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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-01-21 · Heft 3 (21.1.1843) · p. Seite 36

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 3 (21.1.1843)
Date
1843-01-21
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 ten Erwartungen, aber mit unverminderter Zuversicht! Lasset die Treue und den Edelsinn in uns wachsen, lasset den Gemeingeist in uns erstarken. Nur leget die Hände nicht in den Schooß, und sehet müßig dem Spiel der Zeit zu. Gehet nicht feige zurück, sondern gerüstet vorwärts. Niemand ist unberufen. Jedermann vermag Etwas. Vereinzelt ist selbst der stärkste Wille ein gebrechlich Reis. Die Tucke verstumme, der Haß erbleiche. Wir fechten unter gutem Panier, wir brauchen uns nicht zu schämen, es ist darauf gezeichnet: Gott und Vaterland! sehn'Schaft ist: Wahrheit und Erkenntniß! Literatur. i. Die drei Mosaiden. (Schluß.) Dieser zweiten Mosaike folgte nun' im verflossenen Jahre eine dritte: Mose. Episches Gedicht von Vr. Moritz Nappaport. Leipzig, 1842. Bemerkeuswerth ist es, daß so wie der Dichter der zweiten Mosaide auch der dieser dritten dem ärztlichen Stande angehört; ferner daß diese dritte durch ein schönes, klangvolles Gedicht dem Sir Moses Montefiore gewidmet ist. Rappaport hat sein Gedicht in fünf Gesänge getheilt, denen er bestimmte Titel vorgesetzt hat. Sie sind sämmtlich in fünffüßigen Jamben geschrieben, doch so daß der zweite, dritte und vierte Gesang aus Ollave rime, der erste und fünfte Gesang aus eigen zusammengesetzten Stanzen mit nur weiblichen Reimen bestehen. Der Gang des Gedichtes ist folgender. Der erste Gesang „die Sendung" beginnt mit Israelis Schicksalen in Aegypten, erzählt Moscheh's Geburt, Flucht und Berufung auf Sinai. Der zweite Gesang „die Befreiung" fährt nach einer Apostrophe an das jetzige Israel fort, den Zug Moscheh's nach Aegypten, sein Zusammentreffen mit Ahron, die Plagen Aegypten's bis zum Auszüge zu besprechen. Eigenthümlich ist hier, daß Pharao Schergen abschickt, M. und A. zu fahen^ jene aber, als M. den Stab schwingt, sich nicht an sie wagen; ferner daß die neun Plagen ganz kurz in einer Stanze abgemacht' werden. Der dritte Gesang „die Wanderung in der Wüste" führt die Israeliten sehr ausführlich durch das rothe Meer, und endet mit dem Gesang der Israeliten am rochen Meer. Der vierte Gesang „die Gesetzgebung" berichtet den- Kampf mit Amalek, giebt die Zehn-Gebote, erzählt vom goldnen Kalbe, den Kundschaftern und Korah. Der fünfte Gesang „Mose's Tod" schildert die Kriege mit Sichon und Og, die Vorgänge mit Bileam und den Moabitern, und den Tod Moscheh's. Wir sehen hieraus, daß Rapp., ungleich seinen Vorgängern, seine Dichtung über den Sinai hinaus bis zum Tode M.'s führet; ferner, daß er, gleich Wessely, sich an die h. Schrift gehalten, doch aber so, .daß er nicht den ganzen Inhalt bearbeitet, sondern dieses hervorhebt, jenes nur kurz berührt. Auch verfährt er nichts weniger als paraphrastisch, indem gerade seine Darstellung himmelweit von der der h.. Schrift entfernt ist. Während nämlich der Stoff ganz der biblische bleibt, und keine Veränderung erleidet, trägt der Ausdruck völlig den Charakter des Romantischen. Es ist ganz und gar ein der Jetztzeit augehöriges Gedicht nur mit' einem Stoff aus dem Alterthum. Es sind die Empfindungen, welche in den lyrischen Gedichten der neueren deutschen Dichter vorwalten. Um dies anschaulich zu machen, zitiren wir ausnahmsweise einige Zeilen aus der Rede, die Rapp, unsern Helden sprechen läßt, als er vom Horeb nach Aegypten aufbricht: „Lebt wohl, ihr Berge, ihr geweihten Räume! Ihr trauten Freunde meiner Einsamkeit! Die ihr des bangen Hirten stille Träume Mit eurem reichen Blütenschnee bestreut; Ihr Blumen all' und ihr gewalt'gen Bäume! Ihr treuen Zeichen einer trüben Zeit, Dem bangen Träumer habt ihr oft gelauschet, Und seinem Schmerze Tröstung zugerauschet. —" Hat nun Rapp, allerdings eine schöne, liebliche, reiche Sprache für sich, eine Bilderfülle, einen süßen Fluß der Empfindungen: so hat er doch seiner Dichtung unverkennbar, schon durch die Wahl der Form — den Charakter der Weichheit aufgedrückt, der der Kraft und Gewaltigkeit des Inhalts widerspricht, die daher unter dem Druck der Sprache nicht aufkommen können. Alles zerfließt in's Weiche, statt Erhebung — Rührung, statt ' Majestät — Hingebung, statt Staunen — Weinen. In-

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