er auf seine Weise verarbeitet, aber er drückt ihmein widersprechendes, weiches Gepräge auf. Wessely schreitet über den Gedankengang der Schrift nicht hinaus, so daß der geschichtliche Stoff den Inhalt ausfüllt, Steinl)eim erhebt die Idee der Offenbarung über den geschichtlichen .Stoff, und ordnet diesen jener unter, Rappaport faßt den geschichtlichen Stoff vom Standpunkt der Empfindsamkeit auf, so daß der Stoff in diese aufgeht.— Ohne nun eine spezielle Vergleichung,, die wir bei Kunstwerken für eine nutzlose Verwerthung halten, anstellen zu wollen, drängt sich uns doch die Frage auf: welche dieser drei Behandlungsarten ist den im Objekte liegenden Forderungen am angemessensten? Es leuchtet uns ein, daß hier zwei verschiedenartige Anforderungen vorhanden sind, die sich von vorn herein, entgegengesetzt sindderen Vereinigung, Verschmelzung, Ausgleichung aber dennoch hier der eigentliche Mittelpunkt ausmacht. Während nämlich von der einen Seite die heilige Geschichte'eine wesentliche Aendernng und Umgestaltung nicht gestattet, ohne wesentlich eine andre zu werden, während sie bei dem Werthe, den sie zugleich auf dem religiösen Gebiete besitzt, als unantastbar sich geltend macht:' verlangt von der andern Seite die Dichtung gebieterisch ihr Recht freier Wallung, die nicht von der Abgeschlossenheit der Fakta, sondern von der harmonischen Befriedigung eigenthümlicher Schöpfungskraft Gesetze sich verschreiben lassen will. Dies ist das Dilemma, Ln welches der Dichter bei der Behandlung dieser Geschichten kommen, dessen Ausgleichung aber auch sein höchster Preis sein muff. Sehen wir nun von diesem Standpunkt auf unsere drei Dichterwerke, so hat Wessely der Geschichte die freie Bewegung der Dichtung aufgeopfert, indem er nicht allein den Stoff, sondern auch den Ausdruck der h. Schrift beibehält, und nur im weitern Aussprechen sich freie Hand läßt. St ein heim hingegen ordnet die Geschichte, ohne sie an sich zu modifiziren, anders, bringt neue Personen und Fakta hinein, die das Interesse verwerten, und läßt so dje Dichtung frei über die Geschichte schweben; aber er gehet noch einen Schritt weiter, legt dem Ganzen noch eine ganz neue Szenerie uuter, die der dämonischen Welt, drängt dadurch dem ganzen Gebilde ihr widersprechende Elemente auf, und hat so die gewonnene Ausgleichung zu desto, grellerer Disharmonie gebracht. Rappaport endlich hat dem Objekte nur eine neue Seite abgewonnen, er hat es unter das - Mtcidoscop der romantischen Empfindsamkeit gelegt, wodurch der Stoff in eine abseits liegende Region gezogen wurde. Somit können wir allen dreien Werken die Erreichung des höchsten Zieles nicht zusprechen. Zwischen Wessely und Steinherm wird mehr die Subjektivität des Lesers entscheiden. Wessely wird die rührende Pietät und die Kunst, ein völlig Gegebenes zu bewahren und dennoch in neuer Form entgegenzubringen,' Steinherm wird die Großartigkeit der Konzeption und daS Brillantfeier der Szenerie für sich haben. Und so legen wir mit Befriedigung alle drei Mosaiden in der Schatzkammer unsrer Literatur nieder"). ") Wir bemerken nachträglich, daß in der Sulamifh Jahrg. Y. B. II. S. 118. die Ankündigung einer neuen Ausgabe der •hi©, welche die fehlenden drei Gesänge bringen sollte, vorhanden, ob sie ausgeführt worden, wissen wir nicht. Daselbst wird S. 120 bemerkt, daß 1795 eine deutsche Uebersetzung jenes Gedichtes in Berlin erschien, wir Haben diese noch nicht zu Gesichte bekommen.

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